Ausbaupläne für Flughafen Samedan auf Kurs

Das touristische Tor ins Oberengadin

Die touristische Bedeutung des Regionalflughafens Samedan für das Oberengadin ist ebenso gross wie unbestritten. Mit dem geplanten Ausbau und der Modernisierung des Flughafenareals dürfte diese Bedeutung in Zukunft gar noch zunehmen.

Von Franco Brunner Do, 10.10.2019

Der Regionalflughafen Samedan soll über den Betrieb hinaus als «Tor zum Engadin / St. Moritz für anspruchsvolle Gäste dienen.» Dies steht im Wettbewerbsprogramm, bei dem im vergangenen Jahr das Siegerprojekt für die Ausbau- und Modernisierungspläne des Oberengadiner Flughafens gesucht wurde. Gewonnen hat damals das Projekt von Hosaya Schaefer Architects aus Zürich.

Dank dem Entscheid des Bundesrates von Mitte September sind nun auch die raumplanerischen Grundlagen für das rund 22 Millionen-Franken-Projekt geschaffen worden und es kann also mit der Arbeit an der Zukunft des Flughafens Samedan begonnen werden. Eine Zukunft, von der selbstredend auch der Tourismus im und rund um das Oberengadin ein Stück weit abhängig ist.

Denn die touristische Bedeutung des Flughafens Samedan für das Oberengadin ist ebenso unbestritten wie einschneidend. Und das ist man sich hier auch sehr wohl bewusst. Dies zeigte sich beispielsweise im Jahr 2012, als sich die Oberengadiner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger als Eigentümer des Flughafens mit stolzen 82 Prozent für die Zukunftspläne respektive Neustrukturierung ausgesprochen haben. Keine Frage, der Regionalflughafen Samedan ist nicht nur aber ganz besonders für das Oberengadin ein touristischer Mehrwert.

Planbarkeit als touristischer Pluspunkt

«Resultate wie solche bei der Abstimmung 2012 sind für uns und unsere Mitarbeiter natürlich eine unheimlich grosse Motivation», sagt Christian Gorfer, Chief Financial Officer der Engadin Airport AG. Denn als internationaler Flughafen müsse man den sich verändernden Anforderungen an Infrastruktur und Betrieb Rechnung tragen und da bestünde in Samedan nunmal Handlungsbedarf. Umso erfreuter blickt Gorfer nun den Ausbau- und Modernisierungsarbeiten entgegen. 

Touristisch betrachtet ist demnach auch die Einführung eines Flugbetriebs nach Instrumenten-Flugregeln (IFR), der in Samedan ab 5. Dezember möglich sein wird, von grosser Bedeutung. «So kommen die Gäste erstens planbarer und sicherer ins Tal hinein respektive wieder hinaus und zweitens werden nicht nur sie selbst, sondern allenfalls auch die Crew über Nacht hier bleiben und nicht gleich wieder nach Altenrhein weiterfliegen, da nicht sicher ist, ob sie überhaupt wieder von hier weg kommen oder nicht», erklärt Gorfer. Und das wiederum generiere dem Oberengadin zusätzliche Logiernächte. Ebenfalls erhofft man sich bei der Engadin Airport AG durch die neuen Möglichkeiten neue Gäste. Gäste, die zuvor vielleicht noch auf eine andere Destination ausweichen mussten, weil der Anflug nach Samedan wetterbedingt nicht möglich gewesen war.

So soll der Flughafen Samedan nach den Ausbau- und Modernisierungsarbeiten einmal aussehen. (Bild zVg)

 

Grosse Wirkung

Wie wichtig der Flughafen Samedan für den lokalen Tourismus in den vergangenen Jahren war und es in Zukunft wohl gar noch verstärkt sein wird, zeigt auch der Blick auf ein paar Zahlen. So machte in den vergangenen Jahren der Anteil von Privat- und Business-Jet-Ankünften gerade einmal 15 Prozent der gesamten Flugbewegungen aus. Der grosse Rest verteilte sich derweil auf Sportflugzeuge sowie auf die Flugbewegungen der in Samedan stationierten regionalen Unternehmen wie die Heli Bernina, Rega, Swiss Helikopter oder die Air Corviglia.

Und trotz diesen verhältnismässig wenigen Flugbewegungen machten ebendiese «touristischen Flüge» nicht weniger als 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Ein Umstand, der sich wiederum positiv auf die regionale Hotellerie auswirkt.

Was der Flughafen Samedan touristisch betrachtet für Möglichkeiten bietet, sei ohnehin einzigartig, sagt Gorfer. «Unsere Lage inmitten eines Berg- und Tourismusgebietes ist in Europa einmalig und natürlich unser grosser touristischer Pluspunkt», erklärt er. Und tatsächlich, viel kürzer sind die Wege von der letzten Stufe der Flugzeugtreppe bis zur ersten Pistenabfahrt wohl tatsächlich fast nirgendwo anders auf der Welt.

Vom Armeeflugplatz zum internationalen Flughafen

Die Geschichte des Flughafens Samedan reicht bis ins Jahr 1938 zurück. Damals wurde der höchstgelegene Flughafen Europas als Armeeflugplatz eröffnet und als solcher auch während den ersten Jahrzehnten genutzt. Im Laufe der Zeit wurde der Engadin Airport aber zu einem Flughafen mit internationalem Standard, auf dem praktisch jedes Fluggerät vom Segelflieger über Helikopter bis hin zum Business- und Privat-Jet landen kann.

Touristisch betrachtet sind natürlich vor allem Letztere von Interesse. Mit der auf den 5. Dezember 2019 geplanten Einführung eines Flugbetriebs nach Instrumenten-Flugregeln (IFR) wird der touristische Aspekt respektive der touristische Stellenwert des Regionalflughafen Samedans gar noch vergrössert. Schliesslich wären dank dieser Einführung bis zu einer gewissen Flugzeug-Grösse auch kommerzielle Charterflüge möglich.

Die Höhe der in den kommenden Jahren anfallenden Investitionenfür einen nachhaltigen und langfristig stabilen Regionalflughafenbetrieb liegt laut der Infrastrukturunternehmung Regionalflughafen Samedan (INFRA) bei 22 Millionen Franken. Zusammenkommen soll diese Summe neben Fremdfinanzierungen unter anderem mit einem Verpflichtungskredit der Oberengadiner Kreisgemeinden in Höhe von 8,5 Millionen Franken, einem Bundesdarlehen von 2 Millionen Franken und einem ebenso hohen Beitrag des Kantons.

Aktuell verzeichnet der Flughafen Samedan im Schnitt rund 15’000 Flugbewegungen pro Jahr sowie eine regionale Bruttowertschöpfung von knapp 110 Millionen Franken. (fbr)