Bevölkerungsentwicklung 2020 in Graubünden.

Abwanderung, Übersterblichkeit und Migration – ein Jahr im Zeichen der Pandemie

Von Luzius Stricker | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Fr, 14.05.2021

Die jüngsten provisorischen Daten der Statistik der Bevölkerung und Haushalte (STATPOP) beziffern die effektiven Auswirkungen der Corona Pandemie im Gebirgskanton und erlauben eine erste Abschätzung der demografischen Effekte. Im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung in Graubünden um 1'029 Personen (auf 200'050 Personen) gewachsen und hat somit erstmals überhaupt die 200'000er Marke überschritten.

Haupttreiber des Wachstums der vergangenen Jahre war stets der positive Migrationssaldo, dieser vermochte sowohl den rückläufigen Geburtenüberschuss, als auch die interkantonale Abwanderung zu kompensieren. Doch wie haben sich diese Trends im Pandemiejahr verändert? Welche Auswirkungen hatten die Grenzschliessungen, die Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens und die Gesundheitskrise auf die einzelnen demografischen Komponenten?

Abbildung 1 - Bevölkerung

 

Corona-Sterblichkeit und Baby-Flaute

Im Jahr 2020 wurden im Kanton 1'801 Todesfälle registriert. Dieser Wert liegt um über 100 Fälle höher als das 10-jährige Mittel und übertrifft die prognostizierten Todesfälle für das vergangene Jahr. Geringer als erwartet haben sich die Geburten entwickelt. Mit 1'633 Lebendgeburten hat sich der Geburtenüberschuss im Kanton weiter ins Negative bewegt. Ein Lock-down-bedingter Corona-Baby-Boom blieb somit im 2020 aus.

Abbildung 2 Geburtenüberschuss

 

Migration in Zeiten von Grenzschliessungen und Reisebeschränkungen

Nach dem leicht rückläufigen Trend der letzten drei Jahre ist der Migrationssaldo für Graubünden im letzten Jahr wiederum deutlich auf 1'531 Personen gestiegen. Dieser Anstieg ist einerseits bedingt durch eine im Jahresvergleich um 5% höhere Einwanderung, andererseits, hat die deutlich geringere Auswanderung (minus 14 Prozent im Vorjahresvergleich) einen grossen Beitrag zum wachsenden Wanderungssaldo gemacht. Der Kanton Graubünden scheint während der Pandemie im internationalen Vergleich an Attraktivität als Wohnort gewonnen zu haben.

Abbildung 3 - Internationale Wanderung

 

Home-Office und Home-Schooling als Mittel gegen die Abwanderung der Bündner

Die behördlich angeordnete Empfehlung und Pflicht zur Telearbeit und Fernunterricht haben die Möglichkeiten und Grenzen von dezentralisierten Arbeitsstätten aufgezeigt. Der interkantonale Wanderungssaldo von und nach Graubünden blieb jedoch auch im 2020 mit minus 153 Personen negativ.

Aufgeteilt nach Staatsangehörigkeit differenziert sich das Bild insofern, dass der Negativsaldo insbesondere dem Wegzug von Ausländern in einen anderen Kanton zuzuschreiben ist. Betrachtet man nur die Schweizer Staatsbürger, so setzt sich auch im 2020 der Trend der letzten zwei Jahre fort und es sind entsprechend mehr Schweizer neu nach Graubünden gezogen als abgewandert (plus 231 Personen).

Abbildung 4 - Interkantonale Wanderung

 

Ausblick und Szenarien für Graubünden

Der Bevölkerungsbestand für 2020 hat die BfS Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung für Graubünden übertroffen. Ob dies den Entwicklungen rund um die Pandemie zuzuschreiben ist oder ob sich die Bevölkerungszahlen generell positiver entwickeln werden wird sich in den post-Pandemie Jahren zeigen.

Das aktuelle Referenzszenario 2020 für Graubünden sieht ein weiteres Bevölkerungswachstum um knapp 500 Personen bis ins Jahr 2030 vor. Langfristig wird die Bevölkerung jedoch schwinden. Diese Tendenz gilt auch unter der Prämisse eines hohen zukünftigen Zuwanderungssaldos, wobei sich der demografische Wandel dadurch lediglich um einige Jahre verzögert bemerkbar machen wird.

Abbildung 5 - Bevölkerungsszenarien