Um Blockchain-Technologien sinnvoll zu nutzen, sind neue Geschäftsmodelle gefragt.

So kann die Blockchain-Technologie genutzt werden

Die Blockchain-Technologie ist, vor allem auch wegen den Kryptowährungen wie Bitcoin und der Plattform Ethereum, in aller Munde. Und irgendwie will niemand den Anschluss an die Technologie verpassen. Doch was bringt Blockchain den Unternehmen in Graubünden? Die Antwort ist nicht ganz einfach.

Von René Mehrmann Fr, 28.09.2018

Um über den Einsatz einer Blockchain-Technologie in einem Betrieb zu entscheiden, müssen zuvor die richtigen Fragen gestellt werden, sagt Corsin Capol, Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur. Eine zentrale Fragestellung ist, welche Anforderungen das Produkt oder die Dienstleistung an die Software-Architektur hat. Aufgrund dieser Anforderungen müsse entschieden werden, welche Technologie zur Anwendung komme, so Capol weiter. Man könne deshalb die Blockchain-Technologie nicht an eine spezifische Branche koppeln, unbedacht als universalen Lösungsansatz verwenden.

«Wir sehen derzeit,dass viele Blockchain-Projekte primär von der technologischen Seite her aufgezogen werden», ergänzt Michael Forster, Dozent an der HTW und Projektleiter am Schweizerischen Institut für Entrepreneurship (SIFE) in Chur. Das liege darin, dass die Technologie bestimmte Vorteile im Umgang mit sensiblen Daten verspreche, wie höhere Integrität, Zuverlässigkeit oder Transparenz. Mindestens ebenso wichtig sei allerdings die Frage nach dem Kundennutzen, den die angestrebte Lösung stiften soll. Steht ein echtes Kundenbedürfnis dahinter, ist ein echter Kundennutzen ersichtlich oder geht es lediglich darum, bestehende Problemstellungen mit einer neuen Technologie anzupacken?

Drum prüfe, wer Blockchain nutzen möchte

Die weitreichenden Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle ganzer Branchen, unklare regulatorische Rahmenbedingungen, sowie aktuelle technischen Limitierungen, erschweren trotz dessen Nutzen- und Transformationspotenzial den Einsatz der Blockchain-Technologie. Bei vielen Unternehmen müssen zuerst in all diesen Bereichen die Grundlagen und ein gemeinsames Verständnis erarbeitet werden, führt Capol aus.

Die Blockchain-Technologie eignet sich insbesondere für unternehmensübergreifende Prozesse, bei denen kein vertrauensvoller Dritter existiert und Werte in Form von Transaktionen ausgetauscht werden. Dies bedeutet auch, dass durch die Blockchain-Technologie aktuelle Intermediäre, welche als vertrauensvoller Dritter agieren durch den Einsatz von Technologie ersetzt werden können. Bei der digitalen Währung Bitcoin übernimmt das Netzwerk die Abwicklung der Transaktion. Im Vergleich dazu übernimmt in der Schweiz die Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit traditionellen Währungen die Firma SIX.

Das müsse ein Unternehmen prüfen, wenn es sich den Einsatz der Blockchain-Technologie überlege. Einfach nur auf Blockchain zu setzen, weil es gerade im Trend sei, bringe nichts, so Capol. Auf der Basis von einem wissenschaftlichen Artikel von Karl Wüst, einem Doktoranden der ETH Zürich, hat die Bündner Firma Muncca einen Online-Fragekatalog entwickelt, welcher Unternehmen hilft herauszufinden, ob man sich die Einführung der Blockchain-Technologie überlegen sollte (den Fragebogen finden Sie hier).

Noch wenig konkrete Anwendungen

Im Rahmen eines Forschungsprojekts haben sich Forster und Capol vertiefend mit der Technologie und Anwendungsmöglichkeiten auseinandergesetzt. Und so gross der Hype um Blockchain ist, so ernüchternd sind die konkreten Anwendungen.

Gemäss Forster haben weltweit erst wenige Unternehmen Blockchain-Lösungen im Einsatz die funktionieren und am Markt sind. Die wenigsten sind auch kommerziell erfolgreich. Gemäss dem jährlichen CIO-Survey von Gartner haben 9 von 10 der befragten Unternehmen Blockchain maximal «auf dem Radar». Nur rund 15 Prozent haben mittel- bis langfristig Pläne mit der Technologie.

Entwicklung aufmerksam verfolgen

«Auf Bundesebene hat der Bundesrat eine Blockchain-Task-Force eingesetzt, um zu prüfen, ob und wie der Regulator gerade auch bei Kryptowährungen gesetzliche Rahmenbedingungen setzen muss», erklärt Forster.

Capol als auch Forster betonen, dass die Technologie noch sehr jung und einige Fragen – wie zum Beispiel jene der Regulatoren – noch weitgehend unbeantwortet ist. Deshalb gelte es für die Unternehmen, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen, allenfalls die Technologie, auch auf die Gefahr hin zu scheitern, auszuprobieren. Das sei im Moment aber wohl nur für grössere Unternehmen im Kanton eine Option.

Michael Forster Corsin Capol