Wirtschaftstrends Oktober 2019

Deutlich abgekühlte Konjunktur, aber keine Rezession in Sicht

Nach dem starken Vorjahr ist die Bündner Wirtschaft 2019 nur schwach gewachsen. Auch 2020 ist nur mit einem bescheidenen Anstieg der kantonalen Wirtschaftsleistung zu rechnen.

Von Patrick Casanova | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Do, 14.11.2019

Eine sich vergleichsweise schwach entwickelnde Weltwirtschaft sowie eine Vielzahl von globalen politischen Unsicherheiten lassen auch die Schweiz nicht unberührt. Exporte und Investitionen entwickelten sich im Jahresverlauf zusehends verhaltener, die Aufwertung des Frankens wirkt zusätzlich bremsend. Eine gewisse Sättigung ist auch in binnenorientierten Branchen wie etwa dem Hochbau zu konstatieren.

Graubünden spürt diese Entwicklungen derzeit deutlich. Gemäss den Herbstprognosen von BAK Economics wird das Bündner Bruttoinlandprodukt 2019 im Vergleich zum Vorjahr denn auch nur um 0.2 Prozent wachsen, einen halben Prozentpunkt weniger als im Schweizer Mittel. 

Der Bündner Aussenhandel hat sich im Verlauf des Sommers sowohl einfuhr- als auch ausfuhrseitig stärker zurückgebildet. Teils dürfte es sich dabei um Korrekturen der hohen Wachstumsraten 2018 handeln, andererseits aber vor allem auch um die schwächere Nachfrage aus den wichtigsten Märkten, allen voran Deutschland. Von den in Graubünden bedeutendsten Warengruppen sind denn auch die stärker auf den europäischen Markt ausgerichteten Exporte von Maschinen, Apparaten und Elektronik am meisten von den Rückgängen betroffen.

Insgesamt wird die Bruttowertschöpfung der Exportindustrie so dieses Jahr nur leicht zulegen, erst für das kommende Jahr ist mit einer robusteren Entwicklung zu rechnen.

Wirtschaftsprognose - Veränderung BIP
Warenexporte, Veränderungen zum Vorjahr

 

Auf einen guten Sommer blickt der Bündner Tourismus zurück, allein die Frequenzen der Hotellerie stiegen um rund 3 Prozent (Oktoberwerte noch ausstehend). Es sind weiter vor allem die Schweizer Gäste, welche zum positiven Trend beitragen. Auslandseitig ist wie in der ganzen Schweiz ein grösseres Plus aus den USA festzustellen, stärker wachsen weiterhin auch die wichtigsten asiatischen Fernmärkte. 2.1 Prozent mehr Ersteintritte, resp. gar 13.1 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr verzeichneten gemäss Seilbahnen Schweiz im Zeitraum Mai bis Oktober die Bündner Bergbahnen. 

Die Aussichten für den kommenden Winter sind insgesamt gut, wie neben den Angaben der Unternehmen selbst auch die unlängst von der KOF ETHZ veröffentlichten Schweizer Tourismusprognosen zeigen. Vor allem die Nachfrage aus dem Schweizer Markt dürfte in Graubünden nochmals anziehen. Natürliche Unsicherheiten bezüglich Wetter und Schnee bergen aber immer auch gewisse Risiken, ebenso kann der wieder etwas stärkere Franken zu Preiskonzessionen führen, sodass die Branchenwertschöpfung vermutlich nicht allzu stark steigt. Unter den derzeitigen Voraussetzungen bleibt der Trend aber auch über den Winter hinaus positiv.

Hotellogiernächte, Veränderungen zum Vorjahr

 

Eher verhalten wird dagegen die Entwicklung im Baugewerbe eingeschätzt, sowohl von den Prognostikern als auch von den Unternehmen im Rahmen der Konjunkturumfragen selbst. Das Auslaufen einiger Grossprojekte, aber auch die Sättigung im Wohnungsmarkt, welche vielerorts Ausdruck in etwas steigenden Leerwohnungsziffern findet, dürfte hier dazu beitragen. Während die Neubaugesuche in den meisten Bündner Regionen deutlich unter dem langjährigen Mittel liegen, wirken die Umbauten wie etwa energetische Sanierungen derzeit etwas stabilisierend. Die allgemeine Geschäftslage im Baunebengewerbe wird diesen Herbst von den an den Konjunkturumfragen teilnehmenden Unternehmen denn auch deutlich positiver beurteilt als im Hauptgewerbe. Dennoch muss für die gesamte Bauwirtschaft sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr mit einem Rückgang der Branchenwertschöpfung zwischen einem und zwei Prozent gerechnet werden.

Schliesslich verleitet auch die in der ganzen Schweiz festzustellende, zurückhaltende Konsumentenstimmung den Bündner Handel zu wenig Optimismus, es ist bestenfalls mit einer stagnierenden Geschäftstätigkeit zu rechnen. Die grösseren Unternehmen beurteilen ihre Situation insgesamt freundlicher als die Mehrzahl der vielen kleinen Geschäfte.

Kumuliert rechnet BAK Economics so für das nächste Jahr mit einem Wachstum der Bündner Wirtschaft um 0.3 Prozent (Schweiz: 1.3 Prozent), auch die Beschäftigung dürfte mit 0.2 Prozent weniger stark wachsen als im nationalen Mittel (0.5 Prozent).

Veränderung ausgewählter Branchenwertschöpfungen
Konjunkturindikatoren