Eine Idee aus der Immobilienbranche übernommen

Die Zukunft der Gebäudetechnik

Innovationen sind auch in einem KMU möglich. Das beweist die Willi Haustechnik AG, die sich nicht nur schweizweit unter das Dach einer Holding mit weiteren Gebäudetechnikfirmen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein begeben hat, sondern die auch ihr Geschäftsmodell erfolgreich erweitert hat.

Von René Mehrmann Do, 27.06.2019

Am Anfang einer Innovation der Willi Haustechnik AG stand eine einfache Erkenntnis von Verwaltungsrat Luzi Willi. «Bei meiner Tätigkeit im Immobilienmarkt stellte ich fest, dass dort die Projektentwickler nicht die kleinsten Rosinen aus dem Wertschöpfungskuchen picken.» Das habe ihn inspiriert und man habe sich dann überlegt, ob das auch für den Bereich möglich sei, in dem die Willi Haustechnik tätig ist, so Willi weiter, also in der Gebäudetechnik.

Die Idee, die sich daraus entwickelte, hat das Geschäftsmodell des Unternehmens erfolgreich erweitert. Anstatt sich nur um Heizung und Kühlung in einem Gebäude zu kümmern, hat das Unternehmen begonnen, ganze Energienetze zu planen und zu bauen. «Wir gehen heute nicht mehr hin und ersetzen eine alte Gasheizung für ein Mehrfamilienhaus mit einer neuen Gasheizung, sondern wir schauen das ganze Quartier an, in dem das Haus steht und versuchen dann in einem Verbund eine energieeffiziente Lösung zu finden», erklärt Willi. Der Ansatz bewährt sich und die Willi Haustechnik AG konnte schon einige Projekte realisieren.

Von der Planung bis zum Service

Ziel des innovativen Ansatzes ist es, die ganze Wertschöpfungskette im Bereich Gebäudetechnik abdecken zu können, «also von der Beratung, der Planung und der Ausführung bis hin zum Service», sagt Geschäftsleiter Giacomo Lecchino. Die für die Gebäudetechnik in einem ganzen Quartier nötigen Netze sind aber nicht im Besitz der Willi Haustechnik AG, sondern in der Stadt Chur zum Beispiel der IBC. Das Unternehmen versteht sich als Dienstleister und nicht als Netz- oder Immobilienbesitzer.

Ein erstes solches Projekt realisierte das Unternehmen 2013 bei der Sanierung von vier Mehrfamilienhäusern der Pensionskasse Heineken Switzerland AG an der Plessurstrasse in Chur. Dabei wurde die bestehende Ölheizung durch vier Wärmepumpen ersetzt, welche ihre Energie aus dem Anergienetz beziehen. Das Anergienetz bezieht die Wärmeenergie aus dem Grundwasser. Mit den Wärmepumpen wird das Heiz- und Warmwasser auf das benötigte Temperaturniveau gehoben. Die Photovoltaikanlagen auf den Dächern produzieren einen sehr grossen Anteil des Stromes, den die Wärmepumpen benötigen.

Schema einer Quartiererschliessung Schema einer Hauserschliessung

 

Damit konnte der Ölverbrauch der Überbauung mit 130 Wohnungen und der CO2-Ausstoss eliminiert werden. «Die Überbauung verbrauchte rund 110'000 Liter Öl pro Jahr», sagt Martin Gerber, der bei der Willi Haustechnik AG für die Projektentwicklung zuständig ist. Das verursachte 340'000 Kilogramm an CO2-Ausstoss. Heute ist dieser Ausstoss bei Null.

Was ist ein Anergienetz?

Ein Anergienetz ist ein Rohrleitungssystem, in dem Wasser wie in einer Zentralheizung in einem Kreislauf zirkuliert, wie die IBC in einer Projektbeschreibung zum Anergienetz Chur West schreibt. Die Temperatur wird über das Grundwasser reguliert und innerhalb eines definierten Temperaturbereichs gehalten, womit die Kunden heizen oder auch kühlen können. Die Kunden am Netz profitieren voneinander, indem einer beispielsweise Abwärme aus seinem Kühlprozess in das Netz abgibt und andere Kunden diese Abwärme mit ihrer Wärmepumpe zum Heizen nutzen. Ein Anergienetz nutzt niederwertige Energiequellen sinnvoll und trägt zum haushälterischen Umgang mit dem Grundwasser bei.

Giacomo Lecchino, Geschäftsführer der Willi Haustechnik AG

Martin Gerber, Abteilungsleiter Projektentwicklung bei der Willi Haustechnik AG

 

Einen Schritt weiter bei Willi Haustechnik AG

Luzi Willi ist überzeugt, dass die Zukunft der Energieversorgung in der dezentralen Versorgung, weg von den grossen Anlagen liegt. «Wir gehen davon aus, dass jeder Verbraucher – also jedes Haus – auch ein Energieproduzent ist», sagt Willi. Durch diese kleinen, auf Quartiere angepasste Versorgung brauche es keinen Ausbau einer riesigen Netzinfrastruktur.

Bei der Willi Haustechnik denkt man noch einen Schritt weiter, wie Lecchino erklärt. «In solchen Quartierlösungen können sämtliche Energieverbraucher (Heizung, Warmwasser, Lüftung, Elektroverbraucher, Kälte) und Energieproduzenten (Photovoltaik, thermische Solaranlagen, Abwärme, Grundwasser) vernetzt und optimiert werden. Das heisst, man führt dem Quartier nur diejenige Energie zu, welche nicht im Quartier produziert wird. Überschüssige Energie kann ins übergeordnete Netz eingespiesen werden. In den einzelnen Gebäuden ergibt sich daraus ein Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten.»

Das Beispiel der Willi Haustechnik zeigt, dass Innovation nicht immer auf der technischen Ebene passieren muss. «Unsere Innovation war, dass wir in eine Abteilung Projektentwicklung investierten, die im Energiebereich Projekte im gleichen Stil angeht, wie es in der Immobilienbranche inzwischen Gang und Gäbe ist», sagt Willi. Der Erfolg des Unternehmens gibt ihm und seinen Mitarbeitern recht.