Attraktiver Lebens- und Arbeitsraum

Graubünden ist nicht nur für Ferien gut

Graubünden hat touristisch sehr viel zu bieten – das ist hinlänglich bekannt. Still und leise mausert sich der Kanton aber auch zu einer attraktiven Wohn- und Arbeitsregion, die mit interessanten und zukunftsfähigen Jobs lockt. Sieben namhafte Industrie- und Technologieunternehmen gehen bei der Suche nach Fachkräften in die Offensive und machen mit «Enavant 4.0» auf ihr Potenzial aufmerksam.

Von Cornelius Raeber Fr, 15.11.2019

Die Kampagne «Enavant 4.0» ist einmalig. Sieben Industrie- und Technologiebetriebe machen gemeinsame Sache. Ziel der Aktion: Graubünden – und im speziellen das Bündner Rheintal – als attraktiven Lebens- und Arbeitsraum bekanntzumachen. «Noch ist Graubünden ausserhalb der Kantonsgrenzen bei vielen Menschen nicht auf dem Radar als Standort führender exportorientierter High-Tech-Industrieunternehmen mit weltweiten Vertriebs- und Absatzkanälen», sagt Gieri Spescha, Geschäftsführer der Marke graubünden, «dementsprechend schwierig ist es, die nötigen Fachkräfte zu rekrutieren, die es braucht, um erfolgreich auf einem globalen Markt zu bestehen.»

Dabei habe Graubünden sehr viel zu bieten, meint etwa Katja Bartholet-Zweifel, Bereichsleiterin Personal bei der Oblamatik, einem Industrie-Unternehmen in Chur, das wegweisende Systeme für Wassermanagement entwickelt und die Kampagne mitträgt. «Bezüglich Lohn können wir wohl nicht immer mit den urbanen Regionen und Zentren konkurrenzieren, aber dafür mit vielen spannenden und sinnvollen Projekten», führt sie aus.

Und interessante Projekte mit aussichtsreichen Karriere-Perspektiven bieten auch die anderen sechs international verflochtenen Betriebe, die bei der Kommunikationsoffensive «Enavant 4.0» eingebunden sind. Ob Cedes und Integra Biosciences in Landquart und Zizers, Gritec und Trumpf in Grüsch, Hamilton in Bonaduz und Domat/Ems oder Polycontact in Chur, alle Betriebe sind bestens aufgestellt und liefern für ihre Märkte zukunftsweisende Spitzenprodukte in bester Qualität.

Ungut nur, dass sie alle mit demselben Problem kämpfen: qualifizierte Fachkräfte zu finden und diese nach Graubünden zu locken. «Wir müssen den vielen jungen Bündnern, die in Zürich, Bern oder anderswo studieren aufzeigen, welche spannenden Jobs es für Naturwissenschaftler und Ingenieure in Graubünden gibt und ihnen Perspektiven für eine langfristige Karriere bieten», betont auch Elmar Morscher, CEO der Integra Biosciences AG im Tardisland Zizers. Das Unternehmen ist ein international führender Anbieter von qualitativ hochwertigen Laborgeräten mit Verkaufs-Niederlassungen in den USA, Europa und Asien.  

Gian und Giachen als Botschafter

Aber wie kann das gelingen? So sollen beispielsweise mittels gemeinsamer Auftritte an Ingenieurmessen oder koordinierter Rekrutierungsbemühungen an Fachhochschulen die Vorzüge einer Anstellung in Graubünden aufgezeigt werden. «Neben interessanten Projekten sowie modernen und gut erreichbaren Arbeitsplätzen können das individuelle oder familienfreundliche Arbeitszeitmodelle sein, wie wir es bei Oblamatik bereits anbieten», sagt Katja Bartholet-Zweifel und ist dezidiert der Meinung, dass auch das Potenzial, das die Frauen für den Arbeitsmarkt darstellen, noch viel zu wenig ausgeschöpft wird. Zudem wünscht sie sich vermehrt Frauen in den Mint-Berufen.

Ausserdem weist sie darauf hin, welche Qualitäten Graubünden als Lebensort zu bieten hat. «Die einmalige Natur und die vielen Sport- und Freizeitmöglichkeiten sind beste Voraussetzungen für eine perfekte Work-Life-Balance», so die Personalfachfrau. 

Damit sich diese Einsicht auch schweizweit immer mehr durchsetzt, erhalten die hiesigen Unternehmer prominente Unterstützung von den kultigen Tourismus-Botschaftern Gian und Giachen. Die Ansage der beiden Steinböcke: Graubünden ist nicht nur gut für Ferien sondern ebenso gut, um dort zu leben und zu arbeiten

 

Dass die Marke Graubünden für solche Bemühungen eingesetzt wird, findet auch Jürg Michel, der Direktor des Bündner Gewerbeverbands eine gute Sache. «Es war schon immer die Idee, die Marke nicht nur touristisch sondern auch für andere Zwecke zu nutzen», erinnert er sich an die ursprünglichen Absichten bei der Einführung.

Zudem beurteilt er die Chancen besser als auch schon, die dringend benötigten Fachkräfte nach Graubünden zu lotsen. «Mittlerweile gibt es doch einige spannende und innovative Unternehmen in der Region, die sehr interessante Arbeitsplätze anbieten.» Dies sei ein Vorteil für den Fall, wenn es bei einer ersten Anstellung noch nicht geklappt haben sollte und die Familie mangels Job-Alternativen schon nach kurzer Zeit wieder wegziehen müsste. 

Das Gesamtpaket entscheidet

Aber nicht nur die Unternehmer sind gefordert, attraktive Arbeitsplätze mit Karrieremöglichkeiten anzubieten. Auch die Politik und die Vertreter von Verbändern sind gefragt, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Dazu gehören ein dichtes ÖV-Angebot, bezahlbare Wohnsituationen, tragbare Steuern, gute Schulen, erstklassige Weiterbildungsmöglichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten sowie ein aktives Vereins- und Kulturleben – eben alles, was es für eine perfekte Work-Life-Balance braucht. Denn schlussendlich ist es ein Gesamtpaket, welches junge Ingenieure, Maschinenbauer, Konstrukteure und andere Spezialisten in die Region zieht.