So wollen Hotelleriesuisse Graubünden und Graubünden Ferien Fernmärkte erobern

Mehr Gäste aus den Golfstaaten sollen es sein

Der Bündner Tourismus, insbesondere die Hotellerie, hat schwierige Jahre hinter sich. Nun scheint die Trendwende aber geschafft zu sein. Im letzten Jahr sind die Logiernächte um rund 5,5 Prozent angestiegen. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass neue Märkte erschlossen werden müssen. Hotelleriesuisse Graubünden will das mit einer Fernmarkt-Strategie.

Die Hotellerie sei eine grosse Non-Profit-Branche in den Bergregionen. Selbst die guten Hotels seien nur gering rentabel und nur wenige Betriebe würden die notwendigen Reinvestitionen aus eigener Kraft schaffen. Zu diesem Schluss kommt Jürg Schmid, Präsident von Graubünden Ferien, in einem Interview in der neuesten Ausgabe des «Bündner Gewerbe», des Magazins des Bündner Gewerbeverbandes.

Was Schmid in diesem Interview ausführt, ist den Hoteliers in Graubünden sehr wohl bewusst. In einem Positionspapier vom Februar letzten Jahres heisst es, «aufgrund der knappen finanziellen Mittel kann sich der Tourismus reine Imagewerbung nicht mehr leisten». 

Hotelleriesuisse Graubünden hat deshalb drei Projekte angestossen, welche einerseits die Fernmärkte Golfstaaten, Individualreisende aus China und US-Best-Agers erschliessen sollen, andererseits aber auch die Möglichkeit schaffen sollen, weitere Erfahrungen mit der Verzahnung von Verkauf und Werbung über verschiedene Organisationen hinweg zu sammeln. Realisiert werden die drei Dossiers von Hotelleriesuisse Graubünden mit Unterstützung des Kantons und in Abstimmung mit den Akteuren im Bündner Tourismus, also auch Graubünden Ferien (GRF).

Ziel ist es, die Bettenauslastung in den Bündner Hotels zu steigern. Denn verglichen mit anderen Tourismusregionen in der Schweiz, ist die Bettenauslastung in Graubünden mit 29 Prozent sehr gering. Die Region Bern erzielt im Vergleich eine Auslastung von 40, die Region Luzern/Vierwaldstättersee von 38 Prozent. Davon sind 13, respektive 14 Prozent Gäste aus Fernmärkten. In Graubünden sind diese gerade einmal zwei Prozent. Potential ist also vorhanden.

Initiative von Hotelleriesuisse Graubünden

Bereits weit fortgeschritten ist die Erschliessung des Marktes für Gäste aus den Golfstaaten. Dazu gehören Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman. Seit Anfang November sei man dort am Markt präsent, sagt Clemens Bartlome, Leiter Produkt- und Erlebnismarketing bei GRF.

GRF sei erst ins Spiel gekommen, nachdem Hotelleriesuisse Graubünden beschlossen habe, eine Marktoffensive in den Golfstaaten zu lancieren. Der Verband habe dann nach geeigneten Hotels und Destinationen gesucht, die bei diesem Projekt mitmachen wollten sowie GRF angefragt, ob sie bei der Umsetzung mit ihrer internationalen Erfahrung mitarbeiten wollten. Dies habe GRF dann auch angenommen, so Bartlome und habe die Koordination übernommen. Als touristische Marketingorganisation des Kantons Graubünden sei GRF prädestiniert dafür, das Marketing in diesen Märkten zu übernehmen.

Diese Hotels und Organisationen sind beim Projekt Marktaufbau Golfstaaten dabei:

  • Waldhotel National Arosa
  • Grand Resort Bad Ragaz
  • Hard Rock Hotel Davos
  • Hotel Seehof Davos
  • Hotel Grischa Davos
  • Sunstar Hotels Management
  • Rock Resort Laax
  • Hotel Saratz Pontresina
  • Wellnesshotel Chasa Montana Samnaun
  • Hotel Belvédère Scuol
  • Hotel Laudinella St. Moritz
  • Hotel Monopol St. Moritz
  • Hotel Valbella Inn
  • 7132 Hotel Vals
  • The Hide Hotel Flims
  • Swiss Heidi Hotel Maienfeld
  • Hotel San Gian St. Moritz
  • Hotel La Romantica Le Prese
  • Destination Davos Klosters (Interesse)
  • Destination Flims Laax Falera

100 000 zusätzliche Logiernächte

Angelegt ist das Projekt zur Markterschliessung der Golfstaaten über fünf Jahre. Das vom Kanton vorgegebene Ziel ist die Generierung von 100 000 zusätzlichen Logiernächten, die vor allem in den Sommermonaten generiert werden sollen. Alle beteiligten Partner mussten sich für diesen Zeitraum zur Mitarbeit verpflichten.

Und wie beurteilt Graubünden Ferien das Potential in diesem Markt? «Potential gibt es eigentlich überall», sagt Bartlome, «die Frage ist eher, wie einfach die Akquise eines Markts ist.» In den Golfstaaten rechnet man sich gute Chancen aus, die Kostenstruktur, die Flugpreise sowie die Wertschöpfung stimme.

China im Aufbau

Nach der erfolgreichen Lancierung der Fernmarktoffensive in den Golfstaaten, ist Ende Oktober 2018 das zweite Projekt gestartet worden. Dort will man den chinesischen Markt erobern und zwar nicht jene Chinesen, die in Gruppen reisen, sondern die zunehmende Zahl von chinesischen Individualtouristen. Sobald dieses Projekt aufgegleist ist, wird auch das dritte Teilprojekt, die Partizipation an der Nachfrage der US-Best-Agers, an die Hand genommen.

Bis man aber erste Resultate sieht, dürfte es noch etwas dauern. Mit rund einem Jahr müsse man schon rechnen, bevor erste Aussagen zum Erfolg der Strategie gemacht werden können, erklärt Bartlome.