Förderspektrum erweitert

Innovationen von KMU – nicht nur marktfähig, sondern am Markt

Innovationen schneller auf den internationalen Markt bringen - der Europäische Innovationsrat erweitert die Fördermöglichkeiten für KMU.

Von KMU-Zentrum Graubünden Mi, 15.05.2019

An guten Ideen fehlt es meistens nicht. Ansätze für Innovationen sind in jedem Unternehmen zu finden. Der Zugang zu Förderprogrammen, um die Idee in eine marktfähige Lösung umzusetzen, kann dagegen eine Hürde sein. Bei diesem Schritt können KMU jedoch auf etablierte Instrumente der Förderung zählen. Institutionen wie das KMU Zentrum Graubünden stehen mit Rat und Tat zur Seite. Beim Schritt vom marktfähigen Produkt auf den Markt entsteht jedoch oft eine Lücke. Erfolgsversprechende Initiativen drohen an dieser Schwelle zu Scheitern.

Auch Schweizer KMU profitieren

Die Europäische Union hat dies erkannt und deshalb das Förderspektrum des «Europäischen Innovationsrates» (EIC) erweitert. An der Informationstagung vom 25.04.2019 in Bern hat eine hochrangige Delegation der Europäischen Kommission das Förderspektrum des EIC vorgestellt. Insbesondere wurde auch aufgezeigt, wie Schweizer KMU davon profitieren können. Diese Erweiterung erfolgt notabene im Rahmen des aktuellen Rahmenprogrammes für Forschung und Innovation «Horizon 2020», das von 2014-2020 läuft. Der EIC soll im nächsten Rahmenprogramm «Horizon Europe» von 2021-2027 weiterhin gezielt Innovationen unterstützen. Dieses Nachfolgeprogramm ist das bisher grösste und ehrgeizigste Rahmenprogramm zur Förderung der Innovation in Europa. Es wird voraussichtlich über ein Budget von 94,1 Milliarden Euro verfügen.

Bündner Unternehmen und Institutionen haben bereits Erfahrung mit Horizon 2020 und erfolgreich Projekte umgesetzt. Aus Bündner Sicht ein besonders attraktives und vom EIC gefördertes Projekt ist das aktuelle Projekt Horizon der dhp technology AG in Zizers. Der EIC fördert den Europäischen Markteintritt von dhp technology mit dem Solarfaltdach für die Anwendung über Kläranlagen. 

Im Rahmen einer ausführlichen Marktstudie hat dhp technology zusammen mit der Beratungsfirma Evolution Europe die Bedürfnisse von Kläranlagen in Europa untersucht und das Anwendungspotenzial für das Solarfaltdach erhoben. Die Resultate einer ausführlichen, europaweiten Marktstudie zeigen eine grosse Nachfrage nach Technologien, die den Eigenversorgungsgrad von Kläranlagen erhöhen. Der Stromverbrauch dieser Industrie ist hoch und soll unter anderem über die Eigenproduktion von Energie teilweise kompensiert werden. Das Solarfaltdach von dhp technology ermöglicht die Doppelnutzung der offenen Klärbeckenflächen und damit eine Erhöhung der Eigenversorgung mit Solarstrom um durchschnittlich ca. 50%. 

Ein weiteres besonders vielversprechendes Projekt ist das von AO Foundation in Davos. Das Projekt heisst RAPIDOS und bringt eine innovative Lösung für die Wiederherstellung von Knochen. Es ist ebenfalls topaktuell. Das Projekt wurde im April 2019 abgeschlossen. Konkret wurde eine marktfähige Methode entwickelt, um individuell auf Patienten angepasste Lösungen zur Knochenwiederherstellung rasch und in höchster Qualität produzieren zu können. Das ist eine Lösung von der viele Menschen profitieren werden.

Ein 3D-Drucker der AO Foundation für die innovative Wiederherstellung von Knochen. (Bild zVg)

 

Zeitfenster besonders günstig

Nico Tschanz, Leiter KMU Zentrum Graubünden empfiehlt allen KMU mit Innovationskraft für neue Lösungen und Produkte mit internationalem Markt die Teilnahme am laufenden Programm Horizon 2020. «Innovationen von KMU müssen ohne unnötige Verzögerungen auf den Markt gelangen. Viele unserer KMU sind überaus wettbewerbsfähige Champions ihrer Branche.» Wollen Unternehmen auf den internationalen Märkten bestehen, sind Innovationen und Risikobereitschaft gefragt. Der EIC bietet Hand zur Bewältigung einiger Hürden und vereint die wichtigsten EU-Instrumente zur Innovationsförderung. «Wir vom KMU-Zentrum können ausserdem bei erfolgskritischen Themen der Innovation wie Internationalisierung und anderen betriebswirtschaftlichen Fragen unterstützen.» Das Zeitfenster ist gemäss Tschanz gerade jetzt im 2019 besonders günstig. «Das Europäische Parlament hat sich zwar auf einen Rechtsrahmen für das Folgeprogramm von 2021-2027 geeinigt. Es lohnt sich aber nicht, darauf zu warten, denn noch sind da für die Schweiz Unsicherheiten vorhanden.» Gemäss dem aktuellen Artikel von Economiesuisse und Prof. Dr. Rudolf Minsch hängt die künftige, uneingeschränkte Teilnahme am neuen Forschungsprogramm  noch von einer Einigung über das institutionelle Abkommen Schweiz–EU ab. 

«Packen wir die Chance besser wo sie sich bietet - und das ist jetzt», so Tschanz, «wir sind gerne erreichbar und beantworten Ihre Fragen.» Die Palette der EIC-Förderung reicht von der Unterstützung innovativer Technologieforschung über marktnahe Projektförderung bis hin zur Bereitstellung von Risikofinanzierungsinstrumenten. 

Dr. Nico Tschanz, Leiter des KMU Zentrums Graubünden (Bild zVg).