Späne aus der Denkwerkstatt

Dank Steuerbefreiung mehr Ansiedlungen im Berggebiet

Nebst dem Tourismus und der Wasserkraft hat das Bündner Berggebiet bisher seine Abhängigkeit vom Tourismus in keiner Weise abschwächen und nennenswerte Exportaktivitäten entfalten können. Wie gelingt es also, neue Exportsektoren ins Bündner Berggebiet zu locken? Das Wirtschaftsforum Graubünden stellt eine ungewöhnliche Idee zur Ansiedlung von entsprechenden Unternehmen zur Diskussion.

Von Wirtschaftsforum Graubünden Di, 28.01.2020

Während das Bündner Rheintal boomt, sind die Bündner Täler nach wie vor stark vom Tourismus abhängig. Und dieser kann ganz schön zickig sein, wie Graubünden schmerzhaft lernen musste. Bei so viel Abhängigkeit von den drei berühmten W – Wetter, Währung und Wirtschaft – und mit den zu erwartenden Klimaveränderungen sind Unsicherheiten vorprogrammiert. Graubünden tut gut daran, sich im Exportsektor weitere Standbeine aufzubauen. Doch wie kann das abseits des Bündner Rheintals gelingen?

Unternehmen ins Berggebiet locken

Das Wirtschaftsforum Graubünden stellt dazu einen Vorschlag zur Diskussion: Zur Erhöhung ihrer Attraktivität als Unternehmensstandorte erhalten die Bündner Gemeinden ausserhalb des Bündner Rheintals die Möglichkeit, alle Unternehmen auf ihrem Hoheitsgebiet von der Gemeindegewinnsteuer zu befreien.

Macht eine Gemeinde diesen Schritt, so zieht der Kanton nach und befreit die Unternehmen in der betreffenden Gemeinde ebenfalls von der kantonalen Gewinnsteuer. Die Übertragung der Entscheidungskompetenz vom Kanton ermöglicht jeder Gemeinde, den für sie optimalen Weg zu wählen, und zwingt sie, sich aktiv mit der Entwicklung als Unternehmensstandort auseinanderzusetzen.

Für Unternehmen würde das Bündner Berggebiet zu einem attraktiven Standort. Wegen der Gewinnsteuerbefreiung blieben mehr Mittel für die Weiterentwicklung des Betriebs übrig, was die Innovationstätigkeit begünstigen könnte.

Die Zeit ist reif

Der Zeitpunkt für die Umsetzung einer solchen Idee ist günstig: Die Digitalisierung und die Flexibilisierungen in der Arbeitswelt führen dazu, dass vor allem Berufe in den Bereichen Design und Architektur, Entwicklung und Beratung sowie IT zunehmend standortunabhängig werden. Mit der Befreiung von der Gewinnsteuer gewinnen die Standorte in diesen Branchen an Attraktivität.

Wenn im Bündner Berggebiet neue Arbeitsplätze entstehen und bestehende Arbeitsplätze gesichert werden können, so resultiert auch eine Aufwertung der betreffenden Orte als Wohnorte. Die Gemeinden wären die Gewinner.

Mehr zu dieser und weiteren Ideen, wie das Bündner Berggebiet gestärkt werden kann, finden Sie im Bericht «Alptraum». Die ausführliche Dokumentation steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.