Späne aus der Denkwerkstatt

Mehr Aus- als Eintritte in den Arbeitsmarkt – Fachkräftemangel spitzt sich zu

Der Fachkräftemangel im Kanton Graubünden wird sich voraussichtlich noch einmal verschärfen. Ein Grund dafür ist auch der demografische Wandel.

Von Wirtschaftsforum Graubünden Fr, 03.12.2021

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde, über alle Branchen hinweg, und dies nicht nur in Graubünden, sondern in der ganzen Schweiz. Derzeit wird debattiert, was die Gründe für die akute Verschärfung der Personalknappheit sein mögen und ob ein Corona-Effekt mitspiele.

Einer der Gründe dürfte schlichtweg auch die demografische Veränderung sein. Denn seit langem ist bekannt, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, bei welchem mehr Arbeitnehmende den Arbeitsmarkt pensionsbedingt verlassen, als junge Arbeitnehmende in den Markt eintreten. Ab diesem Zeitpunkt würde das Arbeitskräftepotenzial schlichtweg schrumpfen.

Das Wirtschaftsforum Graubünden hat diesen Effekt analysiert, indem die 20jährigen den 65jährigen Personen gegenübergestellt wurden. Damit entsteht ein guter Indikator für die demografische Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Indikatoren für Nettoeintritte/-austritte aus dem Arbeitsmarkt

 

Der Indikator für die Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials zeigt deutlich, dass es aktuell mehr Austritte aus als Eintritte in den Arbeitsmarkt gibt. In Graubünden kam der für die Volkswirtschaft einschneidende Wendepunkt einer Nettoschrumpfung des Arbeitskräftepotenzials bereits im Jahr 2013, im gesamtschweizerischen Durchschnitt wurde er im Jahr 2020 erreicht.

Das Fehlen von Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt ist nicht nur im Kanton Graubünden zu beobachten, doch der Tourismuskanton ist besonders stark davon betroffen. Und auch der Blick in die Zukunft lässt wenig Grund zum Optimismus, sinkt doch das Verhältnis von Eintretenden und Austretenden in Graubünden besonders stark und rasch.

Schlechte Aussichten

Die Folgen dieser Entwicklung wird der Kanton Graubünden zukünftig noch stärker spüren, als heute schon. Denn im Kampf um die besten Talente gewinnen diejenigen Unternehmen, welche die besten Arbeitsbedingungen anbieten können. Einen gewichtigen Teil dieser Arbeitsbedingungen bildet letztlich auch die Entlohnung. Und gerade da wird es für die Bündner Wirtschaft im Wettbewerb mit dem Metropolitanraum Zürich eng, weil viele Unternehmen in Branchen tätig sind, die mit unterdurchschnittlicher Produktivität zu kämpfen haben.

Herausforderung annehmen

Der Kanton Graubünden, die Gemeinden und die Unternehmen sind nun gefordert, diesen arbeitsmarktlichen Herausforderungen vorausschauend zu begegnen. Da kommen die mit der Covid19-Krise einhergehenden Trends der flexibleren Arbeitsmodelle sowie der sogenannten Stadtflucht gerade recht. Graubünden tut gut daran, diese zu nutzen, um sich vermehrt als attraktiver Arbeits- und Wohnort zu positionieren.