Zuwanderung nach Graubünden hat 2020 zugenommen.

Weniger Kurzaufenthalter und mehr Grenzgänger in Graubünden

Die Corona-Pandemie hatte im vergangenen Jahr auch Auswirkungen auf den Bündner Arbeitsmarkt. Während sich vor allem die befristete Erwerbszuwanderung rückläufig entwickelte, nahm die Zahl der Grenzgänger weiter zu.

Von Patrick Casanova | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Di, 16.03.2021

Die Pandemie und das wirtschaftlich turbulente Umfeld im vergangenen Jahr führten auch in der Schweiz zu teils erheblichen Schwankungen in den Migrationsbewegungen. Während national die Zuwanderung der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung gegenüber dem Vorjahr um 2.6 Prozent abnahm, entwickelte sich die Auswanderung auch aufgrund der Restriktionen um 12.1 Prozent rückläufig – in der Summe führt dies zu einem Anstieg des Wanderungssaldos auf 61'390 Personen (Vorjahr: 55'017).

In Graubünden nahm die Zuwanderung im Gegensatz zur Schweiz auch im letzten Jahr zu, sie stieg von 2'841 Personen im Vorjahr auf 3'168 Personen – der Effekt der Einreisebeschränkungen zeigte sich im zweiten Quartal, danach setzten aber bald Aufholeffekte ein. Über die Hälfte des Zuwachses ist allerdings auf die Umwandlung von kurzfristigen in unbefristete Aufenthaltsbewilligungen zurückzuführen. Aufgrund allgemein rückläufiger Auswanderungen liegt der Wanderungssaldo der ständig anwesenden Ausländer 2020 als Differenz der Zu- und Wegzüge bei 1'295 Personen, dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Im Bereich der EU-28/EFTA-Staaten stieg der Saldo auf 961 Personen – deutsche und italienische Staatsbürger tragen gemeinsam über die Hälfte zum positiven Saldo bei, während der Wanderungssaldo der portugiesischen Wohnbevölkerung leicht negativ ausfällt

Zu- und Wegzüge sowie Wanderungssaldi aus EU/EFTA-Ländern in Graubünden

 

Das wichtigste Motiv für einen Zuzug nach Graubünden ist für rund 60 Prozent die Ausübung einer Erwerbstätigkeit, etwa ein Fünftel der Einwanderung ist auf Familiennachzug zurückzuführen. Gut drei Prozent der Ausländer wanderten zu Aus- und Weiterbildungszwecken nach Graubünden ein.

Insgesamt lebten so Ende 2020 36'988 Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft dauerhaft in Graubünden, 2.5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Ständige ausländische Wohnbevölkerung in Graubünden nach Herkunft, Ende 2020

 

Grössere Auswirkungen der Pandemie zeigten sich im letzten Jahr bei den befristeten Arbeitsverhältnissen, die häufig in Branchen mit starken saisonalen Ausprägungen wie dem Gastgewerbe vorkommen. Die partiellen Betriebsschliessungen und Einschränkungen führten hier zu einer verringerten Nachfrage nach Arbeitskräften, die Anzahl erteilter Kurzaufenthaltsbewilligungen (und ähnlicher Bewilligungen für kurzzeitige Aufenthalte) nahm um fast 1'600 auf noch gut 9'000 Bewilligungen ab.

Ende Dezember lag der Bestand der anwesenden kurzzeitigen Aufenthalter mit 5'321 Personen um fast 1'200 Personen tiefer als ein Jahr zuvor – dies ist doch ein Hinweis, dass im Hinblick auf die spezielle Wintersaison 2020/21 gerade im Tourismus weniger Personal im Ausland rekrutiert wurde als üblich.

Anhaltende Zunahme der Grenzgänger

Etwas weniger Einfluss als auf die Erwerbszuwanderung hatte die Pandemie im letzten Jahr auf die Bewegungen der Grenzgänger. Ende Dezember belief sich deren Anzahl in der Schweiz auf rund 344'000, 1.4 Prozent mehr als im Vorjahr.

In Graubünden war der Zuwachs mit einem Plus von 8.2 Prozent auch im letzten Jahr deutlich ausgeprägter, rund 7'800 Grenzgänger arbeiteten im vierten Quartal im Kanton. Mit fast fünfzehn Prozent den deutlich grössten Zuwachs verzeichnete die Region Moesa, deren Wirtschaft aktuell etwa 620 Grenzgänger beschäftigt. Absolut ist dies aber deutlich weniger als in den anderen Südbündner Regionen; rund jeder zweite Bündner Grenzgänger ist weiterhin in der Region Maloja tätig.

Verteilung der Grenzgänger nach Bündner Regionen, 4. Quartal 2019

 

Gut 90 Prozent der Grenzgänger stammen aus Italien, über die Hälfte des Rests aus Österreich. Die übrigen Personen mit einer Grenzgängerbewilligung verteilen sich denn etwas stärker auch auf die Regionen ausserhalb Südbündens.

Sämtliche Branchen mit hohen Anteilen an beschäftigten Grenzgängern verzeichneten einen Zuwachs, wenn auch beispielsweise das Gastgewerbe in deutlich geringem Ausmass als andere Dienstleister. Je rund 19 Prozent aller Grenzgänger arbeiten im Gast- oder Baugewerbe, viele Grenzgänger werden auch im Handel, dem Verkehr sowie im Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigt.

Bündner Grenzgänger nach Branchen im 4. Quartal 2020

 

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die wegfallenden Kurzaufenthaltsbewilligungen wohl zumindest teilweise durch zusätzliche Rekrutierungen von Grenzgängern substituiert werden konnten.