Der Schweizer Tourismus im internationalen Vergleich

Bündner Tourismus holt etwas auf

Die Aufwärtstendenzen der letzten paar Saisons brachten den Bündner Tourismus auch im internationalen Vergleich wieder näher an die Konkurrenz heran. Gleichwohl bleiben die strukturellen Herausforderungen hoch, der Verdrängungswettbewerb fordert. Eine neue Studie im Rahmen eines Benchmark-Programms liefert vertiefte Einblicke und wartet mit Innovationen auf.

Von Patrick Casanova | Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden Mi, 04.03.2020

Im Auftrag der wichtigsten Schweizer Tourismusregionen, darunter auch des Kantons Graubünden, sowie mit Unterstützung des Seco analysiert das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics seit über 15 Jahren die touristische Performance und Wettbewerbsfähigkeit. In den Kernmodulen des Programms werden rund 150 Destinationen und 40 Regionen des gesamten europäischen Alpenraumes betrachtet.

Die systematische Erfassung und Analyse der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Vergleich zu in- und ausländischen Mitbewerbern ermöglicht es so auch dem Bündner Tourismus, sich mit den Besten zu messen, Unterschiede festzustellen, Erfolgsfaktoren zu identifizieren und das gewonnene Wissen in die Arbeit zu integrieren.

Tiefe Auslastung vor allem im Sommer

Beim Vergleich der Regionen zeigt sich etwa, dass die Auslastung der Bündner Hotellerie im Winter noch immer überdurchschnittlich ausfällt, im Sommer über einen längeren Zeitraum aber keine Fortschritte erzielt werden konnten.

Bruttoauslastung der Hotelbetten in der Wintersaison 2000 und 2018
Bruttoauslastung der Hotelbetten in der Sommersaison 2000 und 2018

 

Verbesserung der Bündner Destinationen im Top-Index

Um den Erfolg von einzelnen Destinationen zu messen und international zu vergleichen, wird im Programm der «BAK TOPIndex»verwendet. Dieser Index setzt sich aus den drei zentralen Masszahlen «Entwicklung der Marktanteile»(Gewichtung zu 20 Prozent), «Auslastung der Beherbergungskapazitäten»(Gewichtung zu 50 Prozent) sowie «Ertragskraft einer Destination»(Gewichtung zu 30 Prozent) zusammen. Der Index kann für das gesamte Tourismusjahr, aber auch für die Sommer- oder Wintersaison separat berechnet werden.

Ein Vergleich der Performance von 2016 und 2018 zeigt insgesamt ein positives Bild. Mit einer überdurchschnittlichen Positionierung sowohl im Sommer als auch im Winter gehört Engadin St. Moritz auch schweizweit zu den erfolgreichreichsten Destinationen. Gerade im Winter schneiden die meisten übrigen Bündner Destinationen gut ab, häufig sorgen eine verminderte Ertragskraft und eine tiefere Auslastung aber für Abzüge im Sommer.

Grafik Perfomance Graubünden

BAK TOPindex Sommer und Wintersaison 2016 (rot) und 2018 (blau), Mittelwert Alpenraum jeweils = 3.5, Quelle: BAK Economics

 

Neue Angebote erfordern neue Erhebungsmethoden

Neben einer Neuschätzung des Angebots und der Nachfrage in der Parahotellerie auf Destinationsebene, tragen die Programmverantwortlichen durch neue Erhebungsmethoden der fortschreitenden Digitalisierung Rechnung. Ständig ändernde Hotelpreise ausgewählter Online-Buchungsplattformen können nun automatisiert in die Benchmark-Datenbank einbezogen werden und erlauben so vielfältige Analysen. Durch «Webscrapping» sind auch bisher schwierig zu quantifizierende Beherbergungsangebote identifizierbar, die via häufig thematisierte Plattformen wie Airbnb den gesamten Tourismus revolutionieren.

Im letzten Quartal 2019 wurden in Graubünden so knapp 3'000 Unterkünfte mit gut 13'600 Betten auf Airbnb angeboten, was etwa 18 Prozent des gesamten Angebots in der Schweiz entspricht.