Lagebeurteilung zur Bündner Wirtschaft in Zeiten von Covid-19

Wirtschaftslage stabil, aber angespannt

Die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden haben in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsforum Graubünden dem Graubündnerischen Baumeisterverband die aktuelle Lage der Bündner Wirtschaft analysiert. Eine Umfrage bei Unternehmen aus dem ganzen Kanton zeigt, dass die Lage zurzeit als stabil bewertet werden kann. Die mit vielen Unsicherheiten behaftete Wintersaison trübe aber den Ausblick für die Zukunft.

Von René Mehrmann Mo, 05.10.2020

Die Bündner Wirtschaft hat die Covid-19-Pandemie bisher gut gemeistert. Das bestätigt die Umfrage, wie die Dachorganisationen Wirtschaft Graubünden, in einer Mitteilung schreiben. Bewährt haben sich in der Beurteilung der Unternehmen die bisherigen wirtschaftspolitischen Stützungsmassnahmen, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Ob die stabile Lage anhalten wird, ist aber mit Unsicherheiten belastet. Der Winter werde ausschlaggebend sein, ob diese Entwicklung anhalten wird. Denn auch für die vom Tourismus direkt oder indirekt abhängige Wirtschaft sei es aufgrund der grossen Wertschöpfung von primärer Bedeutung, dass die kommende Wintersaison auf möglichst hohem Niveau stattfinden könne, zeigen die Ergebnisse der Umfrage.  Dafür sollen wirksame präventive Schutzkonzepte im Vordergrund der kantonalen Coronastrategie liegen. Der Tourismus kann sich dabei auf die Erfahrungen aus der guten Sommersaison mit den vielen Gästen stützen.

Grosse Unterschiede

Die Unterschiede der Auswirkungen der Krise auf die verschiedenen Branchen und Unternehmen sind teilweise enorm. So zeigt sich aus der Umfrage, dass Unternehmen im IT-Bereich sowie in der Medizinaltechnik von der aktuellen Situation profitieren, während in der Industrie einzelne exportorientierte Unternehmen auch in Graubünden erhebliche Herausforderungen bewältigen müssen.

Mehrheitlich stabil zeigt sich die Lage beim produzierenden Gewerbe sowie dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe. Einige Branchen, die vom Shutdown besonders stark betroffen waren – zum Beispiel die Hotellerie, Gastronomie, Gärtnerei und der Detailhandel – konnten in der Zwischenzeit einen guten Teil des Umsatzrückgangs aufholen. Kaum erholen konnten sich hingegen Unternehmen wie Reisebüros oder Veranstalter, die von den Reisebeschränkungen und vom Verbot von Grossveranstaltungen besonders stark betroffen sind.

Grafik staatliche Massnahmen

 

Stützungsmassnahmen haben sich bewährt

Positiv beurteilt werden in der Umfrage durch die Unternehmen die bisherigen finanziellen Unterstützungsmassnahmen von Bund und Kanton. Bewährt hätten sich insbesondere die Kurzarbeitsentschädigung und die Covid-19-Darlehen. Sofern notwendig sollten diese Massnahmen weitergeführt oder wieder neu aktiviert werden, wenn dies die Lage erfordere. Aus heutiger Sicht seien keine über die aktuell eingesetzten Instrumente hinausgehenden Massnahmen notwendig, zeigen sich die Unternehmen überzeugt.

Allerdings erwarten die Unternehmer, dass der Kanton Graubünden entsprechende Lösungen suche, falls beim Bund neue Härtefallinstrumente zur Anwendung gelangen würden. Ausserdem soll der Kanton proaktiv weitere gezielte Unterstützungsmassnahmen im Hinblick auf die ungewisse Entwicklung der Wintersaison prüfen.

Wintersaison der Entscheidung

Bisher sei die Bündner Wirtschaft relativ gut durch die aktuelle Krise gekommen, ziehen die Dachorganisationen der Bündner Wirtschaft Bilanz. Der kommende Winter werde ausschlaggebend sein und zeigen, ob diese Entwicklung anhalten werde.  

Grafik Vulnerabilität Winter

Befragt nach möglichen Massnahmen des Staats bei ansteigenden Fallzahlen plädieren die Unternehmen primär für eine Eindämmungsstrategie mit möglichst kleinen wirtschaftlichen Auswirkungen. Dies wird weit bedeutender betrachtet als alle anderen Massnahmen. Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, einen weiteren Lockdown, auch partieller Art, abzuwenden.

Ebenfalls wünschen sich die Unternehmen von Bund und Kanton Graubünden eine klare und vorausschauende Kommunikation, welche die Planungssicherheit unterstütze. Anstelle von kurzfristigen Impulsmassnahmen fordern die Unternehmen eine Verbesserung der langfristigen Rahmenbedingungen. Welche Massnahmen das sein könnten werden von den Dachverbänden der Bündner Wirtschaft zusammen den ihnen angeschlossenen Unternehmen in den kommenden Monaten ausgearbeitet, heisst es in der Mitteilung weiter.

So reagieren die Unternehmen

Insgesamt rechnet die Bündner Wirtschaft mit hohen Umsatzeinbussen in der Folge der Krise. Rund ein Drittel der Unternehmen erwartet Umsatzeinbussen von über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders hoch sind die Umsatzeinbussen in der Beherbergung, der Gastronomie, im Handel und im öffentlichen Verkehr.

Um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden, haben die Unternehmen im Kanton vor allem ihre Betriebskosten gesenkt.  Neben den Einsparungen bei den Werbekosten bei rund der Hälfte der Unternehmen, haben 20 Prozent die Beschaffungs- und Personalkosten gesenkt. Trotz Kurzarbeitsentschädigung musste jedes zehnte Unternehmen den Mitarbeiterbestand um mehr als zehn Prozent senken.

Grafik Massnahmen der Unternehmen

Auch in diesem Bereich waren Beherbergung und Gastronomie weit überdurchschnittlich betroffen. Darüber hinaus haben zahlreiche Unternehmer angegeben, sich stärker auf das Kerngeschäft zu fokussieren und sich mit zusätzlichem Kapital einzudecken beziehungsweise die Kapitalkosten zu senken.

Alles in allem könne zum jetzigen Zeitpunkt festgehalten werden, dass nur ein kleiner Teil der Bündner Unternehmen in ihrer Existenz gefährdet sei, kommen die Dachorganisationen der Bündner Wirtschaft und das Wirtschaftsforum Graubünden zum Schluss. Die Bündner Wirtschaft verfüge über eine gute Resilienz, lautet das Fazit.

Covid-19-Impulsprogramm Wirtschaft

Infobox

Die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden in Zusammenarbeit mit dem Graubündnerischen Baumeisterverband sowie dem Wirtschaftsforum Graubünden wurden vom Kanton beauftragt, Ideen und Massnahmen für ein «Impulsprogramm Wirtschaft» zu präsentieren, um den negativen Auswirkungen von Covid-19 zu begegnen. Mit der Publikation von zwei Berichten wird ein erster Zwischenstand vorgestellt.