Späne aus der Denkwerkstatt

Full House oder tote Hose

Von Wirtschaftsforum Graubünden Mi, 19.02.2020

Im Februar und an Weihnachten Full House, im Mai und November tote Hose – so lässt sich die Situation in der Bündner Hotellerie salopp zusammenfassen. Ein Blick in die Zahlen bestätigt: Die Bruttobettenauslastung liegt im stärksten Monat Februar bei fast 60 Prozent. In den schwächsten Monaten Mai und November fällt sie hingegen auf unter 10 Prozent.

Erfolgreiche Konkurrenzdestinationen

Ein Blick zur Tiroler Konkurrenz zeigt, dass auch Serfaus und Ischgl in den Zwischensaisons Mühe haben, die Hotelbetten auszulasten. Im Gegensatz zu den Bündner Hotels erreichen die Mitbewerber in Ischgl jedoch im Winter so hohe Auslastungen, dass sie es sich leisten können, die Betriebe während der Sommermonate zu schliessen. Auch die Betriebe in Serfaus erreichen in den Monaten Januar bis März praktisch eine Vollauslastung. Zusätzlich erzielen sie aber auch während der Sommermonaten Juli und August eine Bruttobettenauslastung von deutlich über 70 Prozent.

Grafik Bettenauslastung Hotellerie im Vergleich

 

Deutsche und Holländer bringen im Tirol Auslastung

Im Tirol wiederum tragen Gäste aus Deutschland und den Niederlanden stark zur hohen Auslastung bei. Diese Gästegruppen sind relativ preissensitiv. Graubünden hat in den letzten Jahren aufgrund der Frankenstärke in diesen Märkten viele Gäste verloren. Das ist besonders schmerzhaft, da die Deutschen und die Holländer überdurchschnittliche lange Ferien machen und nicht nur für einen Kurzaufenthalt kommen. 

Gäste aus Fernmärkten sorgen in Zermatt für warme Hotelbetten

Innerhalb der Schweiz ist Zermatt die erfolgreichste Alpendestination. Im Vergleich zeigt sich, dass in Graubünden primär die Gäste aus Japan, UK, Russland und den USA fehlen. Bei den Schweizern und den Gästen aus den umliegenden Nachbarländern erwirtschaftet die Bündner Hotellerie nämlich einen ähnlichen Auslastungsanteil wie die Zermatter Hotels.

Dieser Text basiert auf dem Projekt «Strategien für Bündner Tourismusorte» aus dem Jahr 2015.