HotellerieSuisse Graubünden ist erfreut über das Tourismusjahr 2021.

«Die Logiernächtezahlen dürfen sich sehen lassen»

Die Bündner Hotellerie ist gesamthaft gut durch die Coronapandemie gekommen. Auch 2021 kann sie auf ein erfolgreiches Tourismusjahr zurückblicken, wie am Donnerstag publizierte Zahlen zeigen. Allerdings habe die Branche das ganze Jahr hindurch eine Zitterpartie erlebt, sagt HotellerieSuisse-Graubünden-Geschäftsführer Jürg Domenig.

Von René Mehrmann Fr, 25.02.2022

Die neuen Zahlen zeigen, dass die Bündner Hotellerie auf ein gutes Jahr 2021 zurückblicken kann. Heisst das auch, dass sie gut durch die Pandemie gekommen ist?
Jürg Domenig: Man darf sagen, dass sich die Logiernächtezahlen trotz Pandemie sehen lassen dürfen. Das verdanken wir vor allem den Schweizer Gästen, die in der Pandemie das Bedürfnis hatten, in den Bergen ihre Ferien zu verbringen und dem Mittelland zu entfliehen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite haben wir in Graubünden viel Platz, eine tolle Landschaft und gute touristische Angebote.

Dann stimmt die Aussage, dass die Schweizer Gäste die fehlenden ausländischen Gäste fast ganz kompensieren konnten?
Wir hatten vor allem im ersten Pandemiejahr 2020 viele neue Schweizer Gäste, die im Kanton Ferien machten. Das waren solche, die sonst ihre Sommerferien nie in der Schweiz verbringen. Das war für uns sehr erfreulich und wir hoffen, dass diese Gäste weiterhin ihre Ferien wenigstens teilweise hier verbringen, auch wenn die Reisefreiheit dann wieder zurück ist.

Wenn man die Logiernächtezahlen im langfristigen Vergleich anschaut, dann waren die Zahlen im vergangenen Jahr deutlich höher als in den schwierigen Jahren 2015 bis 2017. Auch die Gästeankünfte sind wieder auf dem Niveau wie vor der Pandemie. Kann die Branche somit optimistisch in die Zukunft blicken?
Auf jeden Fall, denn die Pandemie hat auch gezeigt, welches Potenzial Graubünden aufweist. 2021 war das zweitbeste Tourismusjahr seit 2012. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Besser war nur 2019, als wir ein absolutes Spitzenjahr verzeichnen konnten. Und wenn wir die Zahlen noch saisonal anschauen, dann hatten wir letztes Jahr die beste Sommersaison seit 2008. Das zeigt, dass der Sommer noch viel Potenzial hat, das es zu nutzen gilt.

Auch die Wintersaison 2021/2022 zeigt sich bisher von ihrer besten Seite mit eindrücklichen Gästezahlen. Was könnte diese guten Zahlen jetzt noch trüben?
Seit dem Beginn der Coronapandemie durchlebt unsere Branche eine Zitterpartie, speziell im vergangenen Jahr. Diese Zitterpartie startete im Januar, als grosse Hotels im Engadin wegen der Delta-Variante schliessen mussten. Diese Unsicherheit begleitete uns den ganzen Sommer und gipfelte schliesslich im letzten November in der Omikron-Variante, die von einem Tag auf den andern Reisebeschränkungen und im Dezember hohe Ausfälle von Arbeitskräften bescherte. Heute denke ich, dass die Gefahr durch das Virus deutlich nachgelassen hat, aber ich bin kein Virologe. Massive Sorgen bereitet uns aber jetzt die geopolitische Lage in der Ukraine und die Währungssituation mit dem starken Schweizer Franken. Solche Ereignisse hemmen die Exportwirtschaft und den Tourismus.

Gibt es schon erste Anhaltspunkte, wie der kommende Sommer werden wird, wenn wir die geopolitischen Unwägbarkeiten mal aussen vor lassen?
Das ist noch schwierig zu beantworten, weil wir dazu noch keine gesicherten Daten haben. Wir von HotellerieSuisse Graubünden werden in nächster Zeit eine Umfrage bei den Hotels machen, um dazu ein klareres Bild zur erhalten. Ich schätze, dass der Sommer gut wird, aber ich denke nicht, dass wir den letzten Sommer toppen werden. Ich kann mir vorstellen und es ist für mich auch nachvollziehbar, dass vor allem die Schweizer Gäste Fernweh haben und wieder einmal ans Meer wollen oder in die USA, wenn das Reisen wieder möglich sein wird. Ich glaube aber auch, dass wieder mehr ausländische Gäste Graubünden besuchen werden.

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