Neue Märkte braucht der Kanton

Von Kurt Baumgartner | Hotelier

Ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich freue mich über die Initiative von Hotelleriesuisse Graubünden, neue touristische Märkte in fernen Ländern zu erobern. Denn die Zahlen der letzten Jahre zeigen deutlich auf, dass wir dringend handeln müssen. Der markante Rückgang der Logiernächte von minus 20 Prozent in den letzten zehn Jahren bringt unsere Branche in eine schwierige Situation. Es schleckt keine Geiss weg: Die Hotellerie muss tätig werden.

Es gibt deshalb keinen anderen Weg für den Bündner Tourismus im Allgemeinen und die Bündner Hotellerie im speziellen, als neue Märkte zu erschliessen und die Sommersaison zu stärken. Daran kommen wir nicht vorbei. Wir konnten uns zwar lange fast ausschliesslich als Wintersport-Destination definieren, doch die Affinität der jungen Schweizer zum Winter und zum Wintersport speziell hat leider deutlich abgenommen.

Und wir müssen die Bettenauslastung in unseren Betrieben erhöhen, um Investitionen in Zukunft stemmen zu können. Denn bei der Auslastung steht Graubünden im Vergleich zu anderen Regionen nicht gut da. So liegt die Bettenauslastung in der Region Berner Oberland bei gut 40, in der Region Luzern/Vierwaldstättersee bei 38 Prozent – Graubünden rangiert mit 29 Prozent Auslastung in der Rangliste unter ferner liefen…

Wir brauchen also mehr internationale Gäste, um die Bettenauslastung in unseren Häusern zu steigern. Und selbstverständlich rufen solche Pläne gleich die Bedenkenträger auf den Plan, die befürchten, dass damit die Schweizer Gäste verdrängt werden. Ich verstehe diese Befürchtungen teilweise, bin aber überzeugt, dass sie nur in Ausnahmefällen zutreffen werden. Und wenn es in ferner Zukunft tatsächlich zu viele Gäste aus fremden Kulturen bei uns geben sollte, können wir immer noch Gegenmassnahmen einleiten. Aber lassen wir sie doch zuerst einmal zu uns kommen und unsere Gastfreundschaft und unsere wunderschöne Landschaft geniessen, bevor wir schon wieder völlig unnötige Angst haben. 

Ich freue mich deshalb auf die neuen Gäste aus dem arabischen und asiatischen Raum und bin überzeugt davon, dass sich der bisherige Schweizer Gast an sie gewöhnen wird. Wir Schweizer sind ein reisefreudiges Volk und sind uns fremde Länder und Kulturen gewöhnt. Wir werden uns nicht an Ihnen stören.

Ich bin deshalb zuversichtlich, dass die Fernmarkt-Initiative von Hotelleriesuisse Graubünden unseren schwächelndenTourismus durchwegs stärken kann.