Trotz Einbussen verzeichnet die Bündner Wirtschaft zweithöchsten Aussenhandelssaldo

Rückläufiger Bündner Aussenhandel 2019

Von Patrick Casanova | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Mo, 03.02.2020

Entgegen dem von der Chemie-Pharma begünstigten nationalen Trend (vgl. Medienmitteilung EZV vom 28. Januar 2020) haben sich in Graubünden sowohl die Warenimporte als auch die –exporte im letzten Jahr zurückgebildet. Nachdem 2017 und 2018 grössere Zuwächse verzeichnet werden konnten, sind die letztjährigen Einbussen primär als Folge globaler Unsicherheiten und abgeschwächter Konjunktur, teils aber wohl auch als natürliche Korrekturen zu sehen.

Nach wie vor hoher Handelsüberschuss

Gesamthaft exportierte Graubünden 2019 Waren im Wert von etwa 2.5 Milliarden Franken ins Ausland, 10.9 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Gegenzug beliefen sich die Importe auf gut zwei Milliarden Franken, was einer Minderung gegenüber dem Vorjahr um 6.2 Prozent entspricht. Der Aussenhandelssaldo als Differenz der Ein- und Ausfuhren schliesst so mit einem Plus von rund 450 Millionen Franken, dem nach 2018 immer noch zweithöchsten historischen Wert.

Grafik Aussenhandel 1

 

Gut 36 Prozent der Bündner Exporte entspringen dem chemisch-pharmazeutischen Bereich. Mit einem Minus von 8.8 Prozent entwickelten sich diese Ausfuhren deutlich weniger negativ als diejenigen aus der Gruppe der Maschinen, Apparate und Elektronik, welche gegenüber 2018 um 21 Prozent zurückgingen. Knapp 30 Prozent der Exporte werden dieser zweitwichtigsten Sparte zugerechnet. Mit einem Plus von 2.5 Prozent leicht positiv gegenüber dem Vorjahr entwickelten sich die Exporte der drittgrössten Warengruppe, die vor allem Präzisionsinstrumente umfasst.

Bündner Warenexporte nach Branchengruppen 2019

 

Knapp ein Viertel aller Bündner Warenausfuhren fanden auch im letzten Jahr Abnehmer in Deutschland, dem weiterhin mit Abstand bedeutendsten Markt. Dahinter folgen die USA und China mit Anteilen von 12, respektive acht Prozent. Die letztjährigen Exportrückgänge verteilen sich geographisch breit auf alle wichtigen Abnehmer, wenn auch tendenziell etwas stärker auf Europa.

 

Veränderung der nominalen Bündner Warenexporte 2019 gegenüber dem Vorjahr

 

Amerika und Asien gewinnen seit Jahren an Bedeutung

Hinweise auf die weiter zunehmende Diversifizierung des Aussenhandels bietet die längerfristige Perspektive; lieferte die Bündner Wirtschaft vor zehn Jahren noch gut 78 Prozent aller exportierten Waren in europäische Länder, verringerte sich dieser Anteil bis 2019 auf weniger als zwei Drittel. In der gleichen Zeitspanne vervielfachten sich die Exporte nach Nordamerika (v.a. in die Vereinigten Staaten) sowie nach Asien und hier vor allem nach China um die Faktoren zwei bis vier. Nach mehreren Jahren mit sehr hohen Zuwachsraten bildeten sich die Exporte ins Reich der Mitte im letzten Jahr nun aber bereits zum zweiten Mal in Folge zurück.

Struktur der Bündner Warenexporte nach Märkten 2009-2019

 

Viele Importe aus Nachbarstaaten

Deutlich weniger diversifiziert sind vergleichsweise die Warenimporte; obwohl auch hier die Bedeutung der asiatischen Herkunftsmärkte wächst, stammen auch 2019 gegen 60 Prozent aller Waren in Graubünden von den drei Nachbarn Deutschland, Italien und Österreich.