Lagebeurteilung zur Bündner Wirtschaft in Zeiten von Covid-19, 2. Umfrage.

Wirtschaftslage hat sich verschärft

Die Lage der Bündner Wirtschaft hat sich als Folge des zweiten Shutdowns noch verschärft. Dies zeigt die zweite Corona-Umfrage, welche die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsforum Graubünden und dem Graubündnerischen Baumeisterverband durchgeführt haben. Insgesamt dürften der Bündner Wirtschaft für die Jahre 2020 und 2021 zusammen rund eine Milliarde Franken zur Deckung der Betriebskosten und Investitionen fehlen. Die Unternehmen erwarten deshalb eine gezielte Erweiterung der Härtefallhilfen.

Von René Mehrmann Fr, 26.02.2021

Die Umfrage und die Berechnungen des Wirtschaftsforums Graubünden kommen zum Schluss, dass der wirtschaftliche Schaden 2021 insgesamt etwa gleich gross sein dürfte wie 2020. Und die auch nur, wenn sich die Lage im Frühling wieder nachhaltig normalisiere, wie Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden in einer Mitteilung zur Umfrage schreiben.

Insgesamt werde die Wirtschaft im Kanton im Jahr 2021 insgesamt aber stärker getroffen werden, da im Vergleich zum ersten Shutdown der Schaden nun weniger breit unter den Unternehmen verteilt sei. Vom zweiten Shutdown sind vor allem die Tourismusbranchen wie Hotellerie, Gastronomie, Bergbahnen und Zulieferer sowie der Detailhandel in den Tourismusregionen sehr stark betroffen.

Stimmung trübt sich ein

Die Umfrage zeigt, dass sich im Jahr 2020 Betriebe mit einem Plus und solche mit einem Minus die Waage gehalten hätten, heisst es in der Mitteilung weiter. Für 2021 erwartet eine grosse Mehrheit der befragten Betriebe einen mittleren bis starken Rückgang der Jahresergebnisse. Insbesondere im Tourismus sind die Aussichten stark getrübt. 61 Prozent der Tourismusbetriebe gibt an, einen Einbruch des Cashflow von mehr als 40 Prozent zu erwarten. Bereits in der ersten Umfrage im letzten Sommer hatten 60 Prozent der Hotelbetriebe angegeben, existenziell gefährdet zu sein, falls es zu einem zweiten Shutdown komme.

Grafik Unterstützungsmassnahmen

 

Investitionen verschoben, Personal abgebaut

Die Reaktionen der Unternehmen auf die schwierige wirtschaftliche Situation habe sich im Vergleich zum Sommer kaum verändert, heisst es in der Umfrageauswertung weiter. Rund die Hälfte der Betriebe hat Investitionen verschoben und Werbe- sowie Marketingausgaben gekürzt oder hat vor, dies zu tun. Die grössten Unterschiede im Vergleich zum Sommer 2020 sei, dass nun mehr Unternehmen die Personalkosten gesenkt (33 Prozent) und Investitionen gestrichen (28 Prozent) hätten sowie die Verwendung des Eigenkapitals (30 Prozent) als Reaktion auf die schlechte wirtschaftliche Lage gesteigert hätten.

Diese deutliche Zunahme in den drei Bereichen zeige, dass sich die wirtschaftliche Lage auch auf Betriebsebene verschlechtert habe, kommt die Umfrage zum Schluss. Dies dürfte vor allem bei der Gruppe der besonders stark betroffenen Betriebe der Fall sein. Vor allem in der Gastronomie mussten mehr als die Hälfte der Betriebe den Mitarbeiterbestand um 25 bis 50 Prozent reduzieren oder müssen die voraussichtlich in den kommenden Monaten tun.

Wie bereits in der ersten Umfrage im Sommer 2020 zeigt sich, dass die Unterschiede der wirtschaftlichen Lage zwischen den Branchen nach wie vor sehr gross ist. Die Gruppen, jeweils rund ein Drittel der befragen Unternehmen, umfassen Unternehmen, die schwer getroffen wurden, solche, die leicht bis mittel getroffen wurden und jene, die gar nicht negativ getroffen wurden.

Zur ersten Gruppe gehören Unternehmen wie Reisebüros oder Veranstalter sowie die Gastronomie und Betriebe für Freizeitaktivitäten. Immer stärker von der Pandemie betroffen sind inzwischen auch touristische Leistungsträger wie Hotels und Bergbahnen. Sie bekunden mehr und mehr Mühe zu wirtschaften und dürften wegen der schlechten Wintersaison im laufenden jähr grosse Verluste erleiden, halten die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden fest.

Grafik Umsatzentwicklung 2021

 

Grosser finanzieller Schaden

Zum ersten Mal berechnete das Wirtschaftsforum Graubünden, den wirtschaftlichen Schaden, den die Coronapandemie verursacht. Die Berechnungen zeigen, dass bei allen Unternehmen im Kanton zusammengerechnet für die Jahre 2020 und 2021 rund fünf Milliarden Franken Umsatz verloren gehen dürften. Der Rückgang der Wertschöpfung dürfte bei zwei Milliarden Franken zu liegen kommen und es sei davon auszugehen, dass eine Milliarde Franken weniger an Mitteln erwirtschaftet werde.

Nach den Berechnungen des Wirtschaftsforums dürfte der coronabedingte Rückgang des EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von über 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 333 Millionen Franken betragen. Dieser Schaden sei die volkswirtschaftlich kritische Grösse für den Kanton Graubünden, die nicht durch die Betriebe selber gedeckt werden könnten. Um den wirtschaftlichen Schaden in Grenzen zu halten, sei in etwa dieser Betrag von Seiten des Bundes und des Kantons nötig, heisst es in den Berechnung des Wirtschaftsforums weiter.

Grafik betriebliche Massnahmen

 

Aufgrund dieser eingetrübten Aussichten für die Bündner Wirtschaft fordern die Wirtschaftsverbände eine gezielte Ausweitung der Härtefallhilfen. Das deckt sich mit den Resultaten der Umfrage. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen wünscht sich eine Ausfallentschädigung für ungedeckte Kosten von bis zu 50 Prozent. Ein Grossteil der Unternehmen sei somit bereit, die Hälfte der Ausfälle im Rahmen des unternehmerischen Risikos zu tragen, schreiben die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden.

Dabei stünden eine rasche und unkomplizierte Unterstützung sowie die Bekämpfung von Missbrauch mit mehr als 80 Prozent Zustimmung klar im Vordergrund. Eine möglichst tiefe Eintrittsschwelle von 20 Prozent für Härtefälle wird von zwei Dritteln der Unternehmen begrüsst. Der Anteil der Unternehmen, die sich für rückzahlbare Beträge ausspricht liegt bei 62 Prozent und für die Wiedereinführung der Covid-19-Kredite sprachen sich 40 Prozent der Unternehmen aus.

Wie bereits Hotelleriesuisse Graubünden fordern nun alle Bündner Wirtschaftsverbände, dass zur Berechnung des Härtefalls nicht ausschliesslich der Umsatz als Richtgrösse herangezogen wird. So könne eine Härtefallhilfe auch für indirekt betroffene Branchen mit einem mittleren Umsatzrückgang von bis zu 40 Prozent jedoch mit hohen Fixkosten und grosser Investitionstätigkeit berücksichtigt werden.

Deshalb sollen für die Qualifizierung als Härtefall neben den bisherigen zwei Kriterien (Umsatzrückgang über 40 Prozent und behördlich geschlossen) ein drittes Kriterium, nämlich jenes des EBITDA-Rückgangs übernommen werden. Ausserdem fordern die Verbände die Reaktivierung des Covid-19-Kreditprogramms des Bundes, das ähnlich wie im Frühling 2020 aufgesetzt werden voll. 

Covid-19 Lagebeurteilung

Infobox

Die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden haben in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsforum Graubünden und dem Graubündnerischen Baumeisterverband die aktuelle Lage der Bündner Wirtschaft im Zusammenhang mit den Auswirkungen des zweiten Lockdowns analysiert. Die zweite Umfrage wurde bei 575 Unternehmen im Kanton in der zweiten Januarhälfte durchgeführt. Die Auswertung der ersten Umfrage wurde im Oktober publiziert. (rem)