Digitales Graubünden

Von Jan Koch | Leiter Engineering/Senior System Engineer itexa AG, Chur Mi, 05.12.2018

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Doch wo eigentlich beginnt die Digitalisierung? Leider wird gerade in der Politik unter der Digitalisierung oft das Bereitstellen von Bandbreitinfrastruktur oder das Verlegen von Glasfaserkabeln verstanden. Doch das greift in der heutigen Zeit eindeutig zu wenig. Digitalisierung ist grundsätzlich kein Kabel. 

Eigentlich machen es wir alle seit vielen Jahren. Erst seit drei bis vier Jahren geistert jedoch der Begriff der digitalen Revolution umher. Die Datennetze wurden schneller und die Zugänge günstiger. Smartphones sind heute schon nicht mehr wegzudenken. Drohnen sind längst keine Science Fiction mehr. Selbstfahrende Autos werden getestet oder sind gar schon auf unseren Strassen unterwegs, Fitness-Apps sagen uns, wann wir uns mal wieder bewegen sollten. Kurz, die Welt um uns herum wird immer digitaler und dies längst nicht mehr so schön gemächlich und schleichend, wie es vor einigen Jahren vielleicht noch erschien. Und auch wenn wir uns diesen Herausforderungen noch gar nicht gestellt haben, das Internet der Dinge oder auch die Blockchain Technologie bringen bereits die nächste Stufe der Evolution. 

Jeder muss sich selbst die Frage stellen, was hat das für Auswirkungen auf meine Branche, auf mein Leben und als Unternehmer auf mein Unternehmen? Auch wenn noch heute viele Betriebe und Dienstleister analog sehr effizient funktionieren, wird mit einer zunehmenden Digitalisierung der Druck weiter steigen. Unternehmen, die sich mit dem digitalen Wandel beschäftigt haben, werden hier einen klaren Wettbewerbsvorteil haben. So hat heute bereits der grösste Buchhändler der Welt keinen Buchladen oder das grösste Taxiunternehmen kein eigenes Taxi.

Die Digitalisierung ist für uns eine Chance und sollte auch als solche verstanden werden. Es geht nicht nur um Technologie, es geht im ersten Schritt darum, den Wandel in unseren Köpfen durchzuführen. Erfolgreiche und frühzeitige Digitalisierung braucht Raum. Raum, um Erfahrungen zu sammeln, Raum für Innovation aber auch Raum für Rückschläge und keine Sorge, digitale Transformation muss nicht auf einen Schlag in allen Bereichen umgesetzt werden. Es ist aber wichtig, dass wir hier und heute mit den Schlüsselbereichen beginnen können. Und hier leistet der Digitaltag einen wichtigen Ansatz.

Was wir aber auch brauchen, sind flexible Rahmenbedingungen, denn die Digitalisierung kennt keine Landesgrenzen und Marktzonen. Hier werden wir mit unserer Gesetzgebung noch extrem stark gefordert sein. 

Schon heute sind Daten Macht. Wer Daten hat und weiss, diese richtig zu benutzen, wird die digitale Transformation schaffen und erfolgreich agieren können. 

Was aber braucht Graubünden, um digital erfolgreich sein zu können:

  • Konsequenter Abbau von bürokratischen Hürden für Startups und Innovationen
  • Konsequente Förderung der Digitalisierung
  • Schaffung eines Digital HUB Graubünden
  • Mehr Offenheit gegenüber neuen Technologien und Geschäftsmodellen, auch wenn diese etablierte Geschäftsmodelle frontal angreifen
  • Digitale Bildungsoffensive auf sämtlichen Schulstufen
  • Flexible Arbeitskultur auch innerhalb der öffentlichen Verwaltung
  • Beschleunigung von Verwaltungsvorgängen durch konsequentes E-Government

Ich bin überzeugt davon, Graubünden hat noch die Chance sich innerhalb der Schweiz als kleines digitales Paradies zu entwickeln und wir können es schaffen. Wir müssen dazu aber konsequent und schnell an den dazu notwendigen Rahmenbedingungen arbeiten und uns bewusst sein, Digitalisierung bedeutet auch immer, loszulassen. Dort loslassen, wo es manchmal kurzfristig auch weh tut. So kann es uns gelingen, ein Digitales Mindset zu entwickeln.