Späne aus der Denkwerkstatt.

Ein Aktionsplan für den Alpenraum

Der Bund gestaltet aktuell die Berggebietspolitik für die Zeit nach 2024. Grund genug, ihm einen Aktionsplan vorzulegen, mit dem die Chancen des Alpenraums zukünftig vermehrt genutzt werden können.

Von Wirtschaftsforum Graubünden Do, 29.04.2021

Vor Kurzem haben die Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK) und das Wirtschaftsforum Graubünden (WIFO GR) den gemeinsam erarbeiteten Bericht «Aktionsplan Alpenraum» publiziert. Der Bericht präsentiert eine breite Auslegeordnung zur Schweizer Berg- und Regionalpolitik, und unterbreitet dem Bund sowohl strategische Stossrichtungen als auch konkrete Ideen zur Weiterentwicklung der nationalen Berggebietspolitik.

Trotz Druck gibt es auch Chancen

Die Analyse zeigt: Der Alpenraum steht unter hohem sozioökonomischen Druck. Gerade die peripheren Gebiete des Alpenraums haben aufgrund ihrer verkehrstechnisch benachteiligten Lage die schlechtesten Voraussetzungen für eine gute gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Graubünden ist besonders stark betroffen, liegt doch praktisch die gesamte Kantonsfläche im verkehrstechnisch benachteiligten Raum (vgl. Abbildung 1 -> weisse Fläche).

Abbildung 1 Erreichbarkeit der Kernstädte

Erreichbarkeit der Kernstädte in den Metropolitanregionen. (Quelle: Wirtschaftsforum Graubünden basierend auf Daten des Bundesamts für Statistik)

 

Und trotzdem: Es sind auch Chancen für bessere Perspektiven vorhanden, die es zukünftig vermehrt zu nutzen gilt. So ermöglichen beispielsweise Digitalisierung und «Arbeitswelt 4.0» dezentrales Wohnen und Arbeiten sowie Studieren. Die Klimaveränderung bedingt strukturelle Anpassungen im Tourismus, welche aber durchaus auch Chancen mit sich bringen. Und die natürlichen Ressourcen, über welche das Alpengebiet verfügt, werden in Zukunft noch wichtiger werden.

Strategische Stossrichtungen

In Anbetracht dieser Chancen formulieren die RKGK und das WIFO GR in ihrem Bericht vier strategische Stossrichtungen für die Berggebietspolitik von Bund, Kantonen und Gemeinden:

  1. Haupttalachsen stärken: Indem die Entwicklung der einigermassen gut erschlossenen Haupttalachsen (bspw. das Bündner Rheintal) gestärkt wird, ergeben sich positive Beschäftigungseffekte für weite Teile des Alpenraumes. Aus- und Weiterbildungsangebote können dezentral angeboten werden, was dem Brain-Drain entgegenwirkt und die Strukturen im Berggebiet stärkt.
  2. Tourismus flexibel weiterentwickeln: Damit sich der Tourismus, die Industrie mit dem grössten Beschäftigungspotential und Basis für attraktives Wohnen im Berggebiet, weiterentwickeln kann, ist eine stärker differenzierte Gestaltung der raumwirksamen Bundesgesetzgebung (bspw. Zweitwohnungsgesetz) dringend notwendig.
  3. Wohnen & Arbeiten neu gestalten: Dank der Digitalisierung wird dezentrales Wohnen und Arbeiten möglich, insbesondere auch im Berggebiet. Der Bund kann durch das Vorantreiben der «Arbeitswelt 4.0» im Eigenbereich mit dezentralen Arbeitsplätzen vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten in den Berggebieten unterstützen.
  4. Natürliche Ressourcen in Wert setzen: Die Inwertsetzung der natürlichen Ressourcen stabilisiert den finanziellen Haushalt der öffentlichen Hand im Berggebiet und sichert damit auch den Wohnstandort und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Regionen. Es gilt deshalb, die Schutz- und Nutzinteressen im Rahmen der rechtlichen Rahmenbedingungen zukünftig besser aufeinander abzustimmen.
Abbildung 2 Strategische Stossrichtung

Strategische Stossrichtungen im Überblick. (Quelle: Wirtschaftsforum Graubünden)

 

Umsetzungsorientiere Ideen

Auf Basis dieser vier Stossrichtungen schlagen die RKGK und das WIFO GR dem Bund vor, sich im Rahmen der Berggebietspolitik zukünftig mit folgenden Ideen zu befassen:

  • Stärkung der Wasserkraft und des Wassermanagements
  • Digitaler Anschluss des Alpenraums sicherstellen
  • «Arbeitswelt 4.0» beim Bund entwickeln
  • Digitale Aus- und Weiterbildung und dezentrale Forschung
  • Instrumente des Zweitwohnungsgesetzes für die touristische und regionalwirtschaftliche Entwicklung optimieren
  • Finanzierung von Verkehrsinfrastrukturen anpassen
  • Flexiblere Agglomerationsperimeter für besser Verkehrslösungen