Seit einem Jahr dominiert Corona unser Leben. Was das Virus für ihre Unternehmen bedeutet, erzählen zwei Unternehmer.

So erleben Bündner Unternehmer die Coronapandemie - Teil 2

Das vergangene Jahr war für viele Bündner Unternehmen ein wilder Ritt. Rosige Aussichten wurden durch die Coronapandemie jäh gestoppt, einige Betriebe mussten im Shutdown schliessen, anderen brachen die Aufträge ein und wieder andere wurden durch die Krise kaum beeinträchtigt. «GRimpuls» hat mit zwei Bündner Unternehmern aus verschiedenen Branchen gesprochen. Sie beurteilen im zweiten Teil dieser Serie die Entscheide des Bundesrats und wagen einen Blick in die Zukunft.

Von Redaktion GRimpuls Mo, 15.03.2021

Andri Franziscus, Guarda Lodge, Guarda

Andri Franziscus...

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...führt gemeinsam mit seinem Partner Thomas Werren seit fünf Jahren die «Guarda Lodge» in Guarda. Das Bed-and-Breakfast-Hotel hat sieben Zimmer, dazu gehören auch zwei Ferienwohnungen in der Chasa Tablà. Seit diesem Frühling betreiben Franziscus und Werren auch das Dorfrestaurant «Crusch Alba» als Pop-up-Restaurant für ein Jahr. Nach der Schliessung der Restaurants allerdings nur noch für die Gäste ihres Hotels.

Andri Franziscus, Gastgeber «Guarda Lodge» in Guarda. (Bild Archiv SO)

«Im Vergleich mit anderen Hotelbetrieben konnten wir zu Jahresbeginn zwei gute Monate verzeichnen. Wir erreichten zwar auch nicht die Zahlen von vor einem Jahr, die Verluste sind aber in einem vertretbaren Rahmen. Wir haben sicherlich davon profitiert, dass wir ein kleines Haus sind. Gerade in diesen Coronazeiten schätzen unsere Gäste die Kleinräumigkeit, dass man sich gut aus dem Weg gehen kann und die Coronaregeln eingehalten werden. Ich bin mir aber schon bewusst, dass wir diesbezüglich eine Ausnahme sind und dass das nicht auf alle Beherbergungsbetriebe zutrifft. Das heisst aber nicht, dass unser Betrieb einfach so weitergelaufen ist. Auch wir mussten uns laufend anpassen, innovativ und kreativ sein. Wie es jetzt aber weitergeht, kann ich nicht sagen – ich habe keinen blassen Schimmer. Unsere Buchungen im März sind weit unter dem Stand des letzten Jahres, aber diese Situation hatten wir bereits im Februar. Es zeigt sich, dass die Leute sehr kurzfristig und im letzten Moment buchen. Wir sprechen hier nicht mehr von Last Minute sondern von Last Second. So richtig planen ist darum praktisch unmöglich. Das zeigen auch die Zahlen für den Sommer. Wir haben jetzt schon mehr Buchungen für den Sommer als für den März und die Osterfeiertage sind sehr schlecht gebucht. Das soll aber nichts heissen und kann sich sehr rasch ändern, denn die Leute buchen erst, wenn der Wetterbericht gut ist und die Umstände stimmen.

Etwas früher als geplant schliessen wir aber unser Pop-up-Restaurant ‘Crusch Alba’. Dieses wollten wir ursprünglich bis Ostern betreiben, danach wird das Haus renoviert und im Juni übernehmen neue Pächter. Jetzt schliessen wir zwei Wochen früher und die Handwerker können auch etwas früher mit den Umbauarbeiten beginnen.

Auch wenn die Lage für die Hotellerie und die Gastrobranche schwierig ist, möchte ich den Bundesrat nicht kritisieren für seine Politik. Die erscheint mir angemessen zu sein. Allerdings kann man schon einige Punkte der Massnahmen hinterfragen. So ist mir nicht ganz klar und im Nachhinein wird es eines der grossen Rätsel sein, weshalb der Bundesrat die Hotel- und die Gastrobranche so unterschiedlich behandelt hat. Auch wir haben diese Erfahrung gemacht: Im Hotelbetrieb waren wir Profiteure, in unserem Restaurant haben wir gelitten.»

Claudio Frick, Mit-Inhaber Reisebüro W. Roth, Chur

Seit über 60 Jahren...

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...existiert das Reisebüro Roth in Chur. Seit 2013 wird das Unternehmen in vierter Generation von Roman Deflorin und Claudio Frick geführt. Das Carreiseunternehmen ist spezialisiert auf Carreisen, Tagesfahrten, Musik- und Ferienreisen, Vereinsfahrten, Firmenanlässe, Hochzeitsfahrten und Events. Das Unternehmen betreibt sechs Reisecars und zwei Kleinbusse und beschäftigt sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Claudio Frick, Mit-Inhaber des Reisebüros W. Roth in Chur. (Bild Archiv SO)

«Die ersten Öffnungen nach dem Shutdown haben sich in unserem Geschäft noch nicht ausgewirkt. Damit das der Fall wäre, sind wir auf die Öffnung der Restaurants angewiesen. Wir können ja nicht mit einer Reisegruppe eine Fahrt unternehmen und diese muss dann an einem Tankstellenshop ein Sandwich und etwas zu trinken holen. Für solche Reisen brauchen wir offene Restaurants. Die Lockerungen spüren wir aber im Zusammenhang mit den Sportvereinen. Da wird der Spielbetrieb allmählich wieder aufgenommen, vor allem bei den Nachwuchsmannschaften.

Auch bei den mittel- und langfristigen Buchungen für den Sommer und Herbst spüren wir Zurückhaltung. Wir konnten noch keine grosse Buchungswelle verbuchen. Einige Stammgäste buchen bereits Reisen im Sommer, auch weil sie wissen, dass wir kulant sind, sollten die Reisen coronabedingt nicht durchgeführt werden können. Das grössere Problem für uns ist, dass wir selber etwas im Dunkeln tappen, was die Reisebestimmungen betrifft. Die einen Länder verlangen eine Impfung für die Einreise, andere einen negativen Test und bei dritten müssen die Reisenden online angemeldet werden vor der Einreise. Für uns ist das ein ziemlicher Wirrwarr, der zudem noch durch die ständigen Änderungen und Anpassungen der Bestimmungen verstärkt wird. Wir können unsere Kundinnen und Kunden diesbezüglich nur zur momentanen Situation beraten bei der Buchung.

Gelitten unter dem neuerlichen Shutdown haben auch unsere Fahrer, die ja arbeiten wollen und nicht nur herumsitzen. Deshalb haben die ersten Lockerungsschritte wieder etwas Optimismus zurückgebracht. Auch wenn wir von diesen Lockerungen noch nicht wirklich profitieren, sind sie doch ein Zeichen, dass es jetzt wieder aufwärts gehen sollte. Wir sind deshalb auch optimistisch, dass sich auf lange Frist die Reisebranche wieder erholen wird.»