Eine statistische Einschätzung zeigt, wie die Coronapandemie die Arbeitsmarktzahlen in der Südostschweiz beeinflusste.

Starke Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Aktivität in der Schweiz: eine Regionen-basierte Analyse.

Von Luzius Stricker | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Mi, 13.10.2021

Seit der Einführung der ersten Bundesmassnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie wurden situationsgerecht verschiedene Stufen von Verboten und Schliessungen durchlaufen. Diese Massnahmen hatten Einfluss auf verschiedene Komponenten der regionalen Arbeitsmärkte. So wurden im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten statistischen Einschätzung die Arbeitsmarktzahlen für die Kantone der Süd- und Ostschweiz während der ersten Corona Welle im Jahr 2020 untersucht.

Offene Stellen

Der Index der freien, unbesetzten Stellen gilt als Frühindikator für den zunehmenden Druck auf die Beschäftigung und den Arbeitsmarkt. So stellen Unternehmen in erster Linie die Schaffung von neuen Stellen, respektive die Neubesetzung von auslaufenden Arbeitsverhältnissen zurück, bevor Jobs gestrichen werden.

Während der ersten Pandemiewelle, ist der Index der unbesetzten Stellen in der Grossregion Ostschweiz (bestehend aus den Kantonen Graubünden, St.Gallen, Thurgau, Appenzell I.Rh., Appenzell A.Rh., Glarus und Schaffhausen) analog zum Schweizer Mittel stark gesunken. Dies spricht für einen zunehmenden Druck auf den lokalen Arbeitsmarkt.

Beschäftigungsstatistik Grafik 1

Beschäftigung

In Einklang mit der reduzierten Verfügbarkeit neuer Arbeitsstellen hat sich auch die Beschäftigung entwickelt. Auf Ebene Schweiz hat in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2020 die Vollzeitbeschäftigung stagniert, bei den Männern hat sich diese sogar leicht rückläufig entwickelt. Erneut macht sich bemerkbar, dass in erster Linie, falls es zu einem Stellenabbau kommt, die Teilzeit Arbeitsstellen gefährdet sind.

Beschäftigungsstatistik Grafik 2
Beschäftigungsstatistik Grafik 3

Betrachtet man die Grossregion Ostschweiz einzeln, dann hatte die erste Schliessungswelle, entgegen dem nationalen Mittel, grössere Auswirkungen auf die Vollzeitbeschäftigung. Weniger ausgeprägt jedoch ist der Verlust der Teilzeitstellen im Osten der Schweiz. Eine Besonderheit ist, dass die üblichen saisonalen Schwankungen der Anzahl Arbeitsstellen in den Bergtourismus-kantonen per Ende Wintersaison mit dem Corona-Effekt verstärkt wurden.

Beschäftigungsstatistik Grafik 4
Beschäftigungsstatistik Grafik5

Arbeitslosigkeit

Die Kehrseite zur Beschäftigung ist die Arbeitslosigkeit, diese unterliegt analog der Beschäftigung verschiedenen saisonalen Trends. Im Schweizer Mittel erreicht die Arbeitslosigkeit jeweils zum Jahresbeginn den höchsten Wert. Dabei ist diese jährliche Veränderung primär ausgelöst durch die Volatilität der Arbeitslosenquote der Männer.

Noch stärker notieren diese Schwankungen, wenn man die ausländischen Arbeitslosen separat betrachtet. Die Covid-19 Pandemie hat den Rückgang der Arbeitslosenquote per Frühling unterbrochen, diese hat sich in der Folge auf höherem Niveau während der Sommermonate stabilisiert.

Beschäftigungsstatistik Grafik 6
Beschäftigungsstatistik Grafik 7

Eine Eigenheit des Bündner Arbeitsmarkts ist der unterschiedliche jahreszeitliche Trend der Arbeitslosigkeit im Vergleich der Geschlechter. So ist die Arbeitslosigkeit bei den Männern in den Wintermonaten höher als im Sommer. Bei den Frauen ist die Arbeitslosenquote gegensätzlich zum Verlauf der touristischen Saison, und erreicht ihre Höhepunkte im Frühling und Herbst.

Im Bündner Arbeitsmarkt, wo eine tiefe Arbeitslosigkeit herrscht, liess die erste Welle der Covid-19-Pandemie die Quote der Arbeitslosen relativ gesehen stark ansteigen, dies gilt gleichermassen für beide Geschlechter. Bei den ausländischen Arbeitskräften stieg, ausgelöst durch die Pandemie, die Arbeitslosenquote temporär stark an und überschritt im April 2020 die 10-Prozent-Marke.

Beschäftigungsstatistik Grafik 8
Beschäftigungsstatistik Grafik 9

Jugendarbeitslosigkeit

Ein weiterer Frühindikator für den steigenden Druck auf dem lokalen Arbeitsmarkt ist die Jugendarbeitslosigkeit. Diese Quote beinhaltet die Gruppe der 15 bis 24-jährigen Personen ohne Arbeit.

Der Bündner Arbeitsmarkt absorbiert die jungen Arbeitnehmer nach der Ausbildung im nationalen Vergleich gut, dem entsprechend tief fällt die Jugendarbeitslosenquote aus. Stellt man den Verlauf der jungen Bündner Arbeitslosen ins Verhältnis zur Vergleichsregion Tessin und zum Schweizer Mittel, beobachte man einen rapiden Anstieg der Quote in den ersten Pandemiemonaten. Während der Frühlingsmonate des 2020 steigt die Jugendarbeitslosigkeit vorübergehend auf über 3.5 Prozent, für Graubünden ein hoher Wert.

Beschäftigungsstatistik Grafik 10

Die detaillierte Studie mit weiteren Daten und Figuren ist Teil der jährlichen Anthologie des European Network on Regional Labour Market Monitoring.