Weissbuch-Roadshow zu den Destinationen

Diskussionen ausgelöst

Das im Dezember 2017 publizierte Weissbuch für den Bündner Tourismus gab den Anstoss unter Touristikern und Gemeindevertretern, sich mit der Zukunft des Tourismus in Graubünden auseinanderzusetzen. Mit einer Roadshow brachte der Tourismusrat das Weissbuch den Bündner Destinationen näher.

Von Redaktion GRimpuls Do, 14.02.2019

Sieben Destinationen besuchte der Tourismusrat im Verlauf des Jahres 2018, um in diesen einerseits die Erkenntnisse aus dem Weissbuch zu diskutieren, andererseits aber auch konkrete Ideen für deren Umsetzung anzustossen.

Nach Abschluss der Roadshow holte der Tourismusrat bei einzelnen Destinationsvertretern Reaktionen zu den Veranstaltungen ein und fragte nach, was das Weissbuch und die Diskussionen darüber ausgelöst haben.

GRimpuls hat die wichtigsten Aussagen zusammengestellt:

Marcello Gervasi, Präsident Valposchiavo Turismo

 

 

Welches war für Sie die Haupterkenntnis aus dem Diskussionsanlass?
Insgesamt haben uns die Diskussionen um das Weissbuch gezeigt, dass wir in der Valposchiavo in die richtige Richtung gehen.

Was hat die Roadshow respektive die Diskussion zum Weissbuch in Ihrer Destination ausgelöst?
Die Roadshow hat in unserer Destination zu einigen Diskussionen zu möglichen Projekten (z.B. Jugendherberge) beigetragen. Bisher wurde aber noch kein konkretes Projekt gestartet.

Wo sehen Sie die grösste touristische Herausforderung in Ihrer Destination?
Die grösste touristische Herausforderung in unserer Region ist der Generationenwechsel in den Hotelbetrieben. Bei gut einem Drittel unserer Betriebe ist dieser Wechsel nicht gesichert. Da keine Zukunftsperspektiven vorliegen, wird auch nicht mehr in die Betriebe investiert und die Gefahr besteht, dass ein grosser Teil dieser Betriebe in den nächsten fünf bis zehn Jahren schliessen wird. Die Frage ist, wie viele Hotelbetriebe es mindestens geben muss, damit die Valposchiavo weiterhin als Tourismusdestination existieren kann.

 

Urs Hasler, Präsident Handels- und Gewerbeverein Alpenarena

 

 

Welches war für Sie die Haupterkenntnis aus dem Diskussionsanlass?
Der Diskussionsanlass hat mir erneut gezeigt, dass Tourismusfragen nicht nur Touristiker etwas angehen, sondern auch die übrigen Betriebsinhaber von Handel und Gewerbe in touristischen Gegenden miteinzubeziehen sind, damit ein ganzheitliches Tourismusverständnis aufgebaut respektive gestärkt werden kann.

Was hat die Roadshow respektive Diskussion zum Weissbuch in Ihrer Destination ausgelöst?
Die Mitglieder des HGV engagieren sich mehr für touristische Anliegen, zum Beispiel bei der Abstimmung zum Baumgipfelpfad an der Gemeindeversammlung in Laax.

Wo sehen Sie die grösste touristische Herausforderung in Ihrer Destination?
Reto Gurtner als Unternehmer und Visionär hat das  Angebot und die Wahrnehmung der Destination Flims Laax Falera nachhaltig und über Dekaden geprägt. Wenn er als Zugpferd irgendwann altershalber abtritt, gilt es diese Lücke mit vereinten Kräften zu schliessen. Hoffentlich gelingt dies wenigstens ansatzweise.

 

Ernst Wyrsch, Präsident Hotelleriesuisse Graubünden und Verwaltungsratspräsident Lenzerheide Marketing und Support AG

 

 

Welches war für Sie die Haupterkenntnis aus dem Diskussionsanlass?
Ohne Kooperation geht gar nichts. Das Verständnis ist gewachsen, aber kleiner als erhofft.

Was hat die Roadshow respektive Diskussion zum Weissbuch in den Destinationen ausgelöst?
Ich habe mir wirklich mehr erhofft. Das Weissbuch ist leider kein Arbeitsbuch geworden, sondern wurde wohl in den Schubladen abgelegt.

Wo sehen Sie die grösste touristische Herausforderung in den Destinationen?
Ohne einer destinationsübergreifenden Zusammenarbeit sind neue Märkte nicht zu bearbeiten. Alle wissen, dass Kooperationen das Erfolgsmodell sind, die wenigsten tun es aber konsequent genug. Die Vernetzung der verschiedenen Ebenen ist und bleibt eine grosse Herausforderung. 

 

Dr. Daniel Fischer, Präsident Tourismus Savognin Bivio Albula AG (TSBA AG)

 

 

Welches war für Sie die Haupterkenntnis aus dem Diskussionsanlass?
Der Verwaltungsrat der TSBA AG hat Kenntnis vom «Weissbuch für den Bündner Tourismus» genommen und hat dessen Hauptbotschaften reflektiert. Die Rollen des Tourismusrats und des AWT wurden verstanden und wertgeschätzt. In Bezug auf die Rollenteilung ist auch klar, welche Arbeiten zwingend in der lokalen Verantwortung gelöst werden müssen. Tourismusrat und AWT haben sich für die Themen der Destinationsentwicklung im Surses interessiert.

Was hat die Roadshow respektive Diskussion zum Weissbuch in Ihrer Destination ausgelöst?
Das Verständnis für den «Systemansatz des Kantons Graubünden» wurde geschaffen. Die Dramatik des Handlungsbedarfs wurde unterstrichen. Die positiven, motivierenden Rückmeldungen von Tourismusrat/AWT bestärken den Verwaltungsrat der TSBA AG auf dem eingeschlagenen, systematischen Weg auch weiter zu fahren. Vor Ort wurde mit dem Besuch anerkannt, dass die «gemeinsame strategische Agenda im Surses und der angrenzenden Region zu einem nur schwer kopierbaren Wettbewerbsvorteil führen kann. Die Botschaft von Ernst A. Brugger und Eugen Arpagaus, dass «Gründlichkeit, Sorgfalt und Tiefgang in der Destinationsentwicklung mehr gewichtet werden als operative Hektik» hat grossen Eindruck hinterlassen. Der enge, bilaterale Austausch zwischen Kanton und Surses soll fortgesetzt werden.

Wo sehen Sie die grösste touristische Herausforderung in Ihrer Destination?
Finalisierung des «Destinationsentwicklungsprozesses 2018/2019», welcher zu einer akzeptierten «Strategischen Agenda Surses» im Sinne eines Sieben-Punkte-Plans führen soll. Commitment aller wichtigen Player zum Dokument (Charta unterzeichnen). Management-Voraussetzungen für die Umsetzung schaffen. Regionale Player (zum Beispiel auch Parc Ela, Bergün Filisur, Gemeinde Albula) mitnehmen. Krisen als Chancen nutzen (zum Beispiel Relaunch «Cube» Hotel).