So soll Graubünden ein schnelles Datennetz erhalten

Höhere Wettbewerbsfähigkeit mit Anschlüssen an die Datenautobahnen

Im Kanton Graubünden sollen die Lücken in den Kommunikationsnetzen geschlossen werden. Für die Erhaltung und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sind leistungsfähige Ultrahochbreitband-Kommunikationsnetze sowie Dienstleistungsangebote der Provider zu Preisen wie in der städtischen Agglomeration erforderlich. Mit der Bereitstellung beträchtlicher Fördermittel und dem Start von Projekten in verschiedenen Regionen trägt der Kanton zum Anschluss der Bündner Wirtschaft an die globalen Datenautobahnen bei.

Von Martin Gredig | Mitglied Kantonalteam Ultrahochbreitband Graubünden Di, 19.11.2019

Vor Jahrzehnten erhöhten Eisenbahn, Automobil und Flugzeug die Mobilität von Menschen und Gütern gewaltig. In kurzer Zeit können heute grosse Distanzen zurückgelegt werden. Mit den Erfindungen und Entwicklungen von Telefon, Radio und Fernsehen gelang es, mit kaum spürbarem Zeitverzug Bild und Ton über grosse Distanzen zu übertragen.

Diese technischen Errungenschaften werden weiterentwickelt und immer grössere Datenvolumina transportiert und gespeichert. Wie früher die Strassen für immer mehr Fahrzeuge, sind heute Übertragungsmittel für immer mehr Daten erforderlich. Genauso wie das Strassen- oder Schienennetz gehören diese Einrichtungen – sogenannte Datenautobahnen – zur Basis-Infrastruktur einer modernen und erfolgreichen Wirtschaft. Sie sind Voraussetzung, um zwischen Auftraggebern und Lieferanten zu kommunizieren, um Maschinen zu steuern, um Maschinen über Distanz aufeinander abzustimmen, um elektronische Pläne gemeinsam zu entwickeln oder um auf 3D-Druckern Gegenstände zu produzieren, die am anderen Ende der Welt entwickelt werden.

Der Austausch von Daten über Datenautobahnen kann somit auch zu einer Reduktion der Distanzen führen, die Güter physisch zurücklegen müssen. Auch aus Nachhaltigkeits-Überlegungen macht es also Sinn, die dafür notwendige Infrastruktur zu bauen.

Noch gibt es Lücken

Mit Blick in die Zukunft steht schon Einiges: Es gibt aber auch in der Schweiz noch beträchtliche Lücken und Kapazitätsengpässe im Netz der Datenautobahnen, um den aktuellen und insbesondere künftigen Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden.

Was braucht es noch und wann ist es wirklich eine Datenautobahn? Die Leistungsfähigkeit eines Kommunikationsnetzes orientiert sich an der Durchsatzfähigkeit von Datenmengen und an deren Geschwindigkeit. Letztere wird in Mbit/s gemessen – also Millionen Informationseinheiten (Lichtimpulse) pro Sekunde.

Ab 100 Mbit/s spricht man heute von Ultrahochbreitband, das kann man als Datenautobahn bezeichnen. Es wird erwartet, dass schon in absehbarer Zeit 1 Gbit/s – also das Zehnfache - zum Standard wird. Die Leistungsfähigkeit von 1 Gbit/s ermöglicht die Übertragung von einer Milliarde Informationseinheiten pro Sekunde. Wichtig dabei: Solche Datenautobahnen funktionieren in beide Richtungen, das heisst Einspeisung und Ausspeisung oder englisch: Upload and Download. Die erforderliche Leistungsfähigkeit erfüllen in Graubünden noch lange nicht alle Anschlüsse an die Kommunikationsnetze. Die Lücken sollen geschlossen werden.

Der Grosse Rat wird aktiv

Vorstösse im Grossen Rat führten dazu, dass der Kanton unter Federführung des Amts für Wirtschaft und Tourismus (AWT) mit Einbezug der Regionalentwicklungen ein Projekt zur Erschliessung dieser Lücken in den Kommunikationsnetzen startete. Das Ziel ist nicht, dass der Kanton Graubünden für den Bau oder den Betrieb dieser Infrastrukturen verantwortlich zeichnet. Aber der Kanton kann Wettbewerbsimpulse auslösen, welche dazu führen können, dass Anschlüsse und Dienste zu gleichen Konditionen wie in städtischen Agglomerationen angeboten werden.

Er hat für solche Erschliessungen beträchtliche Fördermittel bereitgestellt und beteiligt sich bis zu 50 Prozent an deren Kosten. Eine Chance für die Wirtschaft, für Investoren und die Eigentümer solcher Kommunikationsnetze.

In einem ersten Schritt des Projektes stellen die interessierten Regionen im Kanton Graubünden fest, wer in ihrem Gebiet Zugang zu solchen Datenautobahnen braucht. Das können zum Beispiel Unternehmungen, Schulen, Verwaltungen oder touristische Einrichtungen sein. Ist dieser Bedarf erhoben, dann wird anhand der Aufnahme des bereits vorhandenen Kommunikationsnetzes ermittelt, welche Erschliessungen noch vorgenommen werden müssen. Zusammen mit den Angaben zur Finanzierung fliessen diese Informationen in ein sogenanntes regionales Erschliessungskonzept ein. Dieses bildet dann die Grundlage für die Beantragung kantonaler Fördermittel und zugleich die Basis für die Umsetzung.

Mit dem Vorhaben gestartet sind schon die Regionen Albula, Surselva und Viamala. Weitere Regionen sind an den Vorbereitungen dazu. Damit soll die Erschliessung aller wirtschaftlich relevanten Organisationen und Einrichtungen ermöglicht werden. Dabei sollen Dienstleistungsangebote der verschiedenen Provider zu Preisen wie in mittelländischen Agglomerationen möglich werden. Ein toller Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Bündner Wirtschaft.