Rund 180 Interessierte informierten sich am GRimpuls-Anlass zum Thema.

Nachhaltig wirtschaften – wie geht das?

Ein Anlass von GRimpuls, organisiert von den Bündner Wirtschaftsverbänden, ging der Frage nach, wie denn nachhaltiges Wirtschaften funktioniere. Verschiedene Redner und Rednerinnen suchten anlässlich des Events der Bündner Wirtschaft nach Antworten auf diese Frage. Vorgestellt wurden diverse innovative Produkte.

Von Cornelius Raeber Mo, 05.09.2022

Der Begriff Nachhaltigkeit sei omnipräsent, bemerkte Melanie Salis, die Moderatorin des GRimpuls-Anlasses der Bündner Wirtschaft am letzten Donnerstag im B12 in Chur. Und auch Romano Seglias, der Präsident der Handelskammer und Arbeitgeberverband Graubünden, befand:  «Der Begriff ist allgegenwärtig». Bezugnehmend zum Motto des Abends «Nachhaltige Wirtschaft – aber wie?» sprach er von neuen Herausforderungen, welche auf die Unternehmen zukommen würden, wies hingegen auch auf die Chancen hin, welche nachhaltiges Wirtschaften für die Positionierung der Marke Graubünden eröffnen würden.

Seglias beschwor die Unternehmer, die Opportunitäten zu nutzen, was hiesse, neben ökologischen auch ökonomische Aspekte zu berücksichtigen und diese in einen sozialen Kontext zu stellen. Dass nachhaltiges Wirtschaften im Dreieck Natur, Wirtschaft und Soziales geschehen müsse, war auch in anderen Referaten ein Thema.

Weiter ging Seglias auf die Rolle der öffentlichen Hand ein und meinte: «Der Staat soll sich auf die Rahmenbedingungen beschränken und das nachhaltige Wirtschaften über Anreize steuern, so zum Beispiel beim Vorantreiben der zweiten Etappe des Green Deal». Des Weiteren setzte er hinsichtlich der aktuellen Energie-Mangellage einige Hoffnung auf den Kantonalen Führungstab «Sicherheit Energieversorgung», der Einfluss nehmen und Massnahmen koordinieren könne.

Innovation als Schlüssel für nachhaltige Zukunft

Regierungspräsident Marcus Caduff überbrachte die Grussworte der Regierung und stellte fest, es gebe keine klare Definition von nachhaltigem Wirtschaften und sprach vielmehr von der Zukunftsfähigkeit des Kantons als Arbeits-, Lebens- und Bildungskanton, von Verantwortung, von dauerhafter Sicherung von Existenzen und davon, ein Gleichgewicht herzustellen. «Man soll nicht mehr Bäume schlagen als neue nachwachsen», so die Quintessenz seiner Ausführungen.

Caduff stellte aber auch fest, dass im erwähnten Dreieck Natur, Wirtschaft und Soziales gewisse Zielkonflikte bestünden. Zur Rolle des Staates erwähnte er dessen verfassungsmässige Pflicht, einen Ausgleich zwischen Schutz und Nutzen herzustellen, zudem äusserte er den Willen der Regierung, die Akteure im Kanton zu stärken. Insgesamt zeichnete der Regierungsrat ein positives Bild der Bündner Wirtschaft  und betonte: «Innovation ist der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft».

Die Referentin und die Referenten des GRimpuls-Anlasses boten spannende Einblicke und Best-Practice-Beispiele für nachhaltiges wirtschaften. (Bild zVg)

Dank neuen Technologien den Fussabdruck reduzieren

Welche Bedeutung der Innovation respektive der Technologie zukommt, erörterte Harry Heinzelmann, der CTO der CSEM SA (Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique) in Landquart. «Wir denken eine nachhaltige Zukunft und entwickeln innovative Lösungen», so Heinzelmann. Dabei stellte er einige Forschungsschwerpunkte des CSEM vor und sprach von den Möglichkeiten der Sensortechnik, vom Potenzial der digitalen Technologie und des Internet der Dinge (IoT).

«Die Technologie wird immer besser, wir müssen nur den Mut haben, sie einzusetzen», bekräftige der technische Direktor des CSEM und nannte weiter Stichworte wie Kreislaufwirtschaft, schadstoffarme Prozesse, Recycling, Sharing Economy, Verlängerung der Lebensdauer von Produkten oder Photovoltaik für mobile Lösungen. Die Losung hiesse, sein Verhalten zu ändern und den Fussabdruck zu reduzieren.

Energieziele definieren – und sie erreichen

Davon, das eigene Verhalten zu ändern, sprach auch Rochus Burtscher, Geschäftsleitungsmitglied der Energie Agentur der Wirtschaft EnAW in Zürich. «Viele Massnahmen kosten nichts», sagte er und zeigte dabei auf, wie Unternehmen in Zusammenarbeit mit der EnAW anhand von Zielvereinbarungen und diversen Schritten ihre Energieeffizienz steigern und CO2 reduzieren können. «Im Kanton Graubünden arbeiten bereits 346 Unternehmen mit unserer Agentur zusammen», zog Burtscher Zwischenbilanz und sieht auch für andere Betriebe gute Gründe die Dienstleistungen der EnAW in Anspruch zu nehmen.

Sechs Musterbeispiele

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Nach den Einführungsreferaten hatten sechs Unternehmen die Chance, ihre Bestrebungen respektive ihre Produkte für nachhaltiges Wirtschaften vorzustellen. Ein grosses Thema war dabei die Kreislaufwirtschaft.

So sprachen sowohl Urs Janssen von der Ems Chemie als auch Dario Grünenfelder von der Muntagnard AG von verbesserten Produktionsprozessen, um Energieziele zu erreichen – respektive davon, Kleidung über reparieren, recyceln und neue Materialien kreislauffähig zu machen. 

Andreas Zindel von der Zindel United präsentierte einen nachhaltigen Beton, der verkohlte Naturmaterialien enthält und CO2-neutral ist.

Wie bereits genutzte Flächen, z.B. Parkplätze oder Kläranlagen, wirtschaftlich besser genutzt werden können und dank eines Solarfaltdaches zu Kraftwerken werden, zeigte Peter Kasper von der DHP Technology AG auf. Interessante und innovative Lösungen im Bereich High Performing Computing stellte Benoit Strölin vom IT-Dienstleister K51 vor.

Auf den Punkt brachte es Martin Reisinger, Geschäftsführer der Elis (Suisse) AG. Als Mitglied der EnAW hätten sie diverse nachhaltige Lösungen für das Unternehmen gefunden – und ergänzte etwas Entscheidendes: «Für uns ist die Nachhaltigkeit ein Selbstverständnis und wir wollen Mitarbeitende, die Nachhaltigkeit auch leben».

Die Gesellschaft als Gamechanger

Ebenfalls von Ansprüchen sprach Martina Müller-Kamp, Geschäftsleitungsmitglied der GKB. «Es sind die Kunden, die Gesellschaft und auch die Regulatoren, welche als Gamechanger fungierten und die GKB veranlasst haben, sich des Themas Nachhaltiges Wirtschaften vertieft anzunehmen», sagte Müller-Kamp. Neben internen Bestrebungen habe man den Fokus vor allem auf die ganze Kette der Bankaktivitäten gelegt und dabei vom Risk-Management bis zum Anlage- und Kreditgeschäft die entsprechenden Schlüsse gezogen. In der Folge könnten die Kunden dank Dienstleistungsprodukten, u.a. im Rahmen des «Green Deal», von Mehrwerten profitieren. «Wir wollen den Kunden helfen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.»

Grosses Interesse

Organisiert wurde der GRimpuls-Anlass «Nachhaltige Wirtschaft – aber wie?» durch die Wirtschaftsverbände Handelskammer und Arbeitgeberverband Graubünden, Bündner Gewerbeverband und HotellerieSuisse Graubünden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnerfirmen und Organisationen. Rund 180 Gäste besuchten den Anlass. Abgeschlossen wurde er mit einem Apéro riche.