Die Zukunft gestalten aus Sicht der Mitarbeitenden, Studierenden und der Hochschulleitung

Von Jürg Kessler | Rektor Fachhochschule Graubünden Do, 21.01.2021

Die folgenden Fragen sollen in diesem Blog beleuchtet werden:

  • Warum müssen wir in dieser herausfordernden Zeit auch über Zukunftsgestaltung sprechen?
  • Welche Bedeutung hat die Partizipation auf eine erfolgreiche Zukunftsgestaltung?
  • Welche Bedeutung hat die Vision für die Erreichung der strategischen Ziele?
  • Was ist mein Führungsverständnis als Rektor einer Expertinnen- und Expertenorganisation?

In einer Zeit, in der viele Unternehmen ums Überleben kämpfen und menschliche Schicksalsschläge zu bewältigen sind, dürfen wir an unserer Zukunft arbeiten. Bei allen Herausforderungen, die wir als funktionsfähige Hochschule im Fernbetrieb zu beherrschen haben, empfinden wir dies als ein Privileg. Wir haben eine grosse Verpflichtung gegenüber unseren Studierenden und Projektpartnern in Wirtschaft, Verwaltung und Hochschulen sowie gegenüber der Gesellschaft, die unsere Trägerin ist. Es ist wichtig, dass wir die täglichen Herausforderungen in den Studiengängen sowie der Forschung in diesen aussergewöhnlichen Zeiten meistern können, dass wir wissen, woran wir uns auf dem Weg in die Zukunft orientieren und was wir aus der aktuellen Lage lernen können. Das ist der Hauptgrund, weshalb wir nicht nur über die Zukunftsgestaltung sprechen wollen, sondern sie als wichtige Orientierungshilfe in der Bewältigung der besonderen Lage sehen. Diese Motivation ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und die Basis für das Führungsverständnis einer Hochschule.

In der Vision als agile Hochschule streben wir ein mutiges und nachhaltiges Mitgestalten der Zukunft an. Nur schöne Worte? Nein, wir geben ihnen eine Bedeutung. Die wichtigste Voraussetzung dazu ist, dass wir unsere wichtigsten Anspruchsgruppen in die Ausarbeitung der Strategie aber auch in deren Umsetzung integrieren. Wir wollen die Erwartungen der Studierenden, Wirtschaft, Gesellschaft und Mitarbeitenden optimal berücksichtigen, auch wenn sie teilweise konkurrierend sind. Mein Grundverständnis von Leadership ist, dass wir diese Anspruchsgruppen in die Entwicklung und somit auch in die Zukunftsgestaltung der Hochschule involvieren. In diesem Blog fokussiere ich mich auf die Mitwirkungskommission als Vertreterin der Mitarbeitenden und Studierenden. Die Basis unseres Verhaltens in der erfolgreichen Gestaltung von Zukunft und Gegenwart ist unsere Vision: Agilität! Sie ist Thema des nachfolgenden Videos zur Sicht der Mitwirkungskommission und von mir als Vertreter der Hochschulleitung. Der Begriff löst unterschiedliche Bilder aus. So äussert die Vertreterin der Mitwirkungskommission Maria Simmen-Blischke, dass für sie Agilität in der Mitwirkung unter anderem bedeutet, dass kurze Kommunikationswege, klare Gefässe für die Partizipation sowie Ansprechpersonen für verschiedene Themen zur Verfügung stehen. Als Rektor und mit meinem Führungsverständnis für die grosse Bedeutung der Partizipation unterstütze ich die laufende Weiterentwicklung dieser Erwartungen. Agilität heisst, dass wir ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln und sie somit von der Definition zur gelebten Verhaltensmaxime in unseren Tätigkeiten in den Studiengängen, der Forschung und Dienstleistung weiterentwickeln. Dies kann nur erreicht werden, wenn sowohl in der Definition als auch im täglichen Verhalten ein partizipativer Prozess gelebt wird. Dies gehört für mich zum Führungsverständnis einer Expertinnen- und Expertenorganisation.     

 

Für mich heisst Agilität in der Weiterentwicklung von «ünschara Hochschual» zusätzlich, die «Nase im Wind zu haben», um neue erfolgreiche Chancen zu erkennen und so rasch auf die Bedürfnisse aus Wirtschaft und Verwaltung eingehen zu können. So setzen wir an unserer agilen Hochschule auf dynamisches Denken und proaktives Handeln. Für mich ebenfalls wichtig ist, dass wir nicht auf die Ausbildung allein fokussieren, sondern im Sinne eines «Studium Generale» unsere Studierenden unabhängig vom Studiengang zu ganzheitlichen Persönlichkeiten coachen. Dies wollen wir beispielsweise mit der Bildung in nachhaltiger Entwicklung als Denkschule erreichen und dieses Thema erfolgreich in unsere Forschungsprojekte integrieren. Dazu orientieren wir uns an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (17 Sustainable Development Goals, Agenda 2030).

Für das erfolgreiche Erreichen der strategischen Ziele ist neben dem Streben nach Agilität, dem nachhaltigen Gestalten der Zukunft auch mutiges Verhalten im Finden von interdisziplinären Lösungen zu relevanten komplexen Problemstellungen zentral. Mutig im Sinne, dass unsichere Herausforderungen mit Freude angenommen und schwierige Aufgaben hartnäckig gelöst werden. Mit einem gezielten Risikomanagement soll der Mut so gesteuert werden, dass er sich nicht in Übermut wandelt. Die Vision ist der intrinsische Antrieb für das erfolgreiche Erreichen der strategischen Ziele. Diese Denk- und Handlungsweisen gehören für mich zum Führungsverständnis einer Hochschule.

Zusammengefasst müssen die Antworten auf die vier Fragen in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Eine klare Vorstellung über die Gestaltung der Zukunft mit einem entsprechenden Zielbild ist die Motivation für die Lösung aktueller Herausforderungen. Sie verhindert den Tunnelblick und entwickelt ein entsprechendes Momentum. Damit die Zukunftsgestaltung durch das Gros der Mitarbeitenden gelebt und das Zielbild verinnerlicht wird, muss sie partizipativ definiert und weiterentwickelt werden. Dies ist eine zentrale Basis für das Führungsverständnis in einer Expertinnen- und Expertenorganisation. Die Vision ist der intrinsische Antrieb und die Orientierungshilfe auf dem Weg zur Erreichung der strategischen Ziele. Auf diese Aspekte ist im Leadership einer Hochschule zu achten.

Weitere Filme im Rahmen der Strategieentwicklung sind: