Seit einem Jahr dominiert Corona unser Leben. Was das Virus für ihre Unternehmen bedeutet, erzählen drei Unternehmer.

So erleben Bündner Unternehmer die Coronapandemie

Das vergangene Jahr war für viele Bündner Unternehmen ein wilder Ritt. Rosige Aussichten wurden durch die Coronapandemie jäh gestoppt, einige Betriebe mussten im Shutdown schliessen, anderen brachen die Aufträge ein und wieder andere wurden durch die Krise kaum beeinträchtigt. «GRimpuls» hat mit drei Bündner Unternehmern aus verschiedenen Branchen gesprochen. Sie blicken im ersten Teil dieser Serie zurück und wagen einen Ausblick auf 2021. «GRimpuls» wird die drei Unternehmer während diesem Jahr regelmässig begleiten.

Von Redaktion GRimpuls Mo, 25.01.2021

Andri Franziscus, Guarda Lodge, Guarda

Andri Franziscus...

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...führt gemeinsam mit seinem Partner Thomas Werren seit fünf Jahren die «Guarda Lodge» in Guarda. Das Bed-and-Breakfast-Hotel hat sieben Zimmer, dazu gehören auch zwei Ferienwohnungen in der Chasa Tablà. Seit diesem Frühling betreiben Franziscus und Werren auch das Dorfrestaurant «Crusch Alba» als Pop-up-Restaurant für ein Jahr. Nach der Schliessung der Restaurants allerdings nur noch für die Gäste ihres Hotels.

Andri Franziscus, Gastgeber «Guarda Lodge» in Guarda. (Bild Archiv SO)

«Das vergangene Jahr war geprägt von Auf und Abs, aber es war irgendwie auch eine spannende Herausforderung. Wir hatten einen sehr guten Start ins 2020, wurden dann durch den Shutdown aber jäh gebremst und hatten zugegebenermassen auch hin und wieder Existenzängste. Zwei Monate später wurden wir fast überrannt mit Buchungen und hatten die beste Sommersaison seit es die «Guarda Lodge» gibt. Auch die Wintersaison ist bis jetzt nicht ganz so schlecht gelaufen wie befürchtet, aber wir merken die Einschränkungen, die uns auferlegt sind, natürlich schon.

Dies vor allem auch im Restaurant «Crusch Alba», das wir für ein Jahr als Pop-up-Restaurant betreiben wollten, bis neue Pächter das Dorfrestaurant übernehmen. Dafür hatten wir für die Wintersaison vier Konzepte erarbeitet, keines konnten wir letztlich umsetzen. Bewirten dürfen wir im Restaurant im Moment nur Hotelgäste der «Guarda Lodge». Schade ist diese Einschränkung des Betriebs vor allem auch für jene Personen aus dem Dorf, die bei diesem Projekt mitgearbeitet haben und deren Verdienst nun ausfällt.

Mit dem erneuten Shutdown, den der Bundesrat jetzt verfügt hat, leidet unsere Moral schon ein wenig. Grundsätzlich finde ich es spannend, solche Situationen zu meistern und damit umzugehen, aber jetzt hängt es schon an. Wir merken die neuerlichen Einschränkungen vor allem beim Buchungsaufkommen, das im Moment fast stillsteht. Unsere Erfahrung im letzten Shutdown zeigt uns aber, dass es nach jeder Verschärfung der Massnahmen jeweils etwa zehn Tage dauert, bis die Menschen verarbeitet haben, was das jetzt konkret für sie bedeutet. Danach steigen die Buchungen wieder an und in Gesprächen zeigt sich, dass unsere Gäste sehr zufrieden sind, wenn sie ein paar Tage dem Alltag entfliehen können. Ich bleibe deshalb ein Optimist und halte mich nicht mit Dingen auf, die ich nicht ändern kann.»

Andrea Vecellio, Vecellio Costruzioni AG, Poschiavo

Die Vecellio Costruzioni...

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...wird 1957 als Einzelfirma von Dante Vecellio in Le Prese gegründet und ist damals hauptsächlich im Hochbau tätig. Ab 1966 gehört auch der Tiefbau zur Unternehmenstätigkeit und im Jahre 1972 wird noch die Schreinerei, Sägerei und Zimmerei dazugekauft. Im Jahre 1978 infolge des Todes von Dante Vecellio übernimmt Andrea Vecellio die Führung der Betriebe.1983 wird die Kollektivgesellschaft Fratelli Vecellio gegründet. Im Jahre 1987 kommt der Bruder Giovanni in die Firma und übernimmt die Sparte Schreinerei und Zimmerei. 2001 wird diese in zwei Unternehmen gespalten und Andrea Vecellio gründet die Vecellio Costruzioni und wandelt sie 2015 in eine Aktiengesellschaft um. Mit Manuele Vecellio tritt 2016 die dritte Generation ins Unternehmen ein. Heute beschäftigt Vecellio Costruzioni AG 25 Mitarbeiter und ist sowohl im Tief- als auch im Hochbau tätig.

Andrea Vecellio, Inhaber der Vecellio Costruzioni AG in Poschiavo. (Bild zVg)

«Auf der persönlichen Ebene bin ich der Coronapandemie immer mit Zuversicht begegnet. Wir haben in der Schweiz eines der besten Gesundheitssysteme und ich habe grosses Vertrauen in unsere Institutionen. Als Grenzregion zu Italien haben wir aber im vergangenen Frühling mit Sorge auf unser Nachbarland geschaut. 60 bis 65 Prozent unserer Angestellten sind Grenzgänger aus Italien. Wir haben uns deshalb schon davor gefürchtet, dass die Grenze komplett geschlossen wird und unsere Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit kommen können. Hier hatten wir aber starke Unterstützung vom Baumeisterverband und vom Gewerbeverband, die sich dafür eingesetzt hatten, dass die Grenze offen bleibt. Letztlich konnten unsere Angestellten aus Italien die Grenze immer ohne Probleme passieren.

Geschäftlich waren und sind wir nicht so stark von der Pandemie betroffen. Ein Auftraggeber hat zwar im vergangenen Frühling kurzfristig einen grossen Auftrag verschoben wegen Corona, den werden wir jetzt aber im kommenden Frühling durchführen können. Bis jetzt ist die Baubranche zum Glück weniger von den Auswirkungen betroffen wie andere Branchen. Langfristig rechnen wir aber trotzdem mit einer Verlangsamung des Geschäfts, denn wenn andere Branchen leiden und Investitionen zurückstellen, trifft es irgendwann die Baubranche.

Auch der letzte Entscheid des Bundesrats für einen erneuten Shutdown trifft uns nicht direkt. Wir setzen natürlich alle vorgeschriebenen Schutzmassnahmen strikt um, können sonst aber ohne Einschränkungen weiter arbeiten. Wie sich das Jahr 2021 geschäftlich entwickeln wird, ist für mich noch nicht ganz klar. Man muss einfach realistisch sein, deshalb bin ich vorsichtig optimistisch.»

Claudio Frick, Mit-Inhaber Reisebüro W. Roth, Chur

Seit über 60 Jahren...

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...existiert das Reisebüro Roth in Chur. Seit 2013 wird das Unternehmen in vierter Generation von Roman Deflorin und Claudio Frick geführt. Das Carreiseunternehmen ist spezialisiert auf Carreisen, Tagesfahrten, Musik- und Ferienreisen, Vereinsfahrten, Firmenanlässe, Hochzeitsfahrten und Events. Das Unternehmen betreibt sechs Reisecars und zwei Kleinbusse und beschäftigt sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Claudio Frick, Mit-Inhaber des Reisebüros W. Roth in Chur. (Bild Archiv SO)

«Unser Unternehmen ist von der Coronapandemie stark betroffen. Man muss sich vorstellen, dass wir in der Reisebranche bereits im September und Oktober 2019 unsere Reisen für die Saison 2020 geplant und ausgeschrieben hatten. Dazu gehört unter anderem auch die Hotelbuchungen an den Destinationen. Diese Vorleistungen verrechnen wir vorerst nicht und erst mit der Durchführung der Carfahrt werden diese rückwirkend bezahlt. Mit der Absage der Reisen wegen Corona konnten wir diese Vorleistungen dann nicht mehr verrechnen und blieben auf den Kosten sitzen.

Der Start verlief sehr positiv und 2020 versprach ein erfolgreiches Jahr zu werden. Mitte März, mit dem vom Bundesrat verordneten Shutdown, ist dann das ganze Geschäft zusammengebrochen. Im Sommer hat es sich zwar etwas erholt, aber unsere traditionell stärksten Monate Juni und September waren nicht zu vergleichen mit den Vorjahren. Insgesamt müssen wir Umsatzeinbussen von 65 Prozent hinnehmen, also zwei Drittel unserer normalen Einnahmen sind weggebrochen.

Kosten konnten wir im Unternehmen etwas reduzieren, indem wir die Kontrollschilder beim Strassenverkehrsamt deponiert haben. Damit mussten wir für unsere Fahrzeuge keine Strassensteuer mehr bezahlen und auch die Versicherungsprämien reduzierten sich. Und unsere Angestellten schickten wir teilweise in Kurzarbeit. Wäre das nicht möglich gewesen, hätten wir wohl Mitarbeiter entlassen müssen. Die ersten Wochen haben wir den Shutdown noch genossen, konnten Sport treiben, aber mit der Zeit wurde es uns langweilig. Gemeinsam mit Chur Bus haben wir anschliessend eine Lösung gefunden, als Busfahrer aushelfen zu dürfen. Aufgrund von Langzeiterkrankungen und Abgängen war man bei Chur Bus um temporäre Verstärkung froh – mittlerweile läuft die Zusammenarbeit auch nach acht Monaten noch und überdies steuern zwei unserer Mitarbeitenden Postautos durch den Kanton Graubünden.

Wir finden es richtig, dass vieles jetzt noch einmal geschlossen wird, um die Ansteckungszahlen zu drücken. Uns tangiert es insofern nicht, weil ohnehin alle Reisen abgesagt sind, so kehrt die Normalität hoffentlich schneller zurück. Für die Zukunft bin ich recht optimistisch. Wir werden sicher kein so erfolgreiches Jahr haben wie 2019, denke aber, dass die Nachfrage nach Reisen wieder steigen wird, sobald sich die Lage verbessert.»