150 Jahre «Grand Resort Bad Ragaz»

«Im Vordergrund steht der Genussfaktor»

Anfang Juli ist in Bad Ragaz das Grand Hotel «Quellenhof» nach einer umfassenden Sanierung wieder eröffnet worden. Gleichzeitig feierte das «Grand Resort Bad Ragaz» das 150-Jahr-Jubiläum. Wie hat sich die Luxushotellerie in den vergangenen Jahren entwickelt? Marco R. Zanolari, General Manager der Grand Hotels, gab «GRimpuls» Auskunft.

Von René Mehrmann Di, 17.09.2019

Herr Zanolari, Sie sind seit Ende 2016 General Manager der Grand Hotels des «Grand Resort Bad Ragaz». War es schon immer Ihr Ziel, ein grosses, traditionelles Luxus-Haus zu führen?

Marco Zanolari: Das war schon seit meiner Kindheit tatsächlich ein Traum von mir. Wenn man in Graubünden aufwächst, wird man früh mit dem Tourismus konfrontiert. In meiner Familie gab es Hoteliers, die in der ganzen Welt tätig waren. Das hat mich ebenfalls inspiriert bei meiner Berufswahl. Der Besuch der Hotelfachschule EHL in Lausanne war deshalb eine logische Konsequenz davon.

Sie haben über acht Jahre lang für eine grosse Hotelkette an verschiedenen Orten in der ganzen Welt gearbeitet. Was hat Sie bewogen, in die Schweiz zurückzukehren?

Meine Familie und ich waren fast 20 Jahre im Ausland und wir wollten zu unseren Wurzeln zurückkehren. Die Möglichkeiten, in der Schweiz einen solchen Betrieb wie dem «Grand Resort Bad Ragaz» die Position des General Managers zu übernehmen, sind beschränkt. Deshalb ist diese Stelle für mich eine schöne Herausforderung. Auch für meine Familie stimmte der Zeitpunkt für die Rückkehr in die Schweiz. Unsere Kinder wachsen jetzt in Chur auf und besuchen dort die gleiche Schule, die ich schon besuchte. Meine Eltern leben in Chur, jene meiner Frau in Lugano und damit haben wir das familiäre Netzwerk in der Nähe. Das sind Dinge, die wir nach all den Jahren im Ausland sehr schätzen.

Wie hat sich die Hotellerie in den knapp 20 Jahren seit Ihrer Ausbildung an der Hotelfachschule in Lausanne verändert?

Die Hotellerie hat sich schon immer laufend verändert. Die Hotels müssen sich nach den Wünschen der jeweiligen Generationen richten, seien es die Babyboomer, die Generation X, Y oder Z. Was in der 5-Stern-Hotellerie aber nie verloren gegangen ist, ist der persönliche Service, dieser «Sense of care».

Was meinen Sie damit konkret?

Man ist präsent für den Gast, betreut ihn, nimmt ihn an der Hand und erfüllt ihm seine Wünsche und Bedürfnisse möglichst gut. Das wird immer so bleiben in der Luxushotellerie, auch wenn sich im Hintergrund die Technologie geändert hat und sich die Ansprüche, was Luxus bedeutet, verändert haben. Aber wie gesagt, die Hotellerie ist ständig dem Wandel unterworfen und es sind die flexiblen Hoteliers, die erfolgreich sind und in Zukunft erfolgreich sein werden.

Sie sind jetzt gut 40 Jahre alt. Haben Sie einen beruflichen Traum, den Sie noch verwirklichen wollen?

(Lacht) Das ist eine schwierige Frage. Es liegt in der menschlichen Natur, dass man sich immer mehr wünscht. Das zeichnet Menschen in Positionen, wie ich sie bekleide, aus. Als Hoteldirektor ist man auch ein Getriebener und will immer mehr. Wo das für mich persönlich endet, kann ich heute nicht sagen, aber ich strebe aktiv keine Veränderung an. Ganz im Gegenteil, ich bin sehr glücklich in Bad Ragaz. Wir haben viele spannende Projekte in Arbeit, wir haben ein Hotel für 45 Millionen Franken umgebaut und müssen dieses jetzt im Markt positionieren und erfolgreich führen.

Die Fassade des vor 26 Jahren neu erbauten Hotels «Quellenhof» in Bad Ragaz ist dem ursprünglichen, 1869 erbauten Hotel, bis ins Detail nachempfunden. (Bild Grand Hotels Bad Ragaz)

 

Sie haben das Grand Hotel «Quellenhof» erwähnt, dass dieses Jahr das 150-Jahr-Jubiläum feiert und im Frühling umgebaut wurde. Das ursprüngliche Hotel, das 1869 eröffnet wurde, wurde Mitte der Neunzigerjahre abgebrochen und komplett neu gebaut. Nach «nur» knapp 30 Jahren in Betrieb folgte eine umfassende Sanierung. Was gab den Ausschlag dafür?

