Die Bieraria Tschlin SA blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück.Doch die Finanzen sind nicht rosig.

Die Bieraria Tschlin SA begibt sich auf Partnersuche

Die Bieraria Tschlin SA kann auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Dennoch machen die Finanzen dem Verwaltungsratspräsidenten Andrea Gilli weiterhin Sorgen.

Von René Mehrmann Di, 29.05.2018

Biera Engiadinaisa geht nach Washington – diese Nachricht vom vergangenen Juli war ein Highlight für die Bieraria Tschlin. Der Schweizer Botschafter in Washington setzt auf 100 Prozent Schweiz und serviert den Gästen der Schweizer Botschaft «Biera Engiadinaisa Tschlin Ambra». Aber nicht nur in Amerika, sondern auch in der Schweiz wird das Unterengadiner Bier immer beliebter. Seit Februar 2017 ist das Bier in der ganzen Schweiz im Coop- Pro-Montagna-Angebot zu finden. Seit Februar 2018 werden die zwei Biersorten Ambra und Weizen von Biera Engiadinaisa sogar in weiteren 125 Filialen angeboten. Die Zusammenarbeit mit Coop kann dadurch ausgebaut werden.

So viel Bier wie nie zuvor

Der Verwaltungsrat der Bieraria Tschlin SA konnte an der Generalversammlung vom Samstag in Tschlin viele gute Neuigkeiten präsentieren. Im 2017 wurden mehr als 1300 Hektoliter Bier verkauft, so viel wie nie zuvor. Das Erfolgsrezept sind authentische regionale Produkte, die konsequent biologisch hergestellt werden. Die Bieraria Tschlin SA hat im vergangenen Jahr den Auftrag erhalten, auch für die Brauerei Chur AG das «Bündner Bier» zu produzieren. Langfristig wird die gesamte Menge des Bündner Biers in Martina produziert. Und schliesslich wurden die rund 200 anwesenden Aktionäre darüber informiert, dass die Liegenschaft in Tschlin – die ursprüngliche Bierbrauerei – im letzten November verkauft werden konnte, erfreulicherweise als Erstliegenschaft.

66 000 Franken Defizit

Das Geld aus dem Verkauf der Liegenschaft in Tschlin ist eine willkommene Finanzspritze, denn es gab auch weniger erfreuliche Nachrichten an der Generalversammlung. «Trotz neuem Standort in Martina und guter Infrastruktur, trotz erhöhter Produktion, einer erweiterten Produktepalette, trotz grosser Anstrengungen seitens unseres Betriebes bewegen wir uns nach wie vor finanziell auf sehr dünnem Eis», sagte Verwaltungsratspräsident Andrea Gilli.

Die gewünschte Konsolidierung und der Abbau der Schuld, die seit der Konkurs-Abwendung im Jahr 2011 getragen wird, gehe zwar stetig, aber zu langsam voran. «Der Umzug nach Martina hat auch finanziell ungeplante Mehraufwendungen beschert. Da haben wir die Situation etwas unterschätzt», gab Gilli zu. Das Jahr 2017 musste mit einem Verlust von 66 000 Franken abschliessen.

Mehr Produktion

Ein Grund für die schwierige finanzielle Situation der Bieraria Tschlin SA ist auch die grosse Konkurrenz. «Betrachtet man die Bierwelt und deren Marktlage in der Schweiz so darf man feststellen, dass wir – die in einer sehr peripheren Lage produzieren – gut positioniert sind», sagte Gilli. Mit 921 aktiven Brauereien verfüge die Schweiz über ein extrem dichtes Netz an Brauereien. Allerdings gebe es sehr viele kleine Brauereien und wenige grosse.

«Mehr als 100 000 Hektoliter brauen nur gerade fünf Braustätten», erklärte der Präsident. Eine externe Bewertung des Betriebs sowie Diskussionen mit Experten haben ergeben, dass die Bieraria zu klein ist, um mittelgross zu sein und zu gross, um als Kleinstbrauerei zu funktionieren.

«Um einen Schritt nach vorne zu kommen, müssen wir die kritische Grösse von 5000 Hektoliter produziertem Bier überschreiten», meinte Gilli. Der Verwaltungsrat hat daher entschieden, nun auf Partnersuche zu gehen, um in den Bereichen Produktion, Lagerung, Vertrieb, Logistik neue Wege zu gehen. «Dabei ist uns allen klar, dass wir keinerlei Kompromisse im Bereich der Standortgemeinde und unserer Philosophie eingehen», betonte der Präsident. Der Verwaltungsrat will spätestens an der Aktionärsversammlung 2019 eine langfristige Lösung präsentieren können.

An der Generalversammlung vom Samstag haben die Aktionäre sämtliche Traktanden einstimmig angenommen.