Potential für Gesundheitstourismus ist in Graubünden vorhanden.

Wertvolle Impulse für zwei Branchen

Gesundheitstourismus ist in aller Munde und wird oft als vielversprechendes Geschäftsfeld für den Kanton Graubünden betrachtet. Das Wirtschaftsforum Graubünden ist deshalb der Frage nachgegangen, welche Potenziale in Graubünden vorhanden sind und wie sich diese erschliessen lassen.

Von Redaktion GRimpuls

Auf den Punkt gebracht zeigt der Bericht auf, dass der Gesundheitstourismus in Graubünden sowohl dem Tourismus als auch dem Gesundheitswesen wertvolle ergänzende Impulse geben könne. In beiden Bereichen sei eine breite Basis vorhanden, zahlreiche Angebote des Gesundheitswesens in Graubünden würden bereits heute von Gästen genutzt.

Der Bericht sieht in folgenden Themenfeldern Potenzial für den Gesundheitstourismus in Graubünden:

  • Sportmedizinische Betreuung
  • Medical Wellness
  • Ferienangebote für Menschen mit chronischen Erkrankungen
  • Wahlbehandlungen im somatischen Bereich
  • Stationäre Aufenthalte im psychiatrischen Bereich
  • Ambulante Gesundheitsdienstleistungen für Zweitwohnende
  • Ambulante Kur- und Rehabilitationsaufenthalte
  • Ferienangebote für Menschen mit Pflegebedarf

Insgesamt schätzt die Studie das Umsatzpotenzial im Gesundheitstourismus auf 86 bis 122 Millionen Franken pro Jahr. Dies sei keine konservative, sondern eine optimistisch realistische Einschätzung, sagt Peder Plaz, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Graubünden, auf Anfrage.

Übersicht Stationäre Institutionen des Gesundheitswesens und Gästeaufkommen in Graubünden. (Quelle Wirtschaftsforum Graubünden)

 

Das Gesundheitswesen ist gefordert

Trotz diesen positiven Erkenntnissen sei im Auge zu behalten, dass der Gesundheitstourismus in erster Linie durch Breitenwirkung Potenziale bietet und aus Sicht der Hotels und Gesundheitsanbiete das Geschäft meistens in Ergänzung zu bestehenden Angeboten und Kapazitäten als Deckungsbeitragsbringer zu Betrachen sei, heisst es in der Studie weiter. Nur so könnten die Nischen des Gesundheitstourismus profitabel bespielt werden.

Auf Anfrage sagt Peder Plaz: «Gesundheitstourismus in Graubünden ist nicht möglich, wenn die Spitäler nicht mitmachen». Für die Hotels liege das Potenzial im Ein-Prozentbereich des Geschäfts. Voraussetzung für die weitere Entwicklung des Gesundheitstourismus sei deshalb, dass in Graubünden eine Kultur des Gesundheitstourismus entstehe und die Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen und Tourismus gemeinsam Nischen unkompliziert besetzen würden, so Plaz weiter.

«Die Initiative und die Produktentwicklung muss von den Spitälern in den Regionen ausgehen», ist Plaz überzeugt. Das heisse auch, dass die Ärzte dazu bereit sein müssten und die Spitäler direkt auf die Hoteliers zugehe. Diese müssten dann nicht in Wellness-Oasen investieren, sondern könnten zusammen mit den Gesundheitsinstitutionen ein Paket schnüren. «Interessant kann das vor allem auch für kleinere Hotels im 3-Sterne-Bereich sein», sagt Plaz.

Die Rolle des Kantons und der Tourismusorganisationen sieht Plaz vor allem in der Unterstützung. «Dass der Kanton oder zum Beispiel Graubünden Ferien zu diesem Thema die Initiative ergreifen, ist nicht realistisch. Sie können aber wertvolle Starthilfe leisten, wenn konkrete Projekte auf dem Tisch liegen.»