Beim Neubau des «Quellenhofs», der vor 26 Jahren eröffnet wurde, sind viele Elemente des ursprünglichen Hotels übernommen worden. Die Fassade des Hauses sieht praktisch gleich aus, wie 1869. In der Grundstruktur ist das Haus aber neu und sehr gut gebaut worden. Ich habe in meiner ganzen Karriere kein anderes Hotel kennengelernt, das in Sachen Logistik so clever konzipiert wurde, wie der «Quellenhof». Nun mussten wir auf Wünsche der Gäste reagieren und unter anderem eine Klimaanlage einbauen. Beim Neubau vor 26 Jahren war das noch kein Thema. Das ist ein enormer Eingriff in ein Gebäude und wir haben diese Chance genutzt, um gleichzeitig die Zimmer auf den neuesten Stand zu bringen und den Bedürfnissen unserer heutigen Gäste anzupassen.

Sie haben auch in der Gastronomie ausgebaut. Weshalb?

Wir haben lange darüber diskutiert, wie wir das Grand Hotel der Zukunft aufstellen wollen. Wir kamen zum Schluss, dass eine Destination wie Bad Ragaz mit einer erweiterten Gastronomie noch attraktiver gestaltet werden kann. Wir haben unser wertvolles Thermalwasser, wir haben die medizinischen Angebote und wir waren immer auch Vorreiter in der Kulinarik. Diese Vorreiterrolle wollten wir noch ausbauen und haben deshalb gemeinsam mit Sven Wassmer zwei Restaurantkonzepte kreiert, die uns helfen, neue Märkte zu erschliessen. Dazu gehört das «verve by sven», ein Gesundheitsrestaurant das Spass macht und lässig ist, und das Fine-Dining-Restaurant «Memories». Kombiniert haben wir das «verve» mit einer Bar, die mitten im Restaurant steht. Das ist zwar weltweit gesehen kein Novum, aber in der Schweiz in einem Grand Hotel einzigartig. Damit wollen wir Tür und Tor öffnen für Gäste aus der Region, die gerne für ein feines Essen und einige entspannte Stunden in die Atmosphäre eines Grand Hotels eintauchen wollen.

Haben Sie keine Bedenken, dass einheimische Gäste Schwellenangst haben und den Besuch bei Ihnen etwas scheuen?

Ich denke, da haben sich die Ansprüche verändert, sowohl bei den regionalen Gästen als auch bei uns im Resort. Wie viel Leben darf es in einem solchen Haus haben, wie viel Spass darf sein, waren Fragen, die wir uns gestellt haben. Wir gehen mit dem Grand Resort neue Wege und nehmen in der Schweiz erneut eine Vorreiterrolle ein. Die Durchmischung von Hotelgästen und Restaurantbesuchern aus der Region macht das Haus interessant. In den USA, in Asien und im Mittleren Osten ist es ganz normal, dass ein Hotel auch der Ort ist, wo man sich mit Freunden trifft, um eine gute Zeit zu verbringen. Ich glaube, dass sich dieser Trend auch in der Schweiz verstärkt zeigen wird.

Früher herrschte in Luxushotels häufig eine gewisse Steifigkeit. Ist das in der modernen Luxushotellerie verschwunden?

Das Steife ist sicher verschwunden, aber es bleibt natürlich ein Ort, an dem man nicht in abgewetzter Kleidung in den Ausgang geht. Im Vordergrund steht der Genussfaktor, egal ob man an die Bar geht, ins Spa, zur Maniküre, auf den Golfplatz, zum Essen oder zum Coiffeur. Wir bieten im «Grand Resort» alles an und sind wie eine kleine Stadt in einer heilen Welt. Unser Ziel ist es, diese Hemmschwelle gegenüber einem Luxushotel abzubauen. Viele Menschen haben ein vorgefasstes Bild, wie ein Luxushotel ist. Das wollen wir ändern.

Sie haben im Zuge des Umbaus die Gästezimmer modernisiert. Sind Hotelgäste heute anspruchsvoller geworden?

Früher liessen sich Gäste häufig von den Einrichtungen der Hotelzimmer inspirieren für ihr Zuhause. Heute denken sie oft, ich habe den besseren Fernseher zu Hause und mein Bett ist auch bequemer als jenes im Hotel. Da spüren wir einen gewissen Druck und müssen uns die Frage stellen, wie wir möglichst viele Gäste zufriedenstellen können. Wir wollen natürlich auch weiterhin Inspirationen bieten. Nicht in Bezug auf die Ausrüstung eines Zimmers mit elektronischen Geräten, aber beispielsweise mit Kunst und Kultur. Einerseits kann ein Gast heute in seinem Zimmer mit seinem eigenen Gerät Streamingdienste abrufen, andererseits haben wir Traditionen bewahrt. So gibt es in jeder Suite einen klassischen Schminktisch mit Spiegel, der das Flair der frühen Luxushotellerie aufnimmt und in die Moderne führt.

King Suite, Hotel Quellenhof Bad Ragaz Junior Suite, Hotel Quellenhof Bad Ragaz

Blick in die King Suite (links) und eine Junior Suite im renovierten Hotel «Quellenhof» in Bad Ragaz. (Bilder Grand Resort Bad Ragaz)

 

Spüren Sie Unterschiede bei den Ansprüchen der Gäste an ein Zimmer und ein Hotel aufgrund ihrer Herkunft?

Auf jeden Fall. Wir können heute mit unserem vielfältigen Angebot allen Gästen einen angenehmen Aufenthalt bieten. Sei es ganz klassisch zur Kur oder mit unserem neuen Familien-Spa, mit unserem E-Bike-Hub für Sportinteressierte und mit unseren Gastronomiebetrieben für die Kulinarikinteressierten. Gäste aus dem Mittleren Osten und aus Russland kommen oft aus medizinischen Gründen in Kombination mit einem tollen Hotel nach Bad Ragaz. Bei amerikanischen Besuchern wiederum ist die Grand Tour of Switzerland sehr populär und wir können mit dem «Palais», unserem historischen Relais-&-Chateaux-Haus, punkten.

Was ist die Herausforderung dabei?

Wir müssen uns klar darüber sein, welches Angebot wir für welche Zielgruppe vermarkten. Das ist der Schlüssel für den Erfolg des «Grand Resort».

Die Schweizer Hotellerie hat einige schwierige Jahre hinter sich. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 hat tiefe Spuren hinterlassen. Im Moment läuft es dem Tourismus wieder besser. Wie sehen Sie die Zukunft der Hotellerie in der Schweiz? Welche Gäste müssen angesprochen werden?

Ich bin überzeugt davon, dass der Hotelgast in Zukunft noch individueller seine Destination auswählen wird. Unsere Arbeit wird dadurch komplexer. Da kann zum Beispiel ein Instagram-Post einer Region plötzlich viele Gäste bescheren, wie das diesen Sommer mit dem Caumasee in Flims der Fall war. Darauf muss man als Hotelier schnell reagieren können. Wir dürfen aber die europäischen Gäste und insbesondere jene aus Deutschland nicht vernachlässigen. Da ist der Eurokurs natürlich ein Thema. Und dann müssen wir versuchen neue Gästesegmente zu erschliessen, so wie es Hotelleriesuisse Graubünden mit der Fernmarkt-Strategie macht, die Gäste aus dem Mittleren Osten, China und den USA nach Graubünden holen will.

Wo sehen Sie den «Quellenhof» in fünf Jahren?

Ich bin überzeugt davon, dass die Durchmischung von Hotelgästen und einheimischen Besuchern im «Quellenhof» das Erfolgsmodell der Zukunft ist. Die Hotels sind Treffpunkt für die Menschen, unsere Besucher und Gäste bestätigen uns das täglich. Letzten Endes aber zielen alle Neuerungen darauf ab, den «Quellenhof» zu einem der populärsten Hotels der Schweiz zu machen – und da sind wir auf gutem Weg.

Reception Hotel Quellenhof, Bad Ragaz Eck-Junior-Suite, Hotel Quellenhof Bad Ragaz

Die neugestaltete Reception des Hotels «Quellenhof» und ein Blick in die Eck-Junior-Suite mit Parkettboden. (Bilder Grand Resort Bad Ragaz)

Marco R. Zanolari…

…ist in Chur geboren und aufgewachsen. Nach dem Besuch der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos studierte er von 1998 bis 2001 an der Ecole hôtelière de Lausanne (EHL) und schloss sein Studium mit einem Bachelor of Applied Science ab. Nach seiner Ausbildung arbeitete Zanolari weltweit in verschiedenen Hotels, darunter acht Jahre in verschiedenen Positionen bei der Hotelkette «Four Seasons Hotels and Resorts». Als Hotel und Resort Manager leitete er unter anderem das «Four Seasons Hotels & Resorts» in Miami und das «Four Seasons Resort Maui» auf Hawaii.

Seit November 2016 ist Zanolari General Manager der Grand Hotels des «Grand Resort Bad Ragaz». Daneben ist er auch Member of the Executive Board der Swiss Deluxe Hotels. Zanolari ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Chur.

Das «Grand Resort Bad Ragaz» in Zahlen (2018)

  • Anzahl Mitarbeiter: 816 (Frauenanteil: 64 Prozent, Frauenanteil im Kader: 47 Prozent)
  • Umsatz: 108,5 Millionen Franken
  • EBIT: 5,6 Millionen Franken
  • Konzerngewinn: 7,5 Millionen Franken

Kontakt

Grand Resort Bad Ragaz
Bernhard-Simonstrasse
7310 Bad Ragaz

Telefon +41 81 303 30 30