Davaz: Vom Weingut zum Weinimperium

Nationaler Player mit Bündner Wurzeln

Vor bald 30 Jahren übernahm Andrea Davaz von seinen Eltern das Weingut in Fläsch. Dieses baute er stetig aus – und stieg zum grössten Weinunternehmer in der Bündner Herrschaft auf. Für Aufsehen sorgte Andrea Davaz zuletzt mit der Akquisition von Rimuss. Neben dem Unternehmen aus dem Klettgau und dem eigenen Weingut gehören drei Weinhandlungen zur Davaz Holding AG.

Von Anita Fuchs Do, 28.05.2020

Davaz – Weinliebhaber aus der ganzen Schweiz kennen die exzellenten Tropfen des renommierten Weingutes aus Fläsch. Privatpersonen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten ebenso wie Gäste von lokalen Pizzerien und 5-Sterne-Hotels im In- und Ausland. Im Sortiment von Weinhändlern ausserhalb der Davaz Holding AG hingegen sind die aus acht Rebsorten hergestellten Davaz-Weine nicht zu finden. Trotz oder gerade wegen der beeindruckenden Expansion in den vergangenen drei Jahrzehnten geniessen die hochklassigen Erzeugnisse des Traditionsbetriebes eine gewisse Exklusivität. 

95 Angestellte in zwei Kantonen

Die ersten Reben pflanzte die Familie Davaz 1972. Zwei Jahre später verkaufte sie den ersten selbstgekelterten Wein. Direkt ab Hof. Die Weine überzeugten auf Anhieb und fanden schnell eine treue Kundschaft.

Nach seiner Ausbildung zum Önologen übernahm Andrea, der jüngste Sohn von Hans und Annemarie Davaz, zusammen mit seiner Frau Marianne 1991 die Führung des Weingutes. Damals produzierte es jährlich etwa 50 000 Flaschen. Heute sind es 100 000 Flaschen Weingut Davaz und 300 000 Flaschen von Salis Weine aus Graubünden.

Eine eindrückliche Kulisse umgibt das Weingut Davaz. (Bild Anita Fuchs)

 

Zum einen vergrösserte Andrea Davaz die Rebfläche in Fläsch von acht auf 13 Hektaren, zum anderen kauft er mittlerweile die Trauben von 50 Hektaren in der Bündner Herrschaft und zwei Dörfern im Bündner Rheintal.

Kontinuierlich steigerte er den Absatz in all den Jahren dank einer Erweiterung des Geschäftsfeldes. So gründete er 1994 mit zwei Freunden die von Salis AG mit Hauptsitz in Landquart und dazu gehörender Vinothek in Maienfeld. 2003 übernahm er 50 Prozent der wine AG – Valentin & von Salis in Pontresina und kaufte 2012 die Zanolari Weine AG. 

In der ganzen Schweiz für Schlagzeilen sorgte Andrea Davaz vor rund zweieinhalb Jahren, als er die Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG im schaffhausischen Hallau akquirierte. Gänzlich überraschend kam die Übernahme des Traditionsunternehmens mit dem alkoholfreien Kultgetränk Rimuss als Aushängeschild nicht zustande.

Bei der Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG, wie sich das Unternehmen bis Anfang 2019 nannte, absolvierte Andrea Davaz zu Beginn der 1980er-Jahre eine Lehre als Weintechnologe, arbeitete ein paar Jahre später als Betriebsleiter und war von 2010 bis 2014 Verwaltungsratsmitglied.

Der Personalbestand innerhalb der Davaz Holding AG wuchs somit um fast das Doppelte an und umfasst aktuell 95 Mitarbeitende. Auf die verschiedenen Standorte in Graubünden entfallen rund 50 Angestellte. Unter ihnen figurieren mit dem Weintechnologen Luca Davaz (Verantwortlicher fürs Weingut) und dem Betriebswirtschafter Micha Davaz (zuständig für die von Salis AG und für den Rebbau in Fläsch) auch zwei der sechs Kinder von Andrea und Marianne Davaz. Der Patron seinerseits übt das Amt des Verwaltungsratspräsidenten aus.

Von vier bis rund 13 000 Franken

Mittlerweile verbringt Andrea Davaz wöchentlich drei Tage im Klettgau. Vor etwas mehr als einem Jahr übernahm er auch die Geschäftsleitung der Rimuss & Strada Wein AG. In kurzer Zeit führte er das Unternehmen aus den tiefroten Zahlen – und wurde heuer wohl nicht zuletzt dank dieses Efforts für den Prix SVC (Swiss Venture Club) Ostschweiz nominiert. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass Andrea Davaz und seine Crew neben ökologischer Produktion konsequent auf höchste Qualität setzen. 

Dieses Denken führte schon zu manch einer wertvollen Auszeichnung am «Grand Prix du Vin Suisse». So gewannen Davaz-Weine seit 2012 fünfmal die Goldmedaille, und der «Uris» wurde 2016 sogar zum besten Pinot Noir der Schweiz gekürt.

Das Palmarès ergänzen zehn Goldmedaillen für Weine der Von Salis Wein AG. Das Spektrum innerhalb des grössten Bündner Unternehmens innerhalb der Davaz Holding AG ist beträchtlich: Der günstigste Wein (Merlot del Piave) kostet vier Franken, der teuerste (Romanée-Conti) 13 280 Franken.

Vielfältig präsentiert sich nicht nur das preisliche Spektrum. Äusserst beeindruckend ist auch die Umsatz-Entwicklung des Familienunternehmens: Vor drei Jahrzehnten wies es einen Umsatz von knapp 600 000 Franken aus, inzwischen sind es etwa 48 Millionen Franken – wobei gerade einmal rund fünf Prozent aufs eigentliche Weingut entfallen. Trotz seines innovativen Unternehmergeistes: Andrea Davaz bleibt ein Weinbauer. Zu gross ist die Leidenschaft für (gesunde) Reben und (vorzüglichen) Wein.

Kontakt

Weingut Davaz
Porta Raetia
7306 Fläsch

Telefon 081 302 17 10

Fax 081 302 42 62

Website Davaz Weine, Fläsch