2. Schweizer «Point-of-Care-Diagnostik»-Symposium in Chur

Vielversprechende Zukunft für patientennahe Schnelldiagnostik

Welche Technologien tragen zur Entwicklung von präzisen, mobilen und medizinisch gesicherten Diagnosetests bei? Dieser Frage ging das zweite Schweizer Symposium für Point-of-Care-Diagnostik am Donnerstag in Chur nach.

Von Redaktion GRimpuls

«Unser zentrales Ziel ist es, möglichst gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Graubünden auch im Health-Care-Bereich erfolgreich als Wirtschafts- und Forschungsstandort entwickeln kann», sagte Regierungsrat Jon Domenic Parolini in seinem Einsteigsreferat zur Eröffnung des zweiten Schweizer Symposiums für Point-of-Care-Diagnostik. Das diesjährige Symposium wurde auch deshalb im Kanton Graubünden durchgeführt, wie das Forschungs- und Entwicklungszentrum CSEM in einer Mitteilung schreibt. Rund 200 internationale Interessenvertreter aus Wissenschaft, Medizin und Industrie nahmen am Symposium teil.

Der Bündner Regierungsrat Jon Domenic Parolini bei der Eröffnung des Point-of-Care-Diagnostics-Symposium in Chur. (Bild zVg)

 

Digitalisierung als Wachstumstreiber

Auch für die Gesundheitsbranche birgt der digitale Wandel riesige Potenziale für die Steigerung der Effizienz und Effektivität. In der Schweiz gilt die Point-of-Care-Diagnostik als Wachstumsmarkt. In Graubünden beschäftigen sich bereits einige Organisationen wie das Kantonsspital Chur, die ÖKK sowie Davos Diagnostics und Risch Labormedizin mit dem Thema.

Unternehmen erwarten durch die patientennahe Schnelldiagnostik sinkende Kosten, steigende Produktivität, neue Produkte und Dienstleistungen sowie neue Märkte, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Näher an den Patienten

Experten aus Medizin, Industrie und Wissenschaft – darunter Schwergewichte wie Roche und Siemens – stellten in diversen Präsentationen ihre Projekte, Entwicklungen und Errungenschaften auf dem Gebiet vor. «Die Diagnostik ist im Gesundheitswesen allgegenwärtig, weil sie den gesamten Prozess von der Prävention bis zur Therapie unterstützt», erklärte Dr. Emmanuel Delamarche von IBM Research in Zürich in seiner Keynote.

Professor Joseph Wang von der University of California in San Diego schloss das Symposium mit einem Referat über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der tragbaren elektrochemischen Sensoren ab. Direkt auf der Haut oder im Mund angebracht werden diese Sensoren für verschiedene nicht-invasive biomedizinische Überwachungsanwendungen eingesetzt. «Wir wollen mehr als Bewegungs- oder Vitalparameter überwachen – unser Ziel ist es, biochemische Daten aufgrund von Schweiss- oder Speichelproben bereitzustellen», erklärte Wang.

Joseph Wang, Professor an der University of California in San Diego, referiert über die neuesten Entwicklungen in der patientennahen Schnelldiagnostik. (Bild zVg)

 

Was bedeutet Schnelldiagnostik?

Die meisten Erkrankungen werden anhand von spezifischen Laborwerten ermittelt, die allerdings oft den Nachteil haben, dass die Proben erst in ein spezialisiertes Labor geschickt werden müssen, bevor die Ergebnisse nach ein paar Tagen vorliegen und eine adäquate und zielgerichtete Behandlung festgelegt werden kann. 

Der Begriff «patientennahe Labor- oder Schnelldiagnostik» umfasst Laboruntersuchungen, die direkt am Patienten durchgeführt werden, z.B. in der Arztpraxis, in der Apotheke, im Operationssaal, auf der Krankenstation, in der Ambulanz, am Notfallort (englisch: Point-of-Care (PoC)) oder auch ganz einfach zu Hause, wie Blutdruckmessungen oder Schwangerschaftstests. Point-of-Care-Diagnostikprodukte ergänzen die hochentwickelten Analysesysteme, die in Krankenhäusern und privaten Labors installiert sind.

 

CSEM – Technologien, die den Unterschied machen

Das CSEM ist ein schweizerisches Forschungs- und Entwicklungszentrum (öffentlich-private Partnerschaft), das sich auf Mikro- und Nanotechnologie, Mikroelektronik, Systems Engineering, Photovoltaik und Kommunikationstechnologien spezialisiert hat. Rund 450 hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus diversen wissenschaftlichen und technischen Bereichen arbeiten für das CSEM in Neuenburg, Alpnach, Muttenz, Landquart und Zürich.