Männer und Frauen und ausserschulische Betreuung

Von Susanne Lebrument | Delegierte des Verwaltungsrats, Somedia AG

Allzu oft stehen Frauen vor der Entscheidung Kind oder Karriere. Vor wenigen Wochen unterhielt ich mich mit einer jungen, gut ausgebildeten Frau über eben dieses Thema. Ein Chrampf, offen gesagt. Jeder Tag, jede Woche ist von Morgen früh, bis Abend spät durchgeplant. Nicht miteingerechnet sind die täglichen Überraschungen. 

Die junge Frau sagte, sie überlege sich, ihre Familienpläne ad acta zu legen. Sich voll und ganz der Karriere zu widmen. Denn beides zusammen, lässt sich – zumindest in der Schweiz – nur schwer vereinen. Dazu kommen starke Unterschiede zwischen Stadt und Land. 

Im Gegensatz zu unseren Nachbarländern und den skandivanischen Ländern, wo Eltern nicht überlegen müssen. Tagesschulen, Mittagsbetreuung, Hobbies, alles ist organisiert und selbstverständlich. Politik und Wirtschaft haben sich längst der Realität angepasst. Selten gibt es gesellschaftliche Auseinandersetzungen in Form von: Sie arbeiten Vollzeit! Warum wollten sie Kinder? Oder in unserem Dorf werden die Kinder noch von den Mamis betreut. 

Warum sich die Schweiz bis heute schwertut, Ausbildung, Beruf, Karriere und Kinder optimal zu vereinen, weiss ich nicht. 

Die Folgen der Unvereinbarkeit zeigen sich in den Quoten der Frauen in den Verwaltungsräten und Unternehmensleitungen in Schweizer Unternehmen. In den Geschäftsleitungen der rund 100 wichtigsten Firmen der Schweiz waren es 2016 acht Prozent Frauen. 2017 sank der ohnehin schon magere Anteil von acht auf sieben Prozent. «Wenn die Babyboomer in zehn Jahren aus dem Arbeitsmarkt austreten und weder genügend Frauen noch ausländische Manager als Talente zur Verfügung stehen, droht uns ein akuter Führungsmangel an der Spitze der Unternehmungen» erklärt Guido Schilling, der jedes Jahr die Geschlechterdurchmischung in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten der grössten Schweizer Unternehmen analysiert. Ebenfalls rückläufig ist der Anteil der ausländischen Manager von 45 auf 44 Prozent. Von den vakanten Geschäftsleitungsstellen wurden zudem 2017 lediglich acht Prozent mit Frauen besetzt. Im Vorjahr waren es noch 21 Prozent. Von den Geschäftsleitungen der untersuchten Unternehmen sind 59 Prozent weiterhin ausschliesslich mit Männern besetzt. 

Dagegen liegt der Anteil der Frauen in den Verwaltungsräten bei 25 Prozent. Um die Forderungen der Politik bis 2020 zu erfüllen, muss die Wirtschaft diesen Anteil in den Verwaltungsräten jährlich um mindestens drei Prozentpunkte erhöhen. Der Bundesrat verlangt bis 2020 in den Verwaltungsräten börsenkotierter Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent, in den Geschäftsleitungen einen Anteil von 20 Prozent. 

Dabei zeigen die Erfahrungen mit mehr Frauen in Führungspositionen, dass die Mitarbeitenden engagierter sind, die Unternehmenskultur offener und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit steigt. 

In Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Slowenien und Spanien gibt es gesetzliche Regelungen betreffend Frauenquoten. Es zeigt sich, dass der ursprüngliche Widerstand der Wirtschaft gegenüber der Einführung der Frauenquote in Norwegen verschwunden ist. 

Meiner Meinung nach braucht es auch in der Schweiz eine gesetzliche Frauenquote. Sowohl auf Geschäftsleitungsstufe- als auch auf Verwaltungsratsstufe. Alles andere ist eine Verschwendung von Ressourcen, Potential und Volksvermögen.