Erfolgreiche Jungunternehmer

Die Antwort auf kriminellen Drohnen-Missbrauch

Die Firma Droptec GmbH aus Chur hat ein weltweit einzigartiges Drohnen-Abwehrsystem erfunden und dafür vom Bündner Jungunternehmerforum erst kürzlich den Preis zum «Jungunternehmer des Jahres 2019» verliehen bekommen. Eine Erfolgsgeschichte.

Von Franco Brunner Di, 17.12.2019

Die Diskussion über Sinn oder Unsinn von Drohnen – also von unbemannten Luftfahrzeugen, die durch einen Computer oder über eine Fernsteuerung betrieben und navigiert werden – ist hierzulande wohl schon so alt, wie es diese Flugobjekte überhaupt gibt. Die Einen sehen in ihnen technisch wertvolle und sinnvolle Helfer. Beispielsweise bei Verfolgungseinsätzen der Polizei oder bei Rettungseinsätzen in unwegsamen Gelände wie etwa bei der Bergrettung. Auch sehen sie Drohnen als ideales Werkzeug für einzigartige Bildaufnahmen oder schlicht und einfach als spassiges Spielzeug für jedermann.

Die Anderen wiederum sehen in Drohnen vielmehr lästig surrende Wegbegleiter über den Köpfen an Orten und Momenten, an denen man getrost darauf verzichten könnte und stellen sich auch die Frage nach der Sicherheit. Denn so viel steht fest: Mit dem Aufkommen der Drohnen ist gleichzeitig auch eine neue Form der Bedrohung entstanden. Sei dies durch potentielle Anschläge mit bewaffneten Drohnen bei Grossevents oder auch als Transportmittel für das Einfliegen von Waffen und Drogen über Gefängnismauern.

Ein Szenario, das hauptsächlich in Grossbritannien, in den osteuropäischen Staaten aber auch in Übersee bereits zum Alltag gehört. Und genau hier kommt die Churer Firma Droptec GmbH ins Spiel. Denn das 2016 gegründete Unternehmen setzt just hier an und hat es geschafft, mit dem «Dropster» ein mobiles Drohnen-Abwehrsystem zu kreieren, das in dieser Art weltweit einzigartig ist (siehe Kasten).

Zusammenarbeit mit Kantonspolizei

Der Ursprung der Droptec GmbH liegt sozusagen bei der Bündner Kantonspolizei, wie Firmen-Mitgründer und -Mitinhaber Tom Lardelli bestätigt. «Durch die rasante Verbreitung von Drohnen und das dadurch gleichsam angestiegene Missbrauchs-Potential, war man bei der Kantonspolizei auf der Suche nach einem einfachen, kompakten und vielseitig einsetzbaren Drohnen-Abwehrsystem», erinnert sich Lardelli. So seien die ersten Gespräche entstanden und man habe dann auch ziemlich schnell ein funktionierendes System präsentieren können.

Ein System, das sich unter anderem auch am World Economic Forum in Davos (WEF) bewährt habe. «Dadurch trafen bei uns natürlich auch immer mehr Anfragen von Behörden aus dem In- und Ausland ein und wir merkten, dass da scheinbar ein Markt vorhanden ist», sagt Lardelli weiter. Mit «wir» meint der Jungunternehmer sich und seine beiden Partner Philipp Furrer sowie den ehemaligen Geschäftsführer der Firma Polycontact AG in Chur, Christian Gauer.

Ohnehin spielt das traditionsreiche in der internationalen Automobilbranche tätige Churer Technologieunternehmen eine entscheidende Rolle in der noch jungen Geschichte der Droptec GmbH. Nicht nur ist die Droptec GmbH eine Tochterfirma der Polycontact AG, das Team rund um Tom Lardelli kann auch in Form eines Zusammenarbeitsvertrages die Infrastruktur sowie das Produktions-Know-How der Polycontact AG nutzen. «Ohne diese Synergienutzung mit unserem Mutterhaus hätten wir den Weg zum eigenen Unternehmen gar nicht erst antreten können», stellt Lardelli klar.

Droptec-Drohnenpistole Droptec-Drohnen-Abwehrsystem

Das Droptec-Drohnenabwehrsystem mit Pistole sowie dem nötigen Zubehör. (Bilder zVg)

Schwarze Zahlen

Dass dieser Unternehmens-Schritt ein guter war, zeigt sich derweil bereits in den ersten drei Jahren der Droptec GmbH. So liegen die jährlichen Dropster-Verkaufszahlen mittlerweile in einem dreistelligen Bereich, wie Lardelli verrät. Hinzu kommen regelmässige Buchungen der ebenfalls von der Droptec GmbH angebotenen Schulungen (siehe Kasten). Auch hegt man Zukunftspläne. So haben sich Lardelli und sein Team zum Ziel gesetzt, im Laufe des kommenden Jahres ein Anti-Drohnen-System mit einer garantierten Reichweite von 50 Metern zu entwickeln. Ebenfalls arbeitet man an einem Abwehr-System, das nicht mehr so wie das aktuelle unter das Waffengesetz fallen würde, was nicht zuletzt für Justizvollzugsanstalten aus dem Ausland den Erwerb merklich erleichtern würde.

Teilnehmer eines Schulungskurses für das Droptec-Drohnenabwehrsystem. (Bild zVg)

 

«Wir sind mit der Entwicklung durchaus zufrieden», sagt Lardelli. Und ja, auch Auszeichnungen wie der Golden Idea Award der Idee Suisse 2018 oder der gerade eben erhaltene «Jungunternehmerpreis 2019» seien aus Firmensicht natürlich eine wunderbare Anerkennung, die einen mit Freude und Ehre erfülle und auch weiteren Antrieb verleihe. Ganz besonders im Wissen darum, dass man keine 08/15-Firma sei und ein durchaus kontroverses Produkt vertreibe.

«Umso wichtiger ist es für uns, dass unsere Kunden allesamt Profis sind und aus dem behördlichen Bereich stammen und wir somit wissen, dass unser Produkt nicht in falsche Hände gelangt», sagt Lardelli. Denn schliesslich sei es das oberste Ziel der Droptec GmbH, Menschen und Objekte vor kriminellem Missbrauch durch Drohnen zu schützen.

So funktioniert das Drohnen-Abwehrsystem von Droptec:

 

Hard- und Software

Das Dropster Drohnen-Abwehrsystem der Firma Droptec GmbH ist in dieser Art weltweit einzigartig. Durch seine hohe Mobilität, einer garantierten Reichweite von 30 Metern sowie einer dementsprechend breitgefächerten Einsatzmöglichkeit, empfiehlt es sich laut den Herstellern für diverse Aufgaben im Personen- und Objektschutz. Das System des Churer Jungunternehmens wird bereits von verschiedenen Justizvollzugsanstalten, Polizei- und Grenzwachtkorps sowie Personenschutz-Unternehmen im In- und Ausland verwendet. 

Technisch funktioniert das System mittels eines durch Gasdruck aus einer Anti-Drohnen-Pistole abgeschossenen 2,40 x 2,40 Meter grossen Kunststoffnetzes. Bei Kontakt mit dem Bedrohungsobjekt, verfängt sich das Netz in dessen Rotoren. Als Folge wird das Antriebssystem des Flugobjekts blockiert und der dadurch ausbleibende Auftrieb lässt die Drohne umgehend zu Boden stürzen. Zum Einsatz kommt das Churer Drohnen-Abwehrsystem in erster Linie bei behördlichen Sicherheitsstellen wie Justizvollzugsanstalten, militärischen Anlagen, Flughäfen und diplomatischen Vertretungen sowie bei der Absicherung von Grossanlässen wie beispielsweise dem World Economic Forum (WEF) in Davos. Ein Koffer mit Schussgerät und fünf Netz-Ladungen kostet rund 5000 Franken. Da das Dropster-Drohnen-Abwehrsystem in der Schweiz unter dem Waffengesetz steht, ist für den Kauf ein Waffenerwerbsschein sowie für den Einsatz im öffentlichen Raum ein Waffentragschein nötig.

Die Firma Droptec GmbH bietet derweil nicht bloss die Hardware im Sinne der Anti-Drohnen-Pistole an, sondern kümmert sich im Rahmen von Schulungen für ihre Kunden auch um die Software, also um die korrekte Produkte-Nutzung. Das Angebot umfasst die Ausbildung in der Handhabung des Drohnen-Abwehr-Systems sowie das Schiesstraining auf stehende und bewegliche Ziele. So erhalten beispielsweise Mitarbeiter von Gefängnissen oder Wachdienstgruppen im Rahmen einer rund drei bis vierstündigen Basisschulung die nötigen Informationen und Kompetenzen, um den Dropster in einem Notfall im Rahmen ihrer Schutzfunktion sicher einsetzen zu können.

Kontakt

Droptec GmbH
Rossbodenstrasse 22
7007 Chur

Telefon +41 81 286 44 00

Website Droptec GmbH