Wirtschaftstrends Mai 2019

Deutliche Konjunkturabkühlung erwartet

Nachdem die Hochkonjunktur im letzten Jahr ihren Zenit überschritten hat, wird die Bündner Wirtschaft 2019 aller Voraussicht nach deutlich weniger stark wachsen. Negativtendenzen zeigen sich vor allem im Baugewerbe.

Von Patrick Casanova | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden

Die Bündner Wirtschaft ist nach jüngsten Schätzungen von BAK Economics im letzten Jahr um 2.5 Prozent gewachsen, was dem höchsten Wachstum der letzten Jahre entspricht. Das kantonale Bruttoinlandprodukt (BIP) entwickelte sich so für einmal gleich dynamisch wie sein schweizerisches Pendant. Getrieben wurde das hohe Wachstum vor allem von Warenexporten in Rekordhöhe, aber auch andere Branchen verzeichneten beachtliche Zuwächse. So schlugen sich etwa auch die Frequenzsteigerungen im Tourismus positiv auf die Branchenwertschöpfung nieder.

Ausgehend von der internationalen Entwicklung deuteten aber bereits gegen Ende 2018 erste Vorlaufindikatoren auf ein kurzfristig wieder spürbar moderateres Wachstum sowohl in der Schweiz als auch in Graubünden hin. Dieser Trend bestätigt sich nun in diesem Frühling und wiederspiegelt sich auch in den Erwartungen des Basler Wirtschaftsinstituts – für 2019 wird mit einer Zunahme des kantonalen BIP um gerade noch 0.1 Prozent gerechnet (Schweiz: 1.1 Prozent).

 

 

Dabei wird in allen Sektoren und untersuchten Branchenaggregaten eine nachlassende Dynamik vermutet. Dass die im letzten Jahr stark expandierende Exportindustrie das Tempo nicht auf Dauer zu halten vermag, war absehbar. Die rückläufigen Aussenhandelswerte im ersten Quartal vermögen diesen Befund zu stützen. Gleichwohl wird die Exportindustrie voraussichtlich auch 2019 deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen und wiederum eine tragende Stütze der Bündner Konjunktur sein.

 

 

Obwohl die abschliessenden April-Werte noch nicht vorliegen, lässt sich für den Bündner Tourismus ein positives Fazit über die vergangene Wintersaison ziehen. Sowohl die Hotellerie als auch die Bergbahnen konnten ihre Frequenzen weiter steigern, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Die Aufholeffekte in der Hotellerie laufen nun allmählich wieder aus; die Zuwachsraten dürften damit dieses Jahr weniger hoch ausfallen. Der Wachstumsbeitrag der Branche fällt so wohl ebenso deutlich kleiner aus als noch 2018.

 

Etwas schwieriger präsentiert sich die kurzfristige Zukunft für die Bauwirtschaft. Vor allem im volatileren Hochbau wird mit einer rückläufigen Dynamik gerechnet. Neben weiterhin tiefen Neubautätigkeiten in den touristischen Regionen zeigen sich auch im Bündner Rheintal seit mehreren Quartalen Sättigungstendenzen auf dem Wohnungsmarkt. Ein Rückgang der Branchenwertschöpfung ist so zum heutigen Zeitpunkt ein realistisches Szenario, wenn auch die umfangreichen Tiefbauaktivitäten weiterhin für einen Ausgleich sorgen werden.

Letztgenannte Entwicklungen sowie auch die allgemein weiter eher stagnierende Entwicklung im Handel deuten in der Konsequenz auch auf einen minimen Beschäftigungsrückgang hin.

Der mittlere bis langfristige Prognosehorizont gestaltet sich derweil schon wieder etwas freundlicher, unter den heutigen Voraussetzungen dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr bereits wieder stärker anziehen.