Späne aus der Denkwerkstatt

Eine starke Fachhochschule für ein starkes Graubünden

Fachkräftemangel und Rekrutierungsschwierigkeiten auf der einen Seite, Abwanderung von Fachkräften und «brain drain» auf der anderen Seite. Was lässt sich dagegen tun?

Von Wirtschaftsforum Graubünden Do, 05.09.2019

«Wir brauchen 30 bis 40 neu ausgebildete Programmierer pro Jahr. Und es ist besser, diese Leute hier auszubilden als irgendwo im Unterland. Denn wenn sie mal weg sind, braucht es viel mehr Aufwand, um sie wieder zurück nach Graubünden zu locken», meint Andreas Wieland, Hamilton-CEO, in einem Interview hier auf GRimpuls. Er spricht damit gleich zwei Schwierigkeiten an, welche Graubünden bewegt: Abwanderung und Fachkräftemangel. 

Eine starke Fachhochschule Graubünden ist die wirkungsvollste Massnahme gegen Fachkräftemangel. Erfolgt die Ausbildung von Fachkräften in Graubünden, so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie schliesslich eine Stelle in einem Bündner Unternehmen antreten werden. Gerade Ingenieure und ICT-Fachkräfte sind sehr gefragt und schwierig zu rekrutieren.

Neue, zeitgemässe Studienangebote in diesen Bereichen sollen Abhilfe schaffen und der Bündner Wirtschaft zusätzliche Fachkräfte einbringen. Um eine Wirkung zu erzielen, liegt das Ziel bei jährlich 150 bis 200 Absolventinnen und Absolventen. Das Problem ist nur, dass die Zahl der jungen Bündnerinnen und Bündner, die ein Studium im technischen Bereich absolvieren wollen, nicht ausreicht. Von den aktuellen Studierenden der Fachhochschule Graubünden stammen nur knapp 20 Prozent aus Graubünden. Es müssen also Studieninteressierte aus anderen Kantonen gewonnen werden. 

Wieso in Graubünden studieren?

Um die jungen Menschen zum Studieren nach Graubünden zu locken, braucht es vor allem spannende, zeitgemässe Studiengänge. Das reicht aber möglicherweise noch nicht, um den Standortnachteil zu kompensieren. Es braucht besondere Vorteile, wie preisgünstige Studentenwohnungen oder Studentenrabatte auf Skitickets und Freizeitaktivitäten in Graubünden, die zusätzliche Anreize für ein Studium in Graubünden darstellen.

Haben die jungen Menschen ihr Studium in Chur erstmal begonnen, dann ist das erst der Anfang. Jetzt muss alles dafür getan werden, damit die Fachkräfte in spe nach dem Studium auch bleiben. Hier ist ein Zusammenspiel zwischen Hochschule und Wirtschaft von grosser Bedeutung: verschiedene Anknüpfungspunkte zwischen Studierenden und lokalen Unternehmen, wie Praktika, Semester- und Abschlussarbeiten, Gastvorlesungen und Firmenbesuche sind die Basis für ausbaufähige Kontakte.

Ausserdem bauen Studierende hier ein privates Netzwerk auf, das zu einer Bindung und Identifikation mit Graubünden führt. Das alles sind Gründe, nach dem Studium dem Standort Graubünden treu zu bleiben und eines Tages tatsächlich da zu arbeiten, wo andere «nur» Ferien machen.

Dieser Text basiert auf dem Bericht «Alptraum» des Wirtschaftsforums Graubünden.