Das CSEM in Landquart

Von der Forschung zur industriellen Produktion

Das CSEM in Landquart betreibt Innovation, Forschung und Produktentwicklung für hochtechnologische Anwendungen. Profitieren davon können auch Unternehmen in Graubünden, welchen damit Zugriff auf Spitzentechnologien ermöglicht wird. Obwohl das CSEM bereits seit dem Jahr 2007 in Landquart einen Standort betreibt, ist das Angebot aber vielen Unternehmen noch unbekannt.

Von René Mehrmann Do, 27.06.2019

Fünf Standorte hat das CSEM, das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik, in der Schweiz. Einer davon ist in Landquart. Aufgabe des CSEM ist die Technologieentwicklung und der Technologietransfer in die regionale Industrie, wie Dieter Ulrich, Leiter des CSEM in Landquart, erklärt. «Wir wollen neue Technologien soweit entwickeln, dass sie anschliessend für Produkte verwendbar sind.» Dieser Schritt sei nicht ganz trivial, ergänzt Ulrich, und benötige oft viel Zeit. Um den Betrieben auf diesem Weg zu helfen, kann das CSEM auf ein ausgedehntes Netzwerk zählen. Seine Ressourcen sind nicht nur auf die 25 Mitarbeiter in Landquart beschränkt, bei Bedarf steht das Know-how von sämtlichen knapp 500 CSEM-Ingenieuren für ein Projekt zur Verfügung.

Swisstom – ein Paradebeispiel

Beispiele für eine erfolgreiche Zusammenarbeit des CSEM und Bündner Unternehmen gibt es einige. Neben bekannten Firmen wie Hamilton, Cedes und Trumpf ist die Firma Swisstom erwähnenswert.

Gegründet wurde Swisstom 2009 als Startup des CSEM in Landquart. Das Unternehmen entwickelt und verkauft Lungenmonitorgeräte. Die Basistechnologie für diese Produkte – die elektrische Impedanztomografie (EIT) – wurde am CSEM entwickelt und zusammen mit Wissensträgern des CSEM vollständig zur Swisstom transferiert. 2018 kaufte Sentec, ein Schweizer Medizinaltechnologieunternehmen mit Sitz in Therwil, Swisstom. Diese soll aber weiterhin unter eigenem Namen und mit Standort Landquart ihre Produkte entwickeln und produzieren.

Dieter Ulrich, Vizepräsident und Leiter des CSEM in Landquart (Bild CSEM)

 

CSEM noch bekannter machen

Für Ulrich ist die Swisstom ein gelungenes Beispiel für einen Technologietransfer von der Forschung zum marktfähigen Produkt, der vom CSEM initiiert wurde. Noch nicht ganz so oft gelangen aber auch Unternehmen an das Zentrum, um zusammen mit dem CSEM völlig neue Ideen in Produkte und digitale Dienstleistungen umzusetzen.

Hier sieht Ulrich viel brachliegendes Potenzial im Kanton Graubünden. Deshalb sei es ihnen wichtig, den Namen CSEM und dessen Tätigkeit noch bekannter zu machen. «Wir erleben einen rasanten Technologiewandel und die Region Graubünden darf sich nicht verstecken. Neue disruptive Technologien bieten riesige Marktchancen, die gerade auch von den KMU in der Region Graubünden in Zusammenarbeit mit Technologieanbietern wie dem CSEM wahrgenommen werden können.», erklärt Ulrich.

Labor beim CSEM Labor beim CSEM

(Bilder CSEM)

 

Drei Schwerpunkte

«Das CSEM ist und will sehr nahe an der Industrie sein», sagt Ulrich zur Positionierung. Das Zentrum sieht sich denn auch als Innovationskatalysator und Problemlöser. Das erreicht das CSEM unter anderem damit, dass rund die Hälfte seiner Ingenieure aus der Industrie kommen, also auch deren Bedürfnisse sehr gut kennen, andererseits aber über mehrere Jahre Basistechnologie soweit aufbauen, das diese reif für einen Transfer in die Industrie ist. Dabei endet in der Regel die Arbeit des CSEM, sobald der industrielle Prototyp steht. Die Produktion und Kommerzialisierung sei dann Aufgabe des Kunden, so Ulrich weiter.

Die Tätigkeit des CSEM lässt sich in drei Schwerpunkte unterteilen: Digitalization, Precision Manufacturing und Energy. Bei der Digitalisierung liegen die Schwerpunkte bei künstlicher Intelligenz, Digital Health, Industrie 4.0, Internet der Dinge und Quantentechnologie. Beim Schwerpunkt Precision Manufacturing stehen die Bereiche Mikrotechnik, Biosensoren, 3D-Druck und Robotik im Vordergrund. Und beim Schwerpunkt Energie forscht das CSEM unter anderem in den Bereichen Photovoltaik und Energiemanagement und arbeitet in Graubünden auch mit Firmen in der Energiebranche zusammen.

 

Das CSEM in Zahlen

  • 470 Mitarbeiter aus 43 Nationen
  • 82 Millionen Franken Umsatz
  • 206 Industrieprojekte pro Jahr
  • 44 neue Startups und Spin-off-Gründungen
  • 210 Patentfamilien registriert
  • 64 EUProjekte pro Jahr

Kürzliche Technologietransfers

  • Ava: Armband zur Fruchtbarkeitsüberwachung
  • StatPeel: Arbeitnehmer vor der Gefahr von Kohlenstoffnanoröhrchen schützen
  • Swatch Group: Kleinster BluetoothChip mit Niedrigenergie für eine besser vernetzte Welt
  • Biowatch: Biometrische Armbanduhr zur sicheren Identifikation