Späne aus der Denkwerkstatt

Der Wandel kommt mit dem Optimismus

Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung spricht sich für gute Entwicklungschancen in allen Regionen der Schweiz und ausdrücklich auch in den Berggebieten aus. Das zeigt eine Umfrage des Seco, die im letzten Herbst durchgeführt wurde.

Von Wirtschaftsforum Graubünden Mi, 10.06.2020

Um Anhaltspunkte für die zukünftige Entwicklung der Berggebietspolitik des Bundes zu erhalten, hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Dabei wurden einerseits Bevölkerung, Politik, Verwaltung und Wirtschaft aus den Schweizer Berggebieten, sowie andererseits die Einwohnerinnen und Einwohner der Nicht-Berggebiete («Restschweiz») befragt. 

Attraktivität für Familien im Mittelpunkt

Die Ergebnisse der Umfrage, welche Mitte Mai 2020 durch das Seco publiziert wurden, zeigen klar auf: Die Schweizer Berggebiete gehen durchaus kritisch mit der eigenen Situation um. Gleichzeitig ist ihnen bewusst, dass sie ihres Glückes eigener Schmied sind.

So gibt die Mehrheit der befragten Zielgruppen an, dass für die wirtschaftliche Entwicklung in erster Linie die lokalen Akteure, also sie selbst, verantwortlich sind. Von Politik und Verwaltung wünschen sich die befragten Personen aus dem Berggebiet, dass die Lebensqualität vor allem für Familien verbessert wird.

Selbst die befragten Unternehmerinnen und Unternehmer erachten eine Verbesserung des Angebots für Familien als sehr wichtig, noch wichtiger als die Verbesserung der verkehrstechnischen Erreichbarkeit und die Senkung der Steuern. Weiter sollen Unternehmensansiedlungen und Start-ups stärker gefördert werden, um so der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen. 

Wohnraum ja, Arbeitsraum nein

Die Befragten sind sich einig, dass sich die Attraktivität des Berggebiets als Tourismusregion, Naturraum und Wohnraum in den letzten fünf bis zehn Jahren verbessert hat. Bei der Attraktivität des Berggebiets als Arbeitsraum hingegen ist das Gegenteil der Fall: Die Befragten, insbesondere aus der Politik, nehmen eine Verschlechterung der Attraktivität wahr.

Ihre Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung setzen die Befragten vor allem in den Sommertourismus, in die Positionierung des Berggebietes als Wohnregion für Pendlerinnen und Pendler, den Wintertourismus und nicht zuletzt in die Digitalisierung. Sorgen hingegen bereiten unter anderem fehlende Arbeitsstellen, die Abwanderung der jungen Wohnbevölkerung sowie fehlende Entwicklungsmöglichkeiten aufgrund politischer und gesetzlicher Bestimmungen.

Restschweiz zeigt sich solidarisch

Geht es nach den Befragten aus der Restschweiz, so sind eben diese Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern. So erachten mehr als drei Viertel eine positive Entwicklung des Schweizer Berggebietes als wichtig, und befürworten eine dementsprechend proaktivere Rolle des Bundes – gerade bei der verkehrstechnischen und technologischen Erschliessung. Eine Mehrheit der Befragten befürwortet zudem zusätzliche finanzielle Mittel sowie Ausnahmeregelungen für die Schweizer Berggebiete. Nur gerade ein Fünftel der Befragten sind der Meinung, dass es keine weitere Unterstützung für die Schweizer Berggebiete braucht.

Die Politik sollte vorausgehen

Letztlich zeigt die Umfrage auch, dass die Politik gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung des Schweizer Berggebietes deutlich pessimistischer eingestellt ist, als es die Bevölkerung ist. Dabei liegt es doch eigentlich an der Politik, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Denn sie hat es in der Hand, mit weitsichtigen Entscheiden die Zukunft massgeblich zu gestalten und so den Wandel einzuleiten. Denn wie es schon der frühere US-Präsident Barack Obama formuliert hatte, «sind wir der Wandel, auf den wir gewartet haben».