Oblamatik weiht das neue Innovations- und Technologiezentrum ein

«Wir haben ein Innovationsumfeld geschaffen»

Nach zweijähriger Bauphase ist das Churer Technologieunternehmen Oblamatik AG kürzlich in ihren Neubau auf dem Churer Rossboden eingezogen. Der Neubau bietet Platz für über 100 Mitarbeiter. Im Moment beschäftigt das Unternehmen rund 80 Mitarbeiter.

Von René Mehrmann Fr, 04.10.2019

Vor 20 Jahren bei der Firmengründung war die Oblamatik in der Laserpräzisionstechnik für die Luftfahrt- und Beschichtungsindustrie tätig. Heute kümmern Sie sich um Wassermanagement. Jetzt haben Sie den neuen, innovativen Geschäftssitz in Chur bezogen. Denken Sie jetzt an neue Geschäftsfelder?

Roland Obrist: Mit Wassermanagement haben wir ein grosses Geschäftsfeld, das noch nicht besetzt war und mit dem wir in den kommenden zehn bis 20 Jahren noch viel zu tun haben werden. Die Thematik hat mit Trinkwasser zu tun, aber auch mit heizen und kühlen. Das ist ein grosses Aufgabengebiet, in dem wir uns Kompetenz und Wissen aufgebaut haben. Daran halten wir fest. Wir bleiben also mit unseren Ideen sozusagen in Gebäuden. Dazu gehören nicht nur private Gebäude, sondern auch öffentliche Gebäude wie beispielsweise Spitäler, wo ein enormes Potenzial für Wassermanagement vorhanden ist.

Der Oblamatik-Neubau in Chur ist ein Meilenstein in Ihrer Firmengeschichte. Was wünschen Sie sich, was in diesem Gebäude entstehen soll?

Ich wünsche mir möglichst viel Innovation, was nicht heisst, nur eine gute Idee zu haben. Innovativ ist eine Idee erst, wenn sie erfolgreich im Markt ist. Innovation ist inzwischen auch ein sehr abgedroschenes Wort. Für mich ist Innovation eine gute Idee, die es weltweit noch nicht gibt und die erfolgreich wird. Solche Ideen wünsche ich mir in diesem Gebäude.

So präsentiert sich der neue Unternehmenssitz der Oblamatik AG in Chur. (Bild Ingo Rasp)

 

Können Sie beziffern wie viele Ideen in Ihrer Innovationsabteilung entstehen, die es nicht bis zur Marktfähigkeit bringen?

Von allen Ideen sind etwa 20 Prozent erfolgreich oder können zum Erfolg werden. Der Sanitärbereich ist, verglichen mit dem Elektronikmarkt, zudem ein extrem träger Markt. Ein heute topaktuelles Smartphone ist in zwei Jahren veraltet. Im Sanitärbereich sind die Innovationszyklen länger.

Ihre Innovationsabteilung arbeitet nicht unter Zeitdruck, kann einfach Ideen und Visionen entwickeln. Eigentlich ein Traum für jeden Arbeitnehmer.

Menschen, die nicht in diesem Bereich arbeiten, denken sich schon, was diese Leute für ein schönes Leben haben. Hängen ein bisschen rum und tun wenig bis gar nichts. Aber das ist überhaupt nicht so. Diese Mitarbeiter haben eine hohe Eigenmotivation, die wollen Dinge erfinden und ich muss ihnen keine Vorgaben machen. Wichtig ist der Rahmen, den sie für ihre Arbeit bekommen. Sie können also nicht plötzlich ein Auto entwickeln. Die Mitarbeiter in dieser Abteilung sind gerade deshalb so hoch motiviert und kreativ, weil wir ihnen keinen Druck aufbauen.

Mit zunehmender Wasserknappheit weltweit dürfte das Thema Wassermanagement in Zukunft noch wichtiger werden. Besonders betroffen davon sind auch wenig entwickelte Länder auf dem afrikanischen Kontinent oder in Asien. Da wäre zwar ein Marktpotenzial vorhanden, viele Gegenden müssten aber erst einmal mit Wasser erschlossen werden.

Wir sprechen da von zwei unterschiedlichen Herausforderungen. In Indien zum Beispiel haben Millionen von Leuten überhaupt keinen Zugang zu Toiletten. Das ist ein Thema, das angegangen werden muss und wo sich zum Beispiel Bill Gates sehr engagiert. Wir sehen unser Aufgabenfeld dort, wo es zumindest eine minimale Infrastruktur gibt. Das wäre zum Beispiel eine preiswerte Toilette, die automatisch erkennt, welches «Geschäft» jemand erledigt hat und dementsprechend die Wassermenge für die Spülung festlegt. So kann viel Wasser gespart werden, dass dann als Trinkwasser zur Verfügung steht und nicht einfach weggespült wird. Das mag für Schweizer Ohren exotisch klingen, aber wir sind uns hier diesem Problem nicht bewusst.

Wir haben auch noch genug Wasser in der Schweiz, gelten als Wasserschloss. Wird uns das Thema in Zukunft mehr beschäftigen?

Wir haben zwar noch genug Wasser, aber es gibt auch bei uns Orte, die im Sommer ihre Dorfbrunnen abstellen müssen. Wir dürfen diese Ressource nicht einfach verschwenden. Es gibt in heissen, trockenen Sommern bei uns und in Deutschland schon Weisungen, dass Gärten nicht mehr bewässert werden dürfen. Aber wir denken immer noch, wir könnten einfach an einen Bach und alles ist in Ordnung. Das stimmt leider nicht mehr. Es wird damit gerechnet, dass in den nächsten fünf Jahren die sieben grössten Länder nicht mehr genug Trinkwasser zur Verfügung haben werden. Also müssen wir Technologien entwickeln, welche extrem schonend mit dieser Ressource umgehen.

Sitzungszimmer Oblamatik AG in Chur Co-Creation-Space im neuen Oblamatik-Fimensitz in Chur

Der Neubau besticht durch helle Räume und im ganzen Gebäude platzierten Co-Creation-Spaces. (Bilder Ingo Rasp)

 

Sie haben den Neubau in Chur unter der Prämisse erstellt, dass Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter «nach Hause kommen, um zu arbeiten». Die Architektur eines Gebäudes kann viel dazu beitragen, letztlich braucht es aber auch das Mindset der Mitarbeiter.

Das wichtigste dafür ist die Wertschätzung. Wenn ein Mitarbeiter diese Wertschätzung spürt, hat man schon viel erreicht. Wir lassen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deshalb spüren, dass ihre Arbeit geschätzt wird. Entsprechend hoch ist ihre Motivation. Und wenn ich ihnen meine Wertschätzung mit einem Fitnessraum und einem Spielraum zeigen kann, dann muss ich das als Arbeitgeber auch tun. Innovation entsteht dort, wo sich die Menschen wohlfühlen, nicht im Stress in einem Büroraum und mit dem Befehl des Chefs, jetzt endlich innovativ zu sein. Innovation entsteht bei einem Gespräch in einer angenehmen Umgebung, beim Auspowern im Fitnessraum oder beim gemeinsamen Grillieren in unserer Outdoorküche. Wir haben mit unserem Gebäude ein Innovationsumfeld geschaffen, das Mindset setzen wir im Umgang mit unseren Mitarbeitern. So geben wir ihnen die Möglichkeit, kreative und innovative Produkte zu entwickeln.

Sie wollten Ihr neues Innovations- und Technologiezentrum bewusst in Chur bauen, obwohl es für Sie nicht einfach ist, hier die nötige Anzahl an Ingenieuren zu finden. Ist dieses Haus auch eine Chance, um Fachkräfte aus dem Unterland und dem Ausland nach Graubünden zu holen?

Ich sehe diese Chance durchaus. Wir brauchen aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen muss. Wir brauchen die Hochschule, denn wir brauchen Elektroingenieure, Softwareingenieure, Konstrukteure und Maschinenbauingenieure sonst können wir nicht mehr wachsen. Deshalb haben wir uns entschieden, mit mehreren Unternehmen gemeinsam bei der Standortinitiative Enavant 4.0 mitzumachen. Mit unserem Neubau und mit dem Tag der offenen Türe am 26. Oktober wollen wir natürlich auch Leute anlocken und diesen das Arbeiten und Wohnen in Chur schmackhaft machen und sie in den Kanton Graubünden holen.

Kontakt

Oblamatik AG
La-Nicca-Strasse 12
7000 Chur

Telefon +41 81 553 53 00

Website oblamatik.ch