Packen wir die Chance

Die Digitalisierung bietet Graubünden die gleichen Chancen wie der Tourismus vor 100 Jahren. Eine sichere Infrastruktur und genügend Fachkräfte bilden die wichtigste Grundlage, um diese Chance packen zu können.

Von Maurus Blumenthal | Direktor Bündner Gewerbeverband Di, 25.05.2021

Digitalisierung ist schon seit einiger Zeit in aller Munde. Doch seit die Pandemiepolitik Gesellschaft, Wirtschaft und Bildung auf den Kopf gestellt hat, zeigen sich die Vor- und Nachteile der Digitalisierung. Das Paradoxe: In so kurzer Zeit hätte keine Digitalisierungsstrategie in den meisten Unternehmen das erreicht, was durch die wirtschaftlichen Einschränkungen des Staates möglich wurde. Dass Druck Bewegung erzeugt, hat sich auch hier bewahrheitet.

Staatlicher Druck ist jedoch immer mit Vorsicht zu geniessen. Zu viel Staat ist für die Wirtschaft lähmend, dies gilt auch für die digitale Transformation. Die letzten Monate haben auch ganz deutlich die Grenzen der Digitalisierung und die Nachteile aufgezeigt. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht den Austausch mit anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht.

Digitale Technologien schaffen neue Werkzeuge. Damit arbeiten dürfen und müssen aber die Menschen. Die Veränderungen durch diese digitalen Werkzeuge werden auch als digitale Transformation bezeichnet. Diese Transformation wird jedoch nicht nur von den Werkzeugen, sondern von den Menschen, welche die Werkzeuge benutzen, bestimmt. So haben auch die Unternehmerinnen und die Unternehmer im Kanton es in der Hand, die digitale Transformation zu nutzen, wo dies in ihrem Geschäftsmodell dienlich ist.

Die Rahmenbedingungen haben einen grossen Einfluss darauf, ob die digitale Transformation gelingt. Gut ausgebildete Fachkräfte, eine gute und sichere Infrastruktur sowie nur die nötigen staatlichen Vorgaben gehören dazu. Digitale Transformation und Innovation kann nicht verordnet werden. In die Cyber-Sicherheit zu investieren ist aber das staatliche Gebot der Stunde.

Die Digitalisierung bringt für den Rand- und Grenzkanton Graubünden Entwicklungspotenzial mit sich. Jedoch droht auch die Gefahr, den Anschluss noch stärker zu verlieren. Wasserkraftwerke und sichere Verkehrsverbindungen haben zur Entwicklung des Kantons im letzten Jahrhundert beigetragen. In diesem Jahrhundert sind sichere Datenorte und Datenverbindungen zentral.

Früher wie heute ist eine sichere Energieversorgung die Grundlage des Wirtschaftens. So wie der Tourismus die Bedürfnisse der Menschen ihre Freizeit zu gestalten befriedigt hat, müssen künftig die Bedürfnisse der Menschen Freizeit und Arbeit miteinander zu verbinden, ernst genommen werden, um als Standort erfolgreich zu sein. Als Randregion inmitten Europas muss eine attraktive und arbeitsmarktbezogene Aus- und Weiterbildung gestärkt werden.

Mit dem Gesetz zur Förderung der digitalen Transformation in Graubünden und den gesprochenen 40 Millionen Franken verfügt der Kanton über eine Grundlage, um Impulse zur digitalen Transformation in Graubünden zu geben. Bei der Umsetzung des Gesetzes ist der volkswirtschaftliche Zweck des Gesetzes im Vordergrund zu stellen sowie eine möglichst unbürokratische und dennoch professionelle Abwicklung der Gesuche. Es ist zudem darauf zu achten, dass durch die Förderung keiner Marktverzerrung Vorschub geleistet wird.

Neben der Förderung von Leuchtturm-Projekten sollen auch kleine Projekte im Sinne einer Versuchsballonförderung gefördert werden. Denn am Anfang eines Digitalisierungsvorhabens ist der Erfolg schwer abzuschätzen. Die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden werden sich als Gründungsmitglieder des Vereins GRdigital und mit ihrer Einsitznahme im Vorstand dafür einsetzen, dass die Steuergelder wirksam, nachhaltig und innovationstreibend eingesetzt werden. Der Verein GRdigital soll nicht zu einer reinen Vollzugsbehörde werden, sondern proaktiv die verschiedenen Player der digitalen Transformation zusammenbringen und für Kooperationen eine Plattform bieten und solche auch initiieren.