Graubünden hat nun (endlich) die Nase vorn

Graubünden ist der Pionierkanton in Sachen «systematisches Testen» in Schulen und Unternehmen. In der Statistik der Fallzahlen lässt sich langsam die positive Auswirkung des systematischen Testens erkennen.

Von Peder Plaz | Geschäftsführer Wirtschaftsforum Graubünden Mo, 24.05.2021

Die Statistik der positiv getesteten Personen zeigt, dass Graubünden sich im Rennen der Kantone langsam aber stetig nach vorne gekämpft hat. Seit nun einer Woche liegt Graubünden im kantonalen Vergleich an der Spitze. Dies ist aus folgenden Gründen besonders bemerkenswert:

  • Weil in Graubünden mehr getestet wird, werden auch mehr Fälle erkannt und damit hat Graubünden in der Statistik (trotz vorbildlichem Verhalten) ein Handicap.

  • aufgrund der hohen Mobilität im Kanton (Verdoppelung der Einwohnerzahl während den Wintermonaten) wurde ein Anstieg der Fallzahlen erwartet. Der Anstieg ist jedoch ausgeblieben.

    Die Grafik lässt vermuten, dass in Graubünden die «dritte Welle» durch das systematische Testen schneller erkannt wurde und der Anstieg der Fallzahlen überdurchschnittlich rasch gebrochen werden konnte. Man sieht auch, dass der Anteil der durch das systematische Testen gefundenen infizierten Personen in dieser Zeit zugenommen hat (Differenz zwischen blau durchgezogener Linie und blau gestrichelter Linie).

    Eine ähnliche Entwicklung wie Graubünden kann man im Kanton Zug beobachten, wo zumindest in den Schulen ebenfalls sehr systematisch getestet wurde. Dies kann als Indiz gewertet werden, dass systematisches Testen auf die Pandemiesteuerung einwirkt.

    Mit Anbruch der Zwischensaison fällt nun die hohe Mobilität im Tourismuskanton weg und damit wurde scheinbar der Weg für Graubünden frei, sich endgültig an die Spitze der Kantone zu setzen.

    Die genaue Wirkung vom Testen auf die Pandemieentwicklung wird die Wissenschaft sicherlich noch untersuchen, wenn genügend Daten verfügbar sind. Die Indizien sind aber augenscheinlich und dies scheint der Moment zu sein, diesen Etappensieg zu feiern und allen involvierten Unternehmen, Schulen und dem Kanton für das vorbildliche Projekt und das Durchhalten zu gratulieren.

Fallzahlen Covid-19 in der Schweiz nach Kantonen

Anmerkung: Die Statistik umfasst alle positiv gemeldeten Tests. Kantone, welche breit und systematisch testen, finden mehr positive Personen und haben damit höhere Fallzahlen. Im betrachteten Zeitraum dürften insbesondere Graubünden und Zug davon betroffen sein. Die blau gestrichelte Linie zeigt die Fallzahlen von Graubünden ohne die Berücksichtigung der systematischen Tests. In der Tendenz dürfte diese gestrichelte Linie eher mit den Linien der anderen Kantone vergleichbar sein, auch wenn die Abgrenzung zwischen den Teststrategien nicht präzis gemacht werden kann.