Oliver Hohl gehörte mit seiner Weber AG zu den Pionieren der Betriebstestungen in Graubünden.

«Die Tests gaben uns extrem viel Sicherheit»

Seit Anfang Jahr testen im Kanton Graubünden unzählige Betriebe ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Corona. Ein Unternehmen der ersten Stunde ist die Weber AG. Geschäftsführer Oliver Hohl erzählt im Interview mit «GRimpuls», was ihn zur Teilnahme bewogen hat, welche Erfahrungen sein Unternehmen machte und ob noch lange getestet werden muss.

Von René Mehrmann Do, 03.06.2021

Herr Hohl, die Weber AG war ein Pilotbetrieb bei den Betriebstestungen im Kanton Graubünden. Was war der Grund, dass Sie mit Ihrem Unternehmen an diesen Tests teilgenommen haben?
Oliver Hohl: Wir suchten mit der Teilnahme an den Betriebstestungen nach Alternativen, um einen Weg zurück in die Normalität zu finden und gleichzeitig die Sicherheit unserer Mitarbeitenden gewährleisten zu können. Deshalb waren wir von Anfang an sehr strikt mit der Umsetzung der Massnahmen wie Abstand nehmen, Maskenpflicht usw. Die Testungen waren für uns eine Möglichkeit, etwas schneller und früher die Massnahmen zu lockern. Wir merkten auch, dass sich durch die Tests die Stimmung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wieder etwas entspannte und sie sich sicherer fühlten.

Wie stark war Ihr Unternehmen vor einem Jahr vom Shutdown betroffen?
Wir waren zum Glück nur teilweise betroffen. Wir mussten unsere Ladenlokale zwar kurz schliessen, weil wir auch einen Anteil an Privatkunden haben. Eigentlich hätten wir im Business-to-Business-Bereich offenbleiben können, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen und schlossen deshalb unsere Läden. Wir hatten ohnehin einen bereits funktionierenden Pick-up-Service zu dieser Zeit. Die Kunden konnten uns anrufen und wir stellten die Ware für sie bereit. Aber wir merkten die Auswirkungen natürlich schon.

Zurück zu den Betriebstestungen. Sie waren wie gesagt schon beim Pilotprojekt dabei. Waren Sie von Anfang ohne Bedenken mit dabei oder waren Sie unsicher, ob diese Tests etwas bringen werden?
Wir wussten von anderen Ländern beispielsweise in Asien, dass testen etwas bringt. Für mich war deshalb klar, dass wir dabei sein werden, als ich gehört habe, dass Graubünden diese Betriebstestungen plant. Das Projekt war auch von den Verantwortlichen hervorragend aufgegleist. Wir konnten als Betrieb das Testkonzept sehr schnell sehr gut umsetzen, es war kein riesiger Aufwand, gerade auch im Vergleich mit den Massnahmen, die wir sonst im Zusammenhang mit der Pandemie treffen mussten.

Konnten Sie als Pilotbetrieb auch Einfluss nehmen auf das Testkonzept mit Vorschlägen und Kritik?
Wir gaben immer wieder Inputs, insbesondere auch was fremdsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betrifft. In unserer Eisenbiegerei in Thusis beschäftigen wir beispielsweise viele portugiesische Mitarbeiter, die sich den Umgang mit einem PC nicht gewohnt sind und Mühe hatten, den Fragebogen auszufüllen. Da gaben wir den Input, dass es noch eine einfachere Variante geben muss, um die Menschen zu testen.

Gab es auch Inputs, die nicht umgesetzt werden konnten?
Im Zusammenhang mit der Feriensaison haben wir vorgeschlagen, dass die Tests personalisiert werden könnten, damit man nicht noch einen separaten Test machen müsste, wenn man ins Ausland reisen will. Leider war dieser Vorschlag nicht umsetzbar, weil es dafür beaufsichtigte Tests braucht, also bei einer Fachperson, die den Test durchführt.

Wurde Ihr Betrieb vom Kanton angefragt, ob er als Pilotbetrieb bei den Betriebstestungen mitmachen will?
Nein, wir haben uns proaktiv darum bemüht. Noch während der Medienkonferenz, an der das Konzept vorgestellt wurde, schrieb ich ein Mail an Regierungsrat Peter Peyer. Dieser leitete das an die zuständigen Stellen weiter und so kam der Kontakt zustande. Danach ging dann alles schnell und problemlos über die Bühne. Wir profitierten dann auch in der Aussenwirkung davon, dass die Medienkonferenz des Kantons beim Start der Tests bei uns durchgeführt wurde. Da gab es aber Betriebe, wie beispielsweise die Weisse Arena AG, die schon viel früher das Projekt vorangetrieben hatten. Wir gehören aber zu den Early Follower.

Es ist ein bisschen Spekulation, aber angenommen, es hätte diese Tests nicht gegeben. Wie wäre die Weber AG durch diese dritte Welle gekommen?
Man wusste schon viel mehr über das Virus als noch vor einem Jahr. Deshalb glaube ich nicht, dass wir genau gleich betroffen gewesen wären wie im Frühling 2020. Es stellte sich bei uns aber die Frage, was passieren würde, wenn ganze Teams krankheitsbedingt ausfallen würden. Deshalb war für uns diese Teststrategie so wertvoll. Erst kürzlich wurde bei uns nach über 1000 Tests ein Fall entdeckt. Hier liegt auch ein Unterschied zum vergangenen Frühling. Wenn man wegen eines Shutdowns nicht arbeiten darf, dann darf auch der Konkurrent nicht arbeiten. Wenn wir aber nicht hätten arbeiten können wegen Krankheitsausfällen, dann hätten wir das sehr stark gespürt. Ausserdem hätte ich mir als Geschäftsführer Vorwürfe gemacht, dass ich meine Mitarbeitenden zu wenig vor der Krankheit geschützt habe.

Die Tests gaben Ihnen also auch ein Gefühl der Sicherheit.
Ja, sie gaben uns extrem viel Sicherheit und unseren Mitarbeitern gaben sie auch die Gewissheit, dass wir uns stark um sie und ihre Gesundheit kümmern.

Was glauben Sie, wie lange müssen Sie noch testen im Betrieb?
Wir haben uns das Ziel bis Ende Juli gesetzt. Ich gehe auch davon aus, dass bis Ende Juli/Anfang August die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von uns geimpft sind und wir dann nicht mehr flächendeckend testen müssen. Es heisst ja, dass vollständig Geimpfte sich zwei Wochen nach der zweiten Dosis nicht mehr testen lassen müssen. Wir werden dann die Testkampagne wohl auslaufen lassen.