Ein Besuch bei den Gründern des innovativen Bündner Modelabels Muntagnard.

Wie zwei Bündner Bergler die Modebranche aufmischen

Die beiden Emser Dario Grünenfelder und Dario Pirovino hatten eine Idee. Qualitativ hochwertige Mode machen und dies anders, nachhaltig und transparent. Daraus entstanden ist das Modelabel Muntagnard.

Von Franco Brunner Do, 17.03.2022

Von der Unternehmungsberatung in die Modebranche? Nun ja, zumindest auf den ersten Blick wohl nicht gerade die gewöhnlichste Entwicklung. Der Ausdruck «gewöhnlich» passt aber ohnehin so gar nicht zu den beiden Emser Jungunternehmern Dario Grünenfelder und Dario Pirovino. Weder zu ihrem Werdegang, noch zu ihren Persönlichkeiten und ganz bestimmt nicht zu ihrem 2019 gegründeten Premium-Modelabel Muntagnard.

Dario Grünenfelder Dario Pirovino

Dario Grünenfelder (links) und Dario Pirovino, die beiden Gründer des Modelabels Muntagnard. (Bild zVg)

 

Neue, nachhaltige Wege wollten die beiden Dario’s gehen mit ihrem Unternehmen. Und neue, nachhaltige und reichlich innovative Wege sind sie bislang gegangen. Denn Muntagnard - was übrigens so viel wie Bergler, Alpbewohner oder auch gebirgig bedeutet - steht schon jetzt, gerade einmal drei Jahre nach Markeinführung, für qualitativ hochwertige, nachhaltige, bis zu Ende gedachte und nicht zuletzt schlicht und einfach optisch mehr als bloss ansprechende Modeprodukte auf Premium-Level.

Wirtschaftlich und nachhaltig

Dass Dario Grünenfelder und Dario Pirovino derweil ausgerechnet in die Textil- und Modebranche einsteigen würden, war alles andere als ein von langer Hand ausgeklügelter Plan. Als die beiden – übrigens gänzlich unabhängig voneinander – ihre viel- und zukunftsversprechenden Anstellungen bei Unternehmensberatungsagenturen in Zürich aufgegeben hatten, war ihnen einfach einmal klar, dass sie eine neue Herausforderung suchen wollten. Bei einer gemeinsam Auszeit fernab der Bündner Heimat, im Yukon Territory irgendwo im weitreichenden kanadischen Nirgendwo, begannen die Ideen konkreter zu werden.

«Wir haben uns daran erinnert, dass wir eigentlich schon nimmer davon träumten, etwas selbst herzustellen, auf das wir stolz sein können», sagt Dario Grünenfelder. Etwas, in dem Wirtschaft und Nachhaltigkeit vereint werden könne, um daraus zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Eine Vorstellung, die dem Marketingleiter und Umweltökonomen Grünenfelder schon lange vorschwebte. So sei dann, nach einigen wilden Ideen, die Textil- und Modebranche zur Sprache gekommen, da es dort, was Nachhaltigkeit und Transparenz anbelange, eben noch reichlich Luft nach oben gäbe, wie Grünenfelder erklärt. Das war die Geburtsstunde von Muntagnard.

Der Wollmantel Lana für Damen und Herren aus der Muntagnard-Kollektion. (Bild zVg)

Auf dem Weg zur Top-Marke

Heute, rund drei Jahre, diverse Entwicklungsprozesse, viele Fort- und auch einige Rückschritte, Tüfteleien erfolgreiche Produkteeinführungen und eine Pandemie später, ist Muntagnard bereits zu einer bekannten und vor allem anerkannten Marke in der Schweizer Textil- und Modeszene geworden. Eine Marke mit einer ansehnlichen Produktepalette im Oberbekleidungsbereich wie T-Shirts aus Holzfasern, Mänteln aus 100 Prozent recycelter, feinster Merinowolle oder diversen schicken Accessoires wie beispielsweise einer edlen Kaschmir-Schal-Kollektion.

Erhältlich sind all diese Muntagnard-Produkte über den Online-Shop oder in exklusiven Boutiquen und bei ausgewählten Detailhändlern. Bald schon, nach Grünenfelders Umzug von Zürich nach Chur im Sommer, wird Muntagnard auch in seiner eigentlichen Heimat präsent sein. Dann nämlich werden in der Bündner Hauptstadt Büroräume bezogen und ein kleiner Shop eingerichtet. Das wiederum bedeutet auch neue Arbeitsstellen in der und für die Region. Denn was als Duo gestartet wurde, umfasst mittlerweile ein Team von sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und bis Ende 2023 sollen es gar bis zu 20 Muntagnard-Mitwirkende sein.

 

«Unser Ziel ist es, die zukünftige Textil- und Modebranche in gewissem Masse mitgestalten zu können», sagt Dario Grünenfelder klar. Sie würden Impulse setzen wollen, durch die andere Textil- und Mode-Unternehmen sehen würden, dass es auch noch andere Wege als der aktuell gängige gäbe. «Andererseits haben wir uns aber auch ganz klar zum Ziel gesetzt, dass man, wenn in rund fünf Jahren über die Schweizer Textilszene gesprochen wird, neben Labels wie Mammut, On oder Calida auch der Name Muntagnard fallen soll», führt Grünenfelder aus. Man wolle schweizweit, europaweit, ja global als Marke wahrgenommen werden, die für qualitativ hochwertige Produkte im Einklang mit einem durchdachten und umfänglichen Nachhaltigkeitsgedanken stünde. Die ersten, weiterführenden Schritte auf dem Weg dorthin sind jedenfalls sicherlich schon einmal gemacht. Und das auf eine eindrückliche Art und Weise.

«All unsere Kleider sind rezyklierbar oder biologisch abbaubar»

Dario Pirovino und Daniel Grünenfelder. (Bild zVg)

 

Mit Dario Grünenfelder sprach Franco Brunner

Herr Grünenfelder, vor bald fünf Jahren haben Sie und Ihr Kollege Dario Pirovino aussichtsreiche Anstellungen im Beratungsbereich gekündigt und sich gemeinsam auf das Abenteuer der Verwirklichung einer eigenen Geschäftsidee eingelassen. Wie viel Mut hat das damals gebraucht?
Dario Grünenfelder: Es würde jetzt sicher toll klingen, wenn ich sagen könnte, dass es unglaublich viel Mut gebraucht hat. Klar benötigt es Mut, aber in unserem Fall war es durchaus überschaubar. Sowohl Dario als auch ich waren glücklicherweise in einer Lage, in der wir uns den Luxus einer Neuausrichtung leisten konnten. Nicht zuletzt deshalb, da unsere beiden damaligen Arbeitgeber uns stets die Türen für eine allfällige Rückkehr offen gehalten haben. Insofern konnten wir uns relativ sorgenfrei eine gewisse Zeit nehmen.

Zu einer Rückkehr in die Unternehmensberatung kam es bekanntlich nicht. Demnach haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit auch nie bereut? Obschon gewisser Hürden, die es zu Beginn zu meistern gab.
Bereut nie, nein. Aber Hürden und Herausforderungen, gibt es auch heute noch jeden Tag auf’s Neue zu meistern (lacht). Es ist sozusagen eine stetige Berg- und Talfahrt, aber das ist wohl unumgänglich wenn man ein neues Unternehmen in einer für einen selbst komplett neuen Branche gründet. Natürlich kommen da hin und wieder auch Zweifel auf. Lustigerweise treten diese Zweifel bei Dario und mir jedoch immer zu unterschiedlichen Zeiten auf, so dass der Eine den Anderen immer wieder auffangen kann. Aber alles in allem sind wir sehr glücklich und dankbar, dass wir das tun dürfen was wir tun und uns so immer wieder neuen, ungemein spannenden Herausforderungen stellen können.

Sie werben damit, dass Sie konsequent auf eine nachhaltige, transparente Wertschöpfungskette setzen. Wie nachhaltig und transparent ist in der Mode- und Textilbranche überhaupt möglich und wo muss allenfalls auch Muntagnard Kompromisse eingehen?
Natürlich gibt es Grenzen. Als relativ kleines Unternehmen sind wir aber, was die Transparenz anbelangt, sicherlich in einer besseren Ausgangslage als ein Grosskonzern. Theoretisch könnten wir bei all unseren Produkten die gesamte Wertschöpfungskette aufzeigen, da wir jeden einzelnen Produzenten und Lieferanten kennen. Etwas, das heute in der Mode- und Textilbranche eben leider nicht immer der Fall ist.

Sie sagen, Sie könnten den gesamten Verlauf der Wertschöpfungskette aufzeigen. Das heisst also, Sie tun es nicht. Weshalb nicht?
Weil wir gemerkt haben, dass wir die Leute, sprich die Kunden, damit oftmals überfordern. Deshalb haben wir uns entschieden, so transparent wie möglich zu sein, ohne uns dabei auf Kosten der Nachvollziehbarkeit in den allerkleinsten Details zu verlieren.

So viel zur Transparenz. Wo setzt Muntagnard denn ganz konkret an was die Nachhaltigkeit der Produkte anbelangt?
Wir fragen uns stets, wo der ökologische Impact am grössten ist und wollen jeweils genau dort ansetzen. Das ist bei uns in erster Linie im Bereich des Rohmaterials und der Verarbeitung wenn es um die Produkterstellung geht. Danach ist für uns auch die Wiederverwertung der Kleidungsstücke ein elementares Thema. Ein Thema, dass in unserer Branche für gewöhnlich leider komplett aussen vor gelassen wird. All unsere Kleider sind im besten Fall komplett rezyklierbar oder dann zumindest ökologisch abbaubar. Diese Abfallproblematik, die in der Textilbranche leider immer noch nur die Allerwenigsten angehen, ist uns enorm wichtig und da machen wir auch absolut keine Kompromisse.

Auch nicht was die Qualität anbelangt? Anders gefragt, kann nachhaltige und ökologisch produzierte Mode wie Sie sie kreieren mit anderer, «gewöhnlicher» Mode qualitativ überhaupt mithalten?
Ja, das kann sie. Wir stehen qualitativ einfach vor grösseren Herausforderungen. Das beste Beispiel dafür ist unser Nähgarn, das wir immer abgestimmt auf das verwendete Produkt verwenden. Wenn wir ein Holzfaser-T-Shirt machen, setzen wir ein Holzfaser-Nähgarn ein, bei einem Baumwoll-T-Shirt wird ein Baumwoll-Nähgarn verarbeitet. Weit über 90 Prozent der Textilunternehmen machen sich diese Mühe nicht und setzen überall synthetisches Nähgarn aus Polyester ein. Für uns bedeutet das natürlich einen enormen Mehraufwand und allenfalls auch technische Herausforderungen, um die Qualität hochhalten zu können. Eine Alternative gibt es für uns diesbezüglich aber nicht. Schliesslich sind wir neben all den Nachhaltigkeits- und Transparenzgedanken immer noch ein Premium-Modelabel, wo die Qualität nun mal den allerhöchsten Ansprüchen genügen muss.

T-Shirts der Kollektion Mangola und Legna von Muntagnard. Die Legna-Shirts sind aus Holzfaser produziert. (Bild zVg)

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