Innovation ist das Leitmotiv bei Zindel United in Maienfeld.

«Sobald man abhängig ist, wird es gefährlich»

Die Maienfelder Unternehmensgruppe Zindel United bietet mit Baudienstleistungen, Projektentwicklungen, Asbestsanierungen, Holz- und Massivbau bis hin zum Facility-Management eine äusserst breite Angebots-Palette an. Innovation spielt dabei stets eine zentrale Rolle, wie Mitinhaber und CEO Andreas Zindel im Interview erklärt.

Von René Mehrmann Fr, 22.06.2018

Mit Andreas Zindel sprach Franco Brunner

Herr Zindel, an was denken Sie, wenn Sie den Begriff «Innovation» hören? Immerhin ist das wohl der Begriff, der mit Abstand am meisten verwendet wird wenn es um Fragen nach Strukturwandel, Digitalisierung und Zukunft geht.

Andreas Zindel: Der Begriff Innovation beinhaltet unheimlich viel. Das kann bereits im Kleinen beginnen. Ich denke da beispielsweise an unsere Mitarbeiter, die auf der Baustelle jeden Tag innovativ denken und handeln. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch die grossen Würfe, die eine grundlegende Veränderung mit sich bringen. Entscheidend ist zu sehen, dass für ein Unternehmen derweil beide Pole genau gleich wichtig sind. Sowohl die grossen als auch die kleinen, scheinbar alltäglichen Innovations-Ideen und -Gedanken. Ganz grundsätzlich kann sich eine gesamte Firmenkultur nur auf Basis von Innovation weiter entwickeln. Nur so bleibt man offen für Neues und kommt am Ende des Tages vorwärts.

Sie haben gerade Ihre Mitarbeiter angesprochen. Stimmt es, dass diese in Ihrem Unternehmen für besonders innovative Ideen ausgezeichnet werden?

Ja, das ist so. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter kann bei uns seine Ideen mit einbringen. Die innovativste Idee zeichnen wir Ende Jahr jeweils aus und verfolgen sie natürlich dann auch in der Praxis weiter. Wichtig ist uns, dass wirklich jeder mitmachen kann, völlig unabhängig von seiner Rolle in der Firma.

In welchen Bereichen würde Sie Ihre Firma sonst noch als besonders innovativ bezeichnen?

Schon alleine unser breit aufgestelltes Dienstleistungsangebot kann man aus meiner Sicht als innovativ bezeichnen. Mit Baudienstleistungen, Projektentwicklungen, Asbestsanierungen, Holz- und Massivbau bis hin zum Facility-Management, bieten wir so ziemlich alles an, was eine Bau-Gruppe anbieten kann. Und auch hier kommt immer wieder Neues hinzu, wie aktuell etwa mit der Firma Inega AG, mit der wir etwas aus dem Baukreis hinaus kommen wollen und sozusagen zum Energie-Contractor werden indem wir Bio-Massenabfälle einsammeln und zukünftig auch ver- und aufarbeiten wollen. Ein weiterer innovativer Punkt ist sicherlich die Tatsache, dass wir neu eine Personalentwicklerin eingestellt haben. Schliesslich sind unsere Mitarbeiter das wichtigste Gut überhaupt. Dementsprechend müssen wir diesem Gut auch am meisten Sorge tragen. Unsere neue Personalentwicklerin Melanie Salis bringt uns in diesem Bereich auf eine nachhaltige Art und Weise weiter. 

Und wie tut sie das genau?

Sie betreut beispielsweise insbesondere die Lehrlinge intensiv. Denn das sind unsere innovativen Köpfe der Zukunft. Diese Betreuung beginnt bereits bei Gesprächen in der Schnupperlehre und zieht sich durch bis hin zum Lehrabschluss respektive den danach folgenden Weiterbildungsmöglichkeiten. Denn wie gesagt, Innovation fängt im Kleinen an. Dies zu sehen und danach zu handeln ist ein Punkt, der uns weiter bringt.

Sie haben zuvor gerade die breite Angebots-Palette angesprochen, die Ihr Unternehmen auszeichnet. Auf der einen Seite erwartet man heutzutage von einem Unternehmen diese Vielseitigkeit fast schon. Doch wird es bei all dieser Vielfalt nicht auch immer schwieriger, die eigene Unternehmenskultur und -philosophie beibehalten zu können?

Diesen Punkt darf man tatsächlich nicht aus den Augen verlieren. Die Zindel-Gruppe Maienfeld beschäftig heute rund 15 Unternehmungen mit insgesamt gut 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da muss man selbstverständlich darauf achten, dass man sich nicht in Vielfalt verliert. Wichtig ist dabei, die Organisation so zu führen, dass man das Potential des breiten Angebots auch ideal nutzen kann. Ein wichtiger Punkt in Ihrer Unternehmensstrategie scheint auch eine möglichst übersichtliche Wertschöpfungskette zu sein. Von der Ausschreibung über die Planung bis hin zum fertigen Objekt, versuchen Sie möglichst alles in den eigenen Händen zu halten. Bis wohin ist dies überhaupt möglich und wo sind auch Sie von externen Partnern abhängig?

Abhängig sind wir von niemandem, das darf man auch nicht sein. Denn sobald man abhängig ist, wird es gefährlich. Aber natürlich gibt es Bereiche, die wir nicht selber abdecken und deshalb mit sehr guten und kompetenten Unternehmen zusammen arbeiten. Ich denke da beispielsweise an verschiedene Ingenieur-Arbeiten. Wichtig ist bei diesen Zusammenarbeiten stets, dass unsere Partner die gleichen Werte und Philosophien wie wir haben und verfolgen.

Wagen wir zum Schluss noch einen Blick in die Kristallkugel. In Bezug auf den digitalen Wandel spricht man auch immer von Chancen und Herausforderungen. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie diesbezüglich ganz spezifisch auf Ihre Branche zukommen?

Fakt ist, die Digitalisierung ist etwas, das wir nicht aufhalten können. Nun stellt sich die Frage, sperren wir uns dagegen, laufen wir mit oder versuchen wir aktiv mit zu machen und mit zu gestalten. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Grosse Chancen und Möglichkeiten sehe ich diesbezüglich für unsere Branche etwa im ganzen Holzbau, der unheimlich digitalisiert ist oder in der sogenannten BIM-Methode (Building Information Modeling), mit der mittels einer Software eine optimierte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken erzielt werden kann. Das sind wichtige Entwicklungen, bei denen man dabei sein muss.

Andreas Zindel, CEO von Zindel United

Im Zeichen des Wachstums

Die Geschichte der Firma Zindel reicht über 200 Jahre zurück. Maurermeister Johann Ulrich Zindel hat sich sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts selbständig gemacht und so die Geschichte dieses Familienunternehmens zu schreiben begonnen. Machte zuerst auch respektive vor allem die Landwirtschaft einen wichtigen Bestandteil des Unternehmens aus, gewann im Laufe der Jahre der Bereich Tiefbau immer mehr an Bedeutung. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts übernahm die Firma Zindel diverse Kies- und Betonwerke. 1990 wurde die Gruppe Zindel United unter das Dach der Brandis Finanz Holding AG Maienfeld gestellt. 

Kooperationen für die Zukunft

Sieben Generationen nach den Anfängen hat sich das Unternehmen nicht zuletzt dank einer stetigen und nachhaltigen Expansionsstrategie - hauptsächlich durch Übernahmen von bestehenden Firmen sowie Neugründungen - zu einem der bedeutendsten Player der hiesigen Baubranche entwickelt. Mittlerweile ist Zindel United eine Unternehmungsgruppe, die mit Baudienstleistungen, Projektentwicklungen, Asbestsanierungen, Holz- und Massivbau bis hin zum Facility-Management eine äusserst breite Angebots-Palette anbietet. Eine der aktuellsten Kooperation ist Zindel United erst diesen Sommer mit der Firma Uffer AG in Savognin eingegangen. Zu dieser Zusammenarbeit hat Andreas Zindel bei der Bekanntgabe folgendes erklärt: «Für uns ist die Partnerschaft mit Uffer ein Glücksfall: Durch den Zusammenschluss neu aufgestellt, werden wir – abgesehen von der höheren Kapazität und Diversifizierung – auch in der Lage sein, ganz neue Gesamtdienstleistungen aus einer Hand anzubieten.»

Heute beschäftigt die Zindel-Gruppe Maienfeld rund 15 Unternehmungen mit insgesamt gut 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gehört somit zu einer der grösseren Arbeitgeberinnen in der Region. (so)