Gute Sommersaison in der Bündner Hotellerie

Starke Nachfrage von Schweizer Gästen hält an

Bis Ende September erzielte die Bündner Hotellerie im Jahr 2020 3'883'873 Logiernächte, 10.7 Prozent weniger als im Vorjahr. Im dritten Quartal dieses in jeglicher Hinsicht ausserordentlichen Jahres konnte allerdings dank der Schweizer Gäste ein satter Zuwachs verzeichnet werden.

Von Patrick Casanova | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Do, 05.11.2020

In der ersten Jahreshälfte brachen die Logiernächte in der ganzen Schweiz auf breiter Basis ein. Aufgrund des frequenzstarken Winters vor Beginn des Lockdowns sowie vor allem des hohen Anteils an Schweizer Gästen fiel der Rückgang in der Bündner Hotellerie sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal zumindest nicht ganz so drastisch aus wie im nationalen Mittel.

Im dritten Quartal, der eigentlichen Sommerhauptsaison, erreichten die ausländischen Frequenzen in Graubünden gut die Hälfte des Vorjahresniveaus. Da gleichzeitig die Nachfrage der Schweizer Gäste stark anstieg (+45 Prozent gegenüber 2019), schliesst das Quartal insgesamt mit einem Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neben Graubünden weisen auch das Tessin sowie die Tourismusregion Jura & Drei-Seen-Land mehr Logiernächte aus als im Vorjahr.

Veränderung der Nächtigenden nach Tourismusregionen
Verfügbare Zimmer und Nettozimmerauslastung nach Monaten 2019 und 2020

 

In den letzten Jahren diversifizierte sich die internationale Gästestruktur der Bündner Hotellerie weiter, gerade auch in den Sommermonaten gewannen die aussereuropäischen Gäste an Bedeutung. Die Pandemie stoppte diesen Trend vorerst abrupt – im zweiten Quartal waren gerade noch knapp zehn Prozent aller Nächtigungen überhaupt ausländischer Herkunft, was einem historischen Tiefstwert entspricht. Im dritten Quartal steigerte sich dieser Wert auf immerhin 21.5 Prozent, die Dominanz der Binnennachfrage bleibt so aber augenfällig.

Logiernächte-Anteile nach Kontinenten, 2018 bis 3. Quartal 2020

 

Die zu einem kleinen Teil erfolgte Erholung der ausländischen Nachfrage in den Sommermonaten ist primär auf die bedeutsamsten Nahmärkte wie Deutschland zurückzuführen. Die Veränderungen zum Vorjahr korrespondieren dabei eng mit der Reisedistanz – je weiter weg sich ein Markt befindet, desto stärker widerspiegeln sich die Beschränkungen (beispielsweise im Flugverkehr) in deutlichen Frequenzverlusten.

Veränderung der Logiernächte 2020

 

Bei Betrachtung der Änderungen der einzelnen Sternenkategorien schliesslich fällt der Rückgang der höherklassigen, in der Regel stärker von ausländischen Gästen nachgefragten Nächtigungen auf. Die 5*-Betriebe büssten in der Summe von Juli bis September fast ein Viertel der Frequenzen im Vergleich zum Vorjahr ein. Die 3*- und 4*-Betriebe weisen derweil im selben Zeitraum ein Wachstum von 9.1, resp. gar 11.8 Prozent auf. Am stärksten zugelegt haben die tief- und nichtklassierten Betriebe mit 15.1 Prozent mehr Nächtigungen.