Die Zindel United erfindet sich neu

Mehr als ein Bauunternehmen

Eine jahrhundertealte Tradition und Innovation müssen sich nicht ausschliessen. Wie das geht, zeigt das Familienunternehmen Zindel United, dass eben mehr als ein Bauunternehmen ist. Wie gelingt es Andi Zindel-Schnell und seinem Sohn Andreas Zindel innovativ zu sein? Eine Spurensuche.

Von René Mehrmann Do, 27.06.2019

Innovation sei in seinem Unternehmen immer ein grosses Thema, sagt Andi Zindel-Schnell, Unternehmensleiter der Zindel United in Maienfeld. Mit einer Geschichte von über 200 Jahren und der siebten und achten Generation am Ruder sei dieses Thema eminent wichtig, um das Unternehmen voranzutreiben. «Es heisst immer, Traditionen seien wichtig», so Zindel-Schnell weiter, «das sei zwar richtig, aber verleite auch dazu, sich auf Altbewährtem auszuruhen.»

Zindel-Schnell empfängt «GRimpuls» zusammen mit seinem Sohn und Co-Unternehmensleiter Andreas Zindel im modernen Firmensitz im Industriegebiet von Maienfeld. Mit seiner offenen Architektur verkörpert das Gebäude auch die Denkweise des Patrons – offen sein für Neues und Teamwork in einem kreativen Umfeld.

Jeder kann Ideen einbringen

Voraussetzung, dass ein Unternehmen innovativ sein könne, sei eine entsprechende Unternehmenskultur, sagt Zindel, und sein Vater habe eine solche Kultur schon vor 30 Jahren eingeführt und gefördert. «Eine Innovationskultur muss verankert sein im Unternehmen und lebt durch die Mitarbeiter», so Zindel weiter, «ausserdem muss die Unternehmensleitung das vorleben und fördern.» Es gebe genügend Tools für Firmen, die den Innovationsprozess unterstützen sollen, die würden aber alle nichts nützen, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht diesbezüglich gefördert würden, ist Zindel überzeugt.

Gebäude Zindel United in Maienfeld Innenansicht Gebäude Zindel United in Maienfeld

 

Um Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, aktiv einen Innovationsprozess anzuschieben, hat Zindel United im Intranet eine Plattform geschaffen, auf der jeder seine Ideen einbringen kann. Von Vorschlägen für die Vereinfachung von Arbeitsabläufen bis zu Produktideen ist alles möglich. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind in Bezug auf ihre Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Diese Ideen werden danach von einer Projektgruppe auf Umsetzbarkeit geprüft. Dieses Team arbeite losgelöst vom täglichen Geschäft. Der Grund: «Im operativen Alltag besteht die Gefahr, dass man zu wenig Zeit hat, ein Projekt auf den Boden zu bringen und zu realisieren», erklärt Zindel.

Früh erkanntes Potenzial

Ein Beispiel für eine innovative Idee, die aus dieser Kultur entstanden ist, ist das Recycling von Baustoffen. Schon Anfang der Neunzigerjahre erkannte Zindel-Schnell das Potenzial in diesem Bereich, weil Rohstoffe gerade auch in Graubünden beschränkt vorhanden sind. Er sei überzeugt gewesen, dass es falsch sei, wertvolle Baustoffe einfach auf Deponien zu lagern, so Zindel-Schnell weiter, deshalb habe man angefangen, solche Stoffe wieder zu verwerten.

Das hat Zindel United Umweltpreise eingebracht und seit 1998 ist das Unternehmen umweltzertifiziert. Heute gehört das Tochterunternehmen Tabrec Recycling AG in Landquart zu einer der führenden Unternehmungen für das Recycling von Baustoffen weit über die Kantonsgrenzen hinaus. 

Wichtig ist Zindel-Schnell die Erkenntnis, dass es nicht immer die grossen Würfe sein müssen, um innovativ zu sein. Als Beispiel nennt er eine Idee eines Mitarbeiters, mit der der Wasserverbrauch in einem Bereich gesenkt werden konnte. Diese Idee sei schliesslich beim jährlichen Weihnachtsfest von Zindel United von den Mitarbeitern als die Beste des Jahres gewählt und prämiert worden.

Das zeige, dass Innovationen nicht immer die grossen Würfe sein müssen, ist Zindel-Schnell überzeugt. «Innovation kann eine kleine Idee sein, die umgesetzt wird und dies wiederum motiviert die Mitarbeiter dazu, kreativ zu sein.»

Vom Grünabfall zur Pflanzenkohle

Ist innovatives Denken einmal in der DNA eines Betriebs verankert, folgen auch die grossen Innovationen. Zindel-Schnell erwähnt als Beispiel das neueste Projekt des Unternehmens, die Herstellung von Pflanzenkohle. Federführend dabei ist die Tochterfirma Inega Smart Systems AG. Pflanzenkohle wird aus Grünabfällen aus Garten, Feld, Wald und Wiese gewonnen und soll in Zukunft die wesentlich teurere Aktivkohle ersetzen.

Eine wissenschaftliche Untersuchung, welche die Inega zusammen mit der Hochschule für Technik in Rapperswil und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil durchführte, zeigte, dass es möglich ist, hochwertige Pflanzenkohle herzustellen und in diversen Bereichen einzusetzen.

Im nächsten Schritt plant die Inega nun Produktionsstätten in der Südostschweiz. Eingesetzt werden kann Pflanzenkohle etwa als Futtermittel und als feuchtigkeitsregulierender Baustoff. Ausserdem ist sie als Bodenveredler in der Landwirtschaft, in Baumschulen und vielem mehr geeignet – und bindet zudem dauernd Kohlendioxid und trägt somit zur Verminderung des CO2-Ausstosses bei.

Zindel United in Zahlen

  • Gegründet zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Maurermeister Johann Ulrich Zindel
  • 1948 Bau des Hauptkieswerks Tardis bei Landquart
  • Übernahme diverser Kies- und Betonwerke in der Fünfziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts
  • Die Neunzigerjahre und das Jahrzehnt nach 2000 waren geprägt von einer starken Expansion, primär durch Firmenübernahmen und Neugründungen

Neugründungen der letzten Jahre:

  • 1990 TABREC Recycling AG Landquart
  • 1999 Brandis TSC AG Totalunternehmung (Beteiligung)
  • 2007 Speztec AG Schadstoffsanierung
  • 2010 Göldi AG Jenins
  • 2011 Brandis Investment AG Maienfeld
  • 2017 INEGA AG
  • 2017 INVIAS AG
  • 2018 InnoQube Swiss AG (Beteiligung)

Übernahmen:

  • 1933 Laeri Bau Maienfeld
  • 1994 Fritz Tut AG Bad Ragaz
  • 2008 Ribbert AG Grundbautechnik Mels
  • 2013 Giger UWA AG Walenstadt