Der aktuelle Stand der Corona-Härtefallhilfen.

Die Härtefallhilfen sind gut angelaufen

Die Unterstützungsmassnahmen für Unternehmen im Kanton Graubünden aufgrund der wirtschaftlichen Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erfahren immer wieder Anpassungen. Die aktuellen Informationen sind auch auf der Webseite des Kantons zu finden.

Von Bündner Gewerbeverband Mi, 12.05.2021

Seit bald einem Monat können neu auch Härtefallbetriebe, welche zwischen dem 1. März und dem 30. September 2020 gegründet worden sind, Gesuche einreichen. Zudem gelten neue Kriterien für Betriebe mit mehr als fünf Millionen Franken Jahresumsatz. Die bisher vom Kanton zur Verfügung gestellten 200 Millionen Franken für die Härtefallentschädigungen in Graubünden werden zu einem Grossteil vom Bund übernommen. Bisher wurden bereits über 90 Millionen Franken ausbezahlt. Die Gesuche können unter diesem Link bis Ende Juni 2021 eingereicht werden.

Weit über 90 Millionen ausbezahlt

Die Härtefallentschädigungen sind im Kanton Graubünden im Grossen und Ganzen gut angelaufen. Bisher wurden im Kanton Graubünden (Stand 12. Mai 2021) 1053 Gesuche eingereicht, wovon bereits 767 Gesuche gutgeheissen wurden.

Die Rückmeldungen der Betriebe zeigen, dass diese damit grösstenteils zufrieden sind. Teilweise sind aus Sicht der Dachorganisationen der Wirtschaft Graubünden bei den Härtefallentschädigungen noch kleinere Anpassungen notwendig. Es gibt Betriebe, insbesondere aus dem Tourismusbereich, welche die Kriterien als Härtefälle nicht erfüllen und zwischen Stuhl und Bank fallen.

Für solche Betriebe mit volkswirtschaftlich wichtiger Investitionstätigkeit sind Bund und Kanton gefordert, zukunftsorientierte Entschädigungen zu starten. Auch zahlreiche Kleinstbetriebe, insbesondere solche, die erst vor Kurzem gegründet wurden, befinden sich in einer misslichen Lage.

Anrecht auf Härtefallentschädigungen

Die Härtefallhilfe des Kantons Graubünden stützt sich auf die Gesetzgebung des Bundes. Es wird unterschieden zwischen Betrieben mit weniger als fünf Millionen (Kategorie 1) und Betrieben mit mehr als fünf Millionen Franken Umsatz pro Jahr (Kategorie 2).

Anspruch auf die Entschädigungen haben erstens Unternehmen, die mehr als 40 Tage behördlich geschlossen oder teilgeschlossen waren oder sind. Hier gilt eine Eintrittsschwelle von 15 Prozent Umsatzrückgang gegenüber den Vorjahren für Betriebe der Kategorie 1. Bei geschlossenen Betrieben der Kategorie 2 gibt es keine solche Eintrittsschwelle. Zweitens haben Unternehmen, die indirekt betroffen sind und mehr als 40 Prozent Umsatzrückgang im Jahr 2020 oder in den letzten zwölf Monaten zu den Vorjahren nachweisen können, Anspruch auf die Härtefallhilfe.

Da es sich um eine Fixkostenentschädigung aufgrund eines staatlichen Eingriffs handelt, haben alle Betriebe Anspruch auf diese Härtefallhilfen unabhängig, ob sie auch ohne diese Entschädigungen finanziell durch die Krise kommen können. Einige Kriterien können zum Ausschluss der Anspruchsberechtigung führen.

Wer die Entschädigung beansprucht, ist in der finanziellen Ausrichtung eingeschränkt: Vier Jahre dürfen keine Dividenden oder Tantiemen beschlossen oder ausgeschüttet oder Kapitaleinlagen rückerstattet werden. Bei Betrieben der Kategorie 2 wird zudem bei einem allfälligen Gewinn im Jahr 2021 (abzüglich Verluste aus dem Jahr 2020) die Entschädigungen entsprechend gekürzt.

Berechnung des Betrags

Mit den Härtefallentschädigungen sollten die ungedeckten Fixkosten der Betriebe finanziert werden. Die Berechnung des Betrags erfolgt bei den Härtefallentschädigungen aufgrund der Umsatzeinbussen gegenüber den Vorjahren und der Ermittlung des Fixkostenanteils.

Der Fixkostenanteil wird vom Kanton je nach Branche mit einem pauschalen Satz oder individuell berechnet. Bei den zwei Betriebskategorien gelten leicht unterschiedliche Berechnungsmethoden für den Fixkostenanteil und den gesprochenen Betrag.

So erhalten Betriebe der Kategorie 1 zurzeit 75 Prozent des Fixkostenanteils und Betriebe der Kategorie 2 100 Prozent des Fixkostenanteils bezahlt. Die Obergrenze des Betrags liegt in der Regel für beide Kategorien bei 20 Prozent des Jahresumsatzes, wobei Betriebe der Kategorie 1 höchstens eine Million und Betriebe der Kategorie 2 höchstens fünf Millionen Franken erhalten.

Diese Obergrenze kann unter bestimmten Bedingungen bei 30 Prozent und zehn Millionen Franken zu liegen kommen für Betriebe der Kategorie 2. Die Härtefallentschädigung wird für mindestens zwölf Monate berechnet. Sind Betriebe für weitere Monate beitragsberechtigt, wird der Entschädigungsbetrag entsprechend erhöht.

Möglichkeit der Spartenabrechnungen

Mit den Spartenabrechnungen können Betriebe nur für einzelne Bereiche Härtefallgesuche einreichen, falls nur Teile des Betriebs von den Eindämmungsmassnahmen direkt oder indirekt betroffen sind. Für die Anerkennung eines Betriebs als Härtefall sind diese Bestimmungen wichtig. Damit werden geschlossene und teilgeschlossene Betriebe unabhängig der Unternehmensstruktur gleichbehandelt.

Eine Autogarage, welche für mehr als 40 Tage bei der Sparte Verkauf geschlossen war, ist automatisch ein Härtefall und muss nicht für die gesamte Garage 40 Prozent Umsatzrückgang nachweisen. Sind bis 70 Prozent des Umsatzes von den Eindämmungsmassnahmen betroffen, gilt der gesamte Betrieb als betroffen.

Beratung für Corona-Härtefälle

Unternehmerinnen und Unternehmer, die aufgrund ihrer schwierigen Lage nicht mehr weiterwissen oder an ihre Belastungsgrenze gestossen sind, können fachliche Unterstützung und Rat bei der Beratungsstelle der Wirtschaft einholen.

Bisher konnte der BGV damit bereits über 50 seiner Mitglieder beratend unterstützen. Betroffene Mitglieder der Dachorganisationen der Wirtschaft (Bündner Gewerbeverband, Handelskammer Graubünden, HotellerieSuisse Graubünden) können sich unter Angabe ihrer Telefonnummer und dem Betrieb unter beratung@kgv-gr.ch melden. Der Kontakt wird schnellstmöglich hergestellt und selbstverständlich werden alle Angaben vertraulich behandelt. www.kgv-gr.ch/BeratungsstelleCorona