Der kantonale Führungsstab ist offen für erweiterte Teststrategien.

Mehr und gezielter testen

Mit flächendeckenden Tests die Coronapandemie bekämpfen und Shutdowns verhindern, um den Bündner Wintersportgebieten eine möglichst störungsfreie Wintersaison zu ermöglichen. Diesen Lösungsvorschlag hat die Denkwerkstatt Wirtschaftsforum Graubünden am Mittwoch präsentiert. Was sagt Martin Bühler, Leiter des kantonalen Führungsstabs, zu dieser Idee? «GRimpuls» hat nachgefragt.

Von René Mehrmann Fr, 18.12.2020

Grundsätzlich begrüsse er jeden Vorschlag, der zur Bekämpfung der Coronapandemie nützlich sei, betont Bühler gegenüber «GRimpuls». Auch dem Lösungsvorschlag des Wirtschaftsforums Graubünden für erweiterte Tests, um so den Tourismusgebieten die Wintersaison zu ermöglichen, stehe er wohlwollend gegenüber. Gewisse Vorbehalte habe er aber schon, so Bühler. Er habe diese auch gegenüber dem Studienautor Peder Plaz geäussert.

Wie die Massentests in Südbünden zwischen dem 11. und 13. Dezember gezeigt hätten, bekomme man damit zwar einen ziemlich guten und genauen Überblick über die derzeitige Situation. «Um aber die Pandemiesituation laufend beurteilen zu können, sind gezielte Nachtests und vor allem wiederholte Tests nötig», erklärt Bühler. «Ein wirklich gutes Bild über den Verlauf der Pandemie bekommen wir nur, wenn wir viel und mehr testen.»

Martin Bühler, Chef des kantonalen Führungsstabs Graubünden. (Bild Archiv SO)

 

Erkenntnisse über Massentest

Die Massentests über das vergangene Wochenende in den Regionen Bernina, Maloja, Engiadina Bassa und Val Müstair hätten den Verantwortlichen gute Erkenntnisse gebracht. Man habe 15'150 Menschen für die Tests mobilisieren können und 150 Infektionsketten entdecken und unterbrechen können.

Mit den im Moment laufenden Nachtests in der Region Bernina und in der Gemeinde Samedan erhoffe man sich weitere Erkenntnisse zu den Übertragungsketten und die Unterbrechung von Infektionsketten, so Bühler. Über die kommenden Festtage wolle man aber nicht testen, so Bühler weiter. Das habe er auch gegenüber dem Wirtschaftsforum Graubünden gesagt. Einerseits sei die Vorbereitungszeit, um solche flächendeckenden Tests in einem Tourismusort wie etwa Vals durchzuführen, sehr knapp. Andererseits glaube er nicht, dass sich eine Familie, die die Festtage in Graubünden verbringen wolle, bei der Anreise testen lasse, um sich bei einem positiven Bescheid dann in Quarantäne begeben zu müssen.

«Gezielte Tests bringen etwas»

Bühler ist aber überzeugt, dass die vom Wirtschaftsforum Graubünden vorgeschlagene erweiterte Teststrategie durchaus ein hilfreicher Weg in der Bekämpfung der Pandemie sein kann. «Gezielte Tests bringen auf jeden Fall etwas», sagt Bühler, «wir müssten aber früher und wiederholt testen und das nicht nur auf regionaler oder kantonaler Ebene sondern schweizweit.» Damit liessen sich zwar Shutdowns nicht verhindern, aber sicher vermindern. Und Shutdowns könnten gezielter in Regionen mit hohen Fallzahlen eingeführt und müssten nicht flächendeckend verordnet werden.

Das wiederum, so Bühler, schütze insbesondere das Gesundheitswesen vor Überlastung, mindere die Todesrate, helfe der Wirtschaft – im Falle von Graubünden etwa dem Tourismus – und senke die Kosten für die Bekämpfung der Pandemie.

 

Wintersaison muss stattfinden

Infobox

Die Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden unterstützen den von der Bündner Regierung eingeschlagenen Weg, damit die Wintersaison im Kanton stattfinden kann. Das schreiben die Dachorganisationen, die Mitherausgeber der Wirtschaftsplattform «GRimpuls» sind, in einer Medienmitteilung und einem offenen Brief an den Bundesrat.

Entscheide des Bundes, welche regionale Gegebenheiten ausser Acht lassen, lehnen die Bündner Wirtschaftsverbände ab. Statt politischer Aktivismus sei weiterhin ein evidenzbasierten und verhältnismässiger Umgang mit dem Coronavirus ins Zentrum zu stellen, heisst es in der Mitteilung weiter. Neben einer raschen und unkomplizierten finanziellen Unterstützung müssten auch Alternativen im Umgang mit der Pandemie gesucht werden. Anstrengungen, die darauf hinzielen würden, neue Lösungswege im präventiven Bereich zu beschreiten, wie etwa erweiterte Teststrategien, seien zu intensivieren.

Denn für eine wachsende Anzahl an Unternehmen im Kanton sei das Krisenmanagement des Bundesrats nicht mehr überzeugend und glaubwürdig. Es sei für diese Unternehmen unverständlich, warum die wirksamen präventiven Schutzkonzepte nicht mehr im Vordergrund der Coronastrategie stehen würden, halten die Wirtschaftsverbände fest. Der Bund sei angehalten, jetzt nichts zu überstürzen. Die andauernden Verschärfungen würden verunsichern und seien kontraproduktiv. Der Bund müsse den Mut haben, die neuen bisherigen Massnahmen wirken zu lassen und auf die Erarbeitung von Alternativlösungen zu setzen. (rem)