Späne aus der Denkwerkstatt

Diagnose Gesundheitstourismus: fit und munter

Fast ein Drittel der stationär behandelten Patientinnen und Patienten stammen schon heute von ausserhalb Graubündens. Wichtige Segmente im Bündner Gesundheitstourismus sind Feriengäste, Zweitwohner und Personen aus den Nachbarsregionen Graubündens.

Von Wirtschaftsforum Graubünden Mi, 20.11.2019

Mit seinen 13 Akutspitäler, 5 psychiatrische Institutionen und 4 Reha-Kliniken hat Graubünden eine dezentrale medizinische Versorgung, die insbesondere auch in den Tourismusdestinationen ihre Dienstleistungen anbieten. Sie bilden das Fundament des Gesundheitswesens in Graubünden und sind auch für den Gesundheitstourismus von grosser Bedeutung. Im Jahr 2017 stammte nämlich rund ein Drittel der hier stationär behandelten Menschen (40‘462 Personen) von ausserhalb des Kantons.

Grafik Spitäler und Kliniken in Graubünden

Quelle: Darstellung Wirtschaftsforum Graubünden

 

Viele Patientinnen und Patienten ohne Wohnsitz in oder um Graubünden werden besonders im Bereich der Rehabilitation verzeichnet. Auch Personen aus Nachbarregionen, die sich für stationäre Wahlbehandlung in Graubünden entscheiden, stellen eine beachtliche Patientengruppe dar, wie Abbildung 2 zeigt.

Grafik Stationär behandelte Patienten

Quelle: Darstellung Wirtschaftsforum Graubünden auf Basis von Spezialauswertungen des Gesundheitsamts Graubünden (1)

 

Ambulante Behandlungen des Gesundheitstourismus

Nebst der stationären Behandlung in den Bündner Spitälern und Kliniken gibt es auch ambulante Behandlungen, die dem Gesundheitstourismus zuzuordnen sind. Insgesamt wurden im Kanton Graubünden 2016 rund 620'000 ambulante Konsultationen in Spitälern, Reha-Kliniken und psychiatrischen Kliniken beansprucht. Während im ambulanten Bereich Statistiken zur Herkunft von Patienten fehlen, gibt es Anhaltspunkte, wie bedeutsam der Gesundheitstourismus auch im ambulanten Bereich ist.  

So zeigt eine Umfrage eines Regionalspitals aus einer Bündner Tourismusdestination, dass rund 46 Prozent der ambulanten Notfallbehandlungen durch Gäste beansprucht werden. Bei den angemeldeten und geplanten ambulanten Behandlungen sind es acht Prozent. Diese Grössenordnung wurde von weiteren Regionalspitälern bestätigt. 

Zu den stärksten Patientengruppen im ambulanten Bereich gehören auch die Zweitwohnenden: In einzelnen Regionalspitälern machen Zweitwohnende bis zu 30 Prozent der Patientinnen und Patienten im ambulanten Bereich aus. Insbesondere diejenigen Zweitwohnende, die sich stark mit der Region verbunden fühlen und sich oft in Graubünden aufhalten, haben vielfach eine «Zweithausarztpraxis» hier und lassen ambulante Behandlungen von ihnen durchführen.

Im Kantonsspital Graubünden ist der Anteil tiefer, da das Einzugsgebiet weniger touristisch geprägt ist. Das zeigt: Die Relevanz von gesundheitstouristischen Angeboten ist in den Tourismuszentren Graubündens bedeutsamer. Mit der Baby-Boomer-Generation, die derzeit ins Pensionsalter kommt, wächst das Potenzial Graubündens Gesundheitstourismus stark an. Diagnose: Positiv!

 

Dieser Text basiert auf dem Bericht «Sana per Raetia». Der vollständige Bericht kann unter www.wirtschaftsforum-gr.ch kostenlos heruntergeladen werden. Weitere Informationen zu Gesundheitstourismus finden Sie auch in unserem Dossier.

(1) Anmerkung zu den verwendeten Definitionen in Abbildung 2: Das Gesundheitsamt Graubünden erfasst zu jedem stationären Aufenthalt in einem Spital bzw. einer Klinik in Graubünden verschiedene Merkmale: Wohnort des Patienten, Art der Behandlung, behandelndes Spital, Aufenthaltsdauer, Allgemein/Privat, Versicherung/Selbstzahler und die Tatsache, ob der Eintrittszeitpunkt frei gewählt werden konnte (z.B. für eine Wahlbehandlung) oder nicht (sog. Notfalleintritte). Auf Basis dieser Angaben hat das Gesundheitsamt für das Wirtschaftsforum Graubünden die obigen Schätzungen zu den Fallzahlen pro Kategorie vorgenommen.