Baumeisterverband sieht positiv in die Zukunft

«Konsolidierung auf gutem Niveau»

Die am Montag publizierte Prognose für die Bündner Bauwirtschaft für die Jahre 2020 bis 2024 rechnet mit einem geringen Anstieg der Bauausgaben in diesem Zeitraum. Wir haben bei Andreas Felix, Geschäftsführer des Graubündnerischen Baumeisterverbandes, nachgefragt wie der Verband die Zahlen interpretiert.

Von René Mehrmann Fr, 29.11.2019

Die Prognosen für die Bündner Bauwirtschaft, die BAK Economics im Auftrag des GBV erstellt hat, zeigen ein sehr verhaltenes Bild der Bautätigkeit in den kommenden vier Jahren in Graubünden. Wie beurteilen Sie diese Zahlen?

Andreas Felix: Die aktuelle Baunachfrage in Graubünden ist insgesamt gut. Vor diesem Hintergrund ist die Gesamtprognose für die nächsten fünf Jahre von +0.4 Prozent eine positive Perspektive und bedeutet eine Konsolidierung auf gutem Niveau.  

Auffallend ist die unterschiedliche Entwicklung der Bautätigkeit in den verschiedenen Regionen Graubündens. Regionen wie Landquart und Plessur boomen, andere wie Moesa und Maloja brechen richtiggehend ein. Was bedeutet das für die Bauunternehmen in Graubünden, speziell in diesen Regionen?

Die regionalen Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Kantons sind kein neues Phänomen und werden in der Studie des BAK bestätigt. Die Vorperiode 2015 bis 2019 war in den Regionen Moesa und Maloja durch Grossprojekte geprägt (Moesa: Umfahrung Roveredo, Maloja: Umfahrung Silvaplana und  Albulatunnel RhB). Den Unternehmen stehen primär unternehmerische Optionen zur Verfügung: Anpassung der Kapazitäten, Verlagerung der Angebotspallette in neue Geschäftsfelder oder die Erschliessung neuer Marktgebiete.  

Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative hatte starke Auswirkungen auf die Bündner Bauunternehmen. Leidet die Branche immer noch unter diesen Auswirkungen?

Der Wegfall des Zweitwohnungsbaus führte in den betroffenen Regionen damals tatsächlich zu einem Einbruch der Baunachfrage im Wohnungsbau. Die eigentliche Zäsur erfolgte im Jahr 2015. Die Unternehmen haben jedoch in der Zwischenzeit darauf reagiert und sich auf die neuen Gegebenheiten ausgerichtet. Diese Veränderungen sind am Markt als intensiver Wettbewerb ablesbar. 

Die Studie hat schwerpunktmässig auch die Auswirkungen der Energiestrategie 2050 und des revidierten Raumplanungsgesetzes untersucht. Bieten sich hier Chancen für die Bauunternehmen im Kanton?

Auf jeden Fall. Die Massnahmen zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 und des revidierten Raumplanungsgesetzes fördern die Erneuerung der Bausubstanz und die bauliche Verdichtung innerhalb der Siedlungsgebiete. Wo mit Sanierung und Erneuerung eine zeitgemässe Funktionalität der Bauten nicht erreichbar ist, wird der Ersatzneubau zur attraktiven Alternative. Das ist durchaus als Chance zu werten.      

Welche Strategien empfiehlt der BGV den Bündner Bauunternehmen angesichts der Resultate der Studie für die kommenden Jahre?

«Wir beobachten den Markt und das Branchenumfeld systematisch, um Trends und Veränderungen frühzeitig zu erkennen». Gestützt auf diese strategische Zielsetzung unterstützt der GBV seine Mitglieder mit der vorliegenden Prognosestudie in der Analyse des Marktumfeldes. Die Ableitung unternehmerischer Strategien jedoch obliegt den einzelnen Unternehmen. Es gehört nicht zu den Aufgaben des Verbandes, dazu Empfehlungen abzugeben.

Die vollständige Studie von BAK Economics kann beim Graubünderischen Baumeisterverband oder dem Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden bezogen werden